Swiss Ocean Dancers

Grenchner Ruderin nach Abenteuer auf dem Atlantik: «Die Natur hat uns immer reich beschenkt»

Die Grenchnerin Carla Lemm war Mitglied der ersten reinen Schweizer Frauenmannschaft, die in einem speziellen Ruderboot den Atlantik überquert hat. Sie erzählt von diesem grossen Abenteuer.

Am 26. Januar war es so weit. Die vier Frauen, die Swiss Ocean Dancers, hatten nach etwas mehr als 45 Tagen die 5000 Kilometer von La Gomera nach Antigua über den Atlantik rudernd absolviert: Als erstes rein schweizerisches Frauenteam meisterten sie die Challenge. Nur gerade zwei Wochen später stellt sich die Jüngste im Team, die Grenchnerin Carla Lemm, den Fragen des Journalisten. Sie wirkt frisch, fröhlich und es entwickelt sich ein lockerer Dialog. Aber natürlich hat sie noch mit dem einen oder anderen «Bräschten» zu kämpfen. Die Gelenke schmerzen noch, die Beinmuskulatur muss wiederaufgebaut werden und auch der Gewichtsverlust ist beträchtlich. Wobei Carla Lemm betont, dass sie sich so wohl fühlt. «Ich schaue auf jeden Fall nicht auf die Waage» bekundet sie lachend.

Ihre Augen leuchten, wenn sie von der Zielankunft erzählt. Drei Stunden seien sie von Delfinen als eine Art Willkommensgeschenk begleitet worden. Im Hafen hupten riesige Jachten, die Frauen zündeten Rauchpetarden: «Es war unbeschreiblich schön. Vor allem tat es gut, Familie und Freunde wieder zu sehen.» Eine besondere Herausforderung war dann der eigentliche Landgang: «Wir haben uns ein paar Tage ziemlich torkelnd fortbewegt, eine Folge des ständigen Ausbalancierens während der Überfahrt.»

Problemlose Überfahrt trotz einiger Reparaturen

Diese ist an sich ziemlich problemlos verlaufen. Zwar gingen Ruder kaputt, der Autopilot musste ersetzt werden und auch sonst galt es immer wieder etwas zu reparieren, «aber das alles haben wir in der Vorbereitung schliesslich trainiert.» Und zum Glück seien nie gleichzeitig Dinge kaputt gegangen.

Carla Lemm wurde zudem von der Seekrankheit befallen, aber auch diese hat sie mit der Hilfe von Medikamenten in den Griff bekommen. Dafür machten ihr kaum Blattern an den Händen zu schaffen, wohl auch, da sie mit Handschuhen gerudert ist.

Zwei Stunden rudern, zwei Stunden ausruhen, lautete das Motto. Wobei:  Wegen eines Hexenschusses eines Crewmitgliedes, musste dessen Schicht für knapp zwei Tage von den anderen übernommen werden. «Wir hatten es wirklich toll miteinander, haben viel gelacht und viel gegessen, um die 4000 Kalorien, die pro Tag verbrannt werden, etwas zu kompensieren». Und obwohl Tatiana Baltensperger, Astrid Schmid, Sandra Hönig und Carla Lemm sich nicht wirklich gut kannten, kam es kaum zu Reibereien. Nicht ganz einfach auf einer Fläche von nur knapp 18 Quadratmetern. «Wir hatten uns vorgenommen, fürsorglich miteinander umzugehen und dies ist uns bis zum Schluss gelungen», resümiert Carla Lemm.

Faszinierend sei insbesondere das Gefühl von Endlosigkeit gewesen, das einem ob der Weite des Atlantiks befällt. Dabei habe sie erstaunt festgestellt, dass das Meer nicht immer gleich sei. Es zeigte sich stets in anderen Facetten.

Im Ruderboot über den Atlantik

Im Ruderboot über den Atlantik – Astrid Schmid aus Thun im «TalkTäglich»

Zum ersten Mal hat ein rein weibliches Team aus der Schweiz das härteste Ruderrennen der Welt bewältigt. Astrid Schmid aus Thun ist eine der vier Frauen. Sie spricht über Grenzerfahrungen und Emotionen während 45 Tagen nonstop Rudern auf dem Atlantik.

Faszinierende Natur und Tierwelt

Und dann natürlich die Tierwelt. Vögel waren häufig zu Gast, dazu vor allem fliegende Fische, die es in der Nacht galt, wieder in ihren angestammten Lebensraum zu bugsieren – mit Handschuhen, weil sie ziemlich stark riechen. Schildkröten seien sie begegnet und dann, als sie kurz vor dem Ziel in heftigen Gegenwind gerieten und kaum mehr vorwärts kamen, gesellten sich wie zur Belohnung für ihre Anstrengungen die grössten Meeressäuger, die Wale, zu ihnen. «Immer, wenn wir am Anschlag waren, hat uns die Natur reich beschenkt», beschreibt die 34-Jährige dieses Phänomen.

Nach der Ankunft galt es das Boot «Heidi» wieder klar zu machen, damit es verladen und verschifft werden konnte. Schliesslich soll es verkauft werden und der Erlös an die Initiative «Viva con Agua Schweiz» fliessen.

Nach einer Woche Ferien in der Karibik hatte Carla Lemm genug vom Nichtstun, rief ihren Chef Urs Bleuer an und nahm ihren Job als Innendekorateurin bereits wieder auf.

Vom Graubünden nach Grenchen

Die gebürtige Davoserin kannte die Region von ihrer Aus- und Weiterbildung her. Als ihr vor ein paar Jahren eine Arbeit in Grenchen angeboten wurde, griff sie sofort zu. «Die Grenchnerinnen und Grenchner sind ungemein freundlich und offen. Dazu bietet die Stadt insbesondere im sportlichen Bereich viele Möglichkeiten», fasst sie ihre Eindrücke zusammen.

Carla Lemm hat sich schon anderen Herausforderungen gestellt. Ihre vorherigen Abenteuer waren der Halbmarathon in Nordkorea 2018 und davor die einjährige Reise 2016/17 mit ausgedehnten Fahrrad-Etappen durch Qatar, Libanon, Oman, Vietnam, Kambodscha, Thailand und durch südosteuropäische Länder bis nach Österreich und Deutschland. Jetzt plant sie aber ein Schweizer Jahr: «Familie und Freunde kamen in der letzten Zeit zu kurz. In mir regt sich der Wunsch, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen.»

Und doch meint sie auf die Frage, ob sie eines Tages den Atlantik auch alleine überqueren möchte: «Sofort, wenn ich mich auf das Rudern konzentrieren kann und mir das Finanzielle und der grosse planerische, administrative Aufwand abgenommen wird.»

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