Wussten Sie, dass ein Grippevirus Gefühle hat? Was geschieht, wenn ein stilles Wasser in Wallung kommt? Das Publikum am Gwösch in Bettlach kann diese Fragen nun beantworten. Es ist um einen vergnüglichen bunten Abend reicher und um etliche Lachtränen ärmer. Der neue Spassmoderator hat mit Bravour den Einstand geschafft, und die Fasnachtsurgesteine überraschten einmal mehr mit originellen Ideen.

Die Krachwanzen füllen ohnehin jede Bühne. Doch als Uhus brauchen sie mit ihrem prächtigen Gefieder doppelt so viel Platz als sonst. Was sie von sich gaben, war alles andere als Gekrächz. Wie immer präsentierten sich die Wanzen ebenso sehens- wie hörenswert. Dass sie sich selbst mindestens so sehr einheizten wie der Büelenhalle, dürfte als Fussnote in die Gwösch-Annalen eingehen.

Video-Querschnitt Bettlegwösch 2019

Video-Querschnitt Bettlegwösch 2019

Das beste aus dem "Bettle Gwösch" 2019

Grippe im Anzug

Wer aus dem Programm schloss, man müsse heuer auf die zweite Gugge verzichten, war auf dem Holzweg. Ramon Zumstein verbuchte manchen Lacher, indem er das letzte aller Babeli (Joël Mussilier) mit einer Posaune ausstattete und ihm unter dem Jubel der Zuschauer ein paar wacklige Takte entlockte.

Damit toppte Zumstein seinen Auftritt als zänkisches Ehepaar beim Ausfüllen der Steuererklärung (mit Fränzi Lanz). Und was die einzige Frau im Gwösch-Team angeht: Fränzi Lanz landete als «Grippe im Anzug» den Hit des Abends. «Alle wollen mit mir ins Bett und nachher wollen sie mich loswerden», schniefte sie. Dann ging sie zum Bekenntnis über, wie die Trennung von ihrem letzten Mann sie aus der (Blut)bahn geworfen habe: «Zum Schluss hat er mir sogar Impfwörter nachgeworfen.» Ihre unheilvolle Zukunftsvision: der Wechsel in die Computerbranche.

Brillentanz und Homo-Age

Der frisch gekürte Moderator, Luca Brand, knüpfte mit seinem verschupften Auftreten im schwarzen Hoodie an seinen Erfolg als depressiver Psychotherapeut (vorletztes Jahr) an. Neben der Lokalpolitik musste der Grenchner Stapi dranglauben. Nicht einmal Fred Leibundgut (der Mann der Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut) blieb ungeschoren: Er musste mit dem Moderator zum Brillen-Rap antreten. Wunderschön auch Luca Brands sehnsüchtiger Tanz mit der angebeteten imaginären Gemeindepräsidentin und treffsicher komisch das Geflatter als schwarzer Ballettschwan.

Hart an die Grenze (und gelegentlich darüber hinaus) ging Roman Weber mit den Beziehungsgeschichten in «Homo-Age» an den Sänger Freddie Mercury. «Die Ehe ist langsam veraltet, schliesslich wurden die Menschen nur 35-jährig, als sie erfunden wurde», sinnierte er – um beim Harmlosen zu bleiben. Dabei war sein Auftritt, tätowiert und im Unterleibchen, stimmig und pointenfest. Seine Kalauer über die Sinnlosigkeit von Flugzeughupen und die Unfähigkeit von Landpolizisten gab auch zarter besaiteten Gemütern einiges zu lachen.

Stille Wasser sind tief

Für die Überraschung des Abends sorgte Thomas Christen. Der unermüdliche Schaffer hatte sich jahrelang mit der zweiten Geige begnügt. Das stille Wasser kann anders, und wie. Sein Soloauftritt über die Leiden am Rechaud-Kerzli-Stress in der Ikea – «Zutritt am besten nur mit zwei Goofen» – riss das Publikum zu wahren Lachstürmen hin. Die Spitze auf das Spielplatz-Gschtürm sicherte dabei den lokalen Bezug.

Der Zauberer, Ron Bertolla, setzte die Zuschauer – für einmal gab es hinten im Saal ungewohnt viele leere Plätze – mit einer Glühbirne im Weinglas unter kontaktlosen Strom. Beim vermeintlichen Tabubruch in Form der Erklärung eines Zauberstücks führte er die Leute souverän erneut an der Nase herum. Als Glanzpunkt seiner Nummer zauberte er das Mona-Lisa-Bild auf die Bühne.

Bis zur letzten Schnitzelbank

Den Abschluss machten die bewährten Grenchner Schnibako, bekanntlich mit Bettlacher Verstärkung. Sie trösteten das Publikum mit fast mehr Zugaben als regulären Schnitzelbänken. Doch die Nummer vier auf ihrem Flipchart, die wollten sie partout nicht bringen. Diese Pointe kennt nur, wer den Grenchner Plausch besucht hat.