Diesen Herbst will Kurt Boner, Chef der Sozialen Dienste Oberer Leberberg (SDOL), ernst machen mit den angedachten Änderungen auf dem Sozialamt. «Wir kommen jetzt in die Phase der richtungsweisenden Entscheide», sagt Boner. Nach einer Strukturanalyse der SDOL startete im November 2017 ein Reorganisationsprojekt, das für mehr Effizienz bei der Arbeitsmarktintegration und der sozialen Integration sorgen will.

Beim SDOL soll eine Anlaufstelle geschaffen werden mit dem Namen «Info&Intake», bei der sich Personen, die um soziale und wirtschaftliche Unterstützung nachsuchen, zuerst Klärung erhalten, wie ihnen am besten geholfen ist. «Es geht darum, die Arbeitsmarktfähigkeit und den Bedarf an sozialer Integration dieser Menschen möglichst früh abzuklären, um danach die Weichen richtig zu stellen», meint Boner.

Prinzip der Gegenleistung

So soll vermieden werden, dass bei jedem «Neukunden» sogleich eine zeitaufwendige Abklärungsspirale in Gang kommt, während der diese Personen schon Teil des Sozialhilfesystems werden. Im Klartext: In einer Frühphase soll sichtbar werden, ob Personen überhaupt arbeiten wollen und können oder es ihnen um Mittelbeschaffung geht. «Es geht hier um den kleinen Teil der Sozialhilfebezüger, welche das System ausnützen wollen. Sie schaffen es mit Nichterscheinen zu Massnahmen, mit Ausreden oder fragwürdigen Arztzeugnissen, enorme Ressourcen zu binden, die dann für jene, die bereit sind, mitzuwirken und sich zu entwickeln, nicht mehr zur Verfügung stehen», sagt Boner.

Nach jahrzehntelangen Erfahrungen im Sozialwesen glaubt Boner, dass hier der Hebel anzusetzen wäre. Geht es um Sozialhilfeleistungen, soll nicht die Geldleistung, sondern die Arbeitsmarkfähigkeit und das Gegenleistungsprinzip im Vordergrund stehen. «Statt die Höhe der Sozialhilfe zu evaluieren, stellen wir die Frage: Wie können wir Ihnen behilflich sein, Ihr Problem zu lösen und sind Sie bereit, selber etwas zur Lösung beizutragen?»

Dabei, so präzisiert Boner, will man gewährleisten, dass Menschen, die weder arbeitsmarktfähig noch in der Lage sind, Gegenleistungen zu erbringen, (weiterhin) existenzsichernde Leistungen erhalten. Man will niemand den Boden unter den Füssen wegziehen.

Ein Job statt Sozialhilfe

In der Praxis soll dies mit Testarbeitsplätzen geschehen, die vom SDOL zusammen mit Pro Work angeboten werden – als Alternative zur Sozialhilfe. Hier kann eine Klärung der Situation erfolgen, ohne dass die Betroffenen sogleich Teil der Sozialhilfemaschinerie werden. Und hier dürfte sich zeigen, wer zu einer Arbeitsleistung gegen Lohn bereit ist und allenfalls auch, ob die Person noch über weitere Einnahmenquellen verfügt.

«Mit einer vertieften Zusammenarbeit von SDOL, Netzwerk und Pro Work wollen wir die wirtschaftsnahen Kompetenzen dieser Strukturen rasch nutzen. Wir wollen nicht mehr Zeit verlieren mit Versuch und Irrtum, indem diese Leute diesem oder jenem Sozialprojekt zugewiesen werden und dabei schon Sozialhilfe abholen.» Die Abklärungen sollen nach einem straffen Zeitplan erfolgen. Statt mit Monaten oder Quartalen möchte Boner in Wochenzeiträumen denken.

Bedarf für einfache Jobs

Ziel könne es natürlich nicht sein, jeden Sozialhilfebezüger wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu schleusen. «Das ist auch gar nicht möglich. Manche Leute brauchen auch einfach soziale Kontakte, eine Beschäftigung, die Sinn macht, womöglich auch in der Freiwilligenarbeit oder in niederschwelligen Arbeitsplätzen.

Gerade diese verschwinden aber heute zunehmend. Darum begrüsst Boner jegliche Initiative von Arbeitgebern, solche Arbeitsplätze (wieder) zu schaffen. Denn die Vebo könne nicht alle diese Menschen beschäftigen. Abgesehen davon, dass dann die Sozialwerke einen Grossteil der Kosten zahlen.

Ein Pilotversuch

Laut Boner steht die Sozialkommission unter der Leitung von Richard Aschberger hinter den Anpassungen. Er rechnet auch mit einer Zustimmung der SDOL-Trägergemeinden zu dieser «Info&Intake»-Stelle und zu weiteren Anpassungen, gestützt auf die erfolgte Strukturanalyse. Im Sinne der Unterstützung eines Pilotversuchs rechnet er auch auf die Unterstützung vom Verband Solothurnischer Einwohnergemeinden und vom Kanton.

«Wir werden so oder so im Herbst beginnen und je nach Feedback möglichst 80 Prozent der Vorschläge aus der Organisationsanalyse umsetzen – mindestens aber 45 Prozent.» Auch dies würde Boner als Erfolg werten.