Grenchen

Herr der Ringe für einmal philosophisch und theologisch betrachtet

Im Rahmen der Erwachsenenbildung fand in Grenchen das Referat «Ein Ring sie alle zu knechten» statt. Bernhard Rohrmoser stellte dabei die Mythologie in Tolkiens Werk «Herr der Ringe» dem christlichen Glauben gegenüber.

Die katholische Pfarrei Eusebius wagte sich mit dem Vortrag «Ein Ring, sie alle zu knechten» an ein Thema, das man im Eusebiushof kaum erwartet. Denn eine Analyse des Fantasy-Epos «Herr der Ringe» gehört vielleicht nicht zu den Kernthemen der Pfarrei. Aber: Die Symbolik und Mythologie des Werks von J.R.R. Tolkien bewegt seit Jahrzehnten die Menschen.

Eine oft gestellte Frage lautet: Kann man «Herr der Ringe» überhaupt interpretieren und in einen Zusammenhang mit der realen Welt stellen? Bernhard Rohrmoser, der Leiter der Erwachsenenbildung, versuchte es, doch auch er bemerkte, dass der Autor sich immer gegen Analysen gewehrt habe: «J.R.R. Tolkien sagte immer wieder, er habe lediglich eine Geschichte schreiben - und kein Thema unserer Welt verarbeiten wollen.» Von dieser klaren Aussage liess sich der Referierende jedoch nicht abschrecken: In seiner Analyse bezog er sich auf die dreiteilige Verfilmung von Peter Jackson aus den Jahren 2001 bis 2003.

«Gegensätze» bis zu «Gott»

Seinen Vortrag splittete Rohrmoser in einen philosophischen und einen theologischen Teil. Als Erstes widmete er sich den Gegensätzen: Einer davon besteht aus der Fülle des hellen «Auenlandes» - der Heimat der Hobbits - und der Einseitigkeit im kargen «Mordor» - dort wo Sauron, die Verkörperung der dunklen und alles vernichtenden Macht herrscht. Rohrmoser interpretiert den Gegensatz als das «Gute und Böse». Dieser Topos brachte ihn zu einer wichtigen Feststellung: «Man weiss bei der Geschichte stets, wer auf der guten und wer auf der bösen Seite ist, ein «Dazwischen» gibt es nur bei der Hauptfigur, dem Hobbit Frodo.»

Rohrmoser arbeitete auch die Definition des Bösen in Tolkiens Werk heraus: Die Nazgûl - die Ringgeister, hätten wegen ihrer Bosheit ihre Gesichter verloren. Sie waren ehemals mächtige Menschenkönige, denen Sauron neun Ringe der Macht gegeben hatte. Sie wurden dadurch praktisch unsterblich, verfielen jedoch der Macht des Einen Rings und wurden zu Geistern und zu Sklaven Saurons. Der einst einem Hobbit ähnliche Sméagol verlor alles Lobenswerte - er wurde durch den Ring zum Mörder und verwandelte sich allmählich in die Kreatur Gollum.

Interesse für heidnische Kulturen

Während der philosophische Aspekt einleuchtete, so konnte der religiöse für manche ein wenig befremdlich wirken: Obschon laut Rohrmoser Tolkien die Bibel nicht explizit in seinem Werk verarbeitete, konnte er bei bestimmten Figuren Merkmale erkennen, die auf Jesus hinweisen: So zum Beispiel bei Frodo, der sich aufopfert und den beschwerlichen Weg nach Mordor geht, um den immer schwerer werdenden Ring und damit das Böse zu vernichten - eine Parallele zu Jesus, der alle Sünden auf sich nimmt.

Ebenso machte der Referierende einen «Gott» im Fantasy-Epos fest, und zwar Tolkien persönlich, der die Fäden in der Hand hält und am Ende Gnade walten lässt, indem er die Welt rettet.

Einen Beweis für seine Thesen sah Rohrmoser darin, dass Tolkien Katholik war. Trotzdem war für den Referenten offensichtlich, dass sich der Autor auch für heidnische Kulturen interessiert haben muss. Dies lässt sich tatsächlich erkennen: Die von Tolkien erfundene Sprache wird in einer Runenschrift geschrieben - ähnlich der keltischen - und die Namen bestimmter Orte und Plätze klingen ähnlich wie Namen aus der skandinavischen Mythologie, so zum Beispiel «Isengard», «Helms Klamm» und «Bruchtal». Rohrmoser gestaltete seinen Vortrag spannend, in dem er passende Bilder, wie das karge «Mordor» aufzeigte.

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