Das Restaurant Helvetia in Grenchen gehört zu den «Traditionsbeizen» in Grenchen, die seit Jahrzehnten geöffnet sind. Seit 20 Jahren arbeitet Wirtin Heidi Schmid in der «Häufti», wie das Restaurant im Volksmund genannt wird. Sie führt die Wirtschaft im Stil einer gutbürgerlichen Quartierbeiz und will definitiv nicht mehr sein. Aber auch nicht weniger.

Aura der Uhrenarbeiter

Wer ein Stück «altes Grenchen» sucht, der wird im Restaurant Helvetia fündig. Urgrenchnerinnen und -grenchner gehen hier gerne ein und aus. In der Gaststube und im Rauchersäli ist noch die Aura der Uhrenarbeiter zu spüren, die aus den nahen Fabriken hier ihr Feierabendbier getrunken haben. Oder jener Menschen aus dem Quartier «ob de Müre», die, als es fast noch keine Autos gab, auf dem langen Weg von der Stadtmitte zur Schmelzi in der «Häufti» einen willkommenen Zwischenhalt machen konnten.

Die «Helvetia» an der Ecke Kirchstrasse/Däderizstrasse markiert tatsächlich so etwas wie die Mitte Grenchens zwischen südlicher und nördlicher Stadthälfte. Seit 20 Jahren ist Heidi Schmid in der «Häufti» tätig. Die Wasserämterin aus Derendingen war zuerst rund zehn Jahre in Restaurants in Grenchen und Bettlach als Servicefrau tätig, so im St. Urs und Viktor, im Hotel Passage und im Hotel Krebs. Im Frühling 1998 kam sie mit Uschi Fochi ins Restaurant Helvetia. Auch hier war sie für den Service zuständig, während Uschi Fochi als Wirtin in der Küche arbeitete.

Lange Tage am Tresen

Rund fünf Jahre dauerte die Zusammenarbeit der beiden Frauen bis zur Pension von Uschi Fochi. Heidi Schmid wollte die «Helvetia» nicht verlassen und übernahm die Verantwortung für das Restaurant, das vom Montagnachmittag bis Samstagabend geöffnet hat. In Teilzeit konnte sie in den vergangenen elf Jahren auf die Mithilfe von Köchin Concita Bermudes und die Serviceangestellten Marianne Wölfli und Monika Fumasoli zählen. Seit diesem Sommer ist Jacqueline Steffen im Service tätig.

An drei Tagen pro Woche steht Heidi Schmid aber alleine in Küche und Gaststube. Ab morgens acht Uhr ist sie im Restaurant, und der Tag dauert in aller Regel bis 23 Uhr. «Das kann manchmal stressige Situationen geben, wenn ich in Küche und Service alleine bin», räumt sie ein. Durch ihre grosse Erfahrung weiss sie zwar ungefähr, wann und wie viele Gäste das Restaurant besuchen. Aber Überraschungen kann es immer geben. Doch die stattliche Zahl der jahrelangen Stammgäste beweist, dass Heidi Schmid ihr Handwerk beherrscht und als Wirtin und Köchin geschätzt wird. Aber: Die lange Präsenzzeit sei nur zu bewältigen, sagt sie, weil sie mit Leib und Seele ihre Arbeit gerne mache.

Solide Küche – mit Metzgete

Als Köchin greift Heidi Schmid nicht nach Auszeichnungen, nach Kochmützen, Sternen oder Punkten. «Ich führe ein gutbürgerliches Restaurant, habe gerne eine Quartierbeiz», hält sie fest. Bekannt sind ihre Steaks vom Pferd und die Pouletflügeli. Von Dienstag bis Freitag kocht sie ein Mittagsmenü. Zudem gibt es immer wieder Spezialtage, bei denen Kalbsleberli, Suure Mocke oder Wildsaupfeffer aufgetischt werden. Auch die Metzgete hat jeden Herbst Tradition, die sie jeweils mit der Hilfe von Hans Gantenbein durchführt.

Ein Höhepunkt im Jahr ist die Fasnacht. Dann ist die «Helvetia» wunderschön dekoriert. Hier kann sie auf die grosse Hilfe von Stammgästen zählen, die mit stundenlanger Arbeit der «Helvetia» ein Narrenkleid verpassen. Jeweils am Fasnachtsfreitag geht es dann rund in der «Häufti» bis in die Morgenstunden. Auch am Fasnachtsonntag ist geöffnet, weil der Umzug gleich vor der «Helvetia» von der Bündengasse in die Kirchstrasse einbiegt. Hat Heidi Schmid nach zwei Jahrzehnten noch nicht genug von der «Helvetia»? «Nein, nein», lacht sie, « ich mache gerne noch lange weiter.» Und somit haben die Grenchner auch in Zukunft eine Beiz, wie man sie von gestern kennt.