Der Gemeinderat hat an seiner Sitzung vom Dienstag das räumliche Leitbild behandelt. Es dient als behördenverbindliche Grundlage für die Ortsplanungsrevision. Stadtplaner Fabian Ochsenbein erläuterte dem Rat die umfangreichen Unterlagen, welche das Gremium abzusegnen hatte. Nicht neu ist, dass sich Grenchen auch in diesem Leitbild, das bis 2040 Bestand haben soll als «Technologiestadt im Grünen» bezeichnet. Die Baudirektion bezeichnet drei Schwerpunkte für die Entwicklung. Die Stadt soll vor allem nach innen wachsen, indem die Verdichtung erhöht wird.

Die Bebauung soll sich auf die bestehenden Freiflächen konzentrieren. Die Verdichtung soll derart gesteuert werden, dass die Wohn- und Lebensqualität erhalten bleibt und die «Grünstrukturen in einer sinnvollen Vernetzung» erhalten bleiben. Als zweiter Schwerpunkt soll die Entwicklung der Arbeitszone im Südosten der Stadt vorangetrieben werden. Als klassischer Arbeitsort mit hoher Verkehrsgunst hätten auch die «Hauptstadtregion» und der Kanton Solothurn die Bedeutung dieser Zone erkannt und unterstützen dieses Ansinnen im neuen kantonalen Richtplan.

Damit ergebe sich die Chance, im Wettbewerb um attraktive Ansiedlungen dabei zu sein; dies unter Einbezug des Landschaftsschutzes (Witi). Als drittes Ziel wird die Entwicklung des Stadtzentrums genannt. «Wobei wir nicht mit dem Zonenplan das Zentrum beleben können», wie Ochsenbein einräumte, «doch die Spielregeln können wir verbessern.»

24 Mitwirkungseingaben

Zum Leitbild sind während der Mitwirkungsfrist 24 Eingaben eingegangen. Die meisten sind gemäss der Begleitgruppe zu konkret für das Leitbild und können erst in der nächsten Stufe (Ortsplanungsrevision) einfliessen. Andere widersprechen auch den Zielen der Stadt, z. B. die vorgeschlagene Schliessung des Flughafens. Viele Mitwirkungseingaben fordern explizit oder sinngemäss, dass man der Natur mehr Platz einräumt in der Stadt.

Das Leitbild wurde von den Fraktionen gut aufgenommen. «Es ist eine gute Grundlage für die jetzt folgende Feinarbeit im Zonenplan», sagte Konrad Schleiss (FDP), «wir begrüssen diese drei Schwerpunkte», SP-Fraktionschef Alex Kaufmann.

Nicht um jeden Preis wachsen

Kritische Töne waren von CVP-Gemeinderat Peter Brotschi zu hören. «Wenn man dieses Leitbild liest, fragt man sich, warum nicht alle in Grenchen wohnen wollen», schickte er zwar voraus. Die Frage stelle sich, ob die Ansiedlung von neuen Arbeitsplätzen wirklich so eminent wichtig sei - «vor allem wenn sie dann von Pendlern aus dem Elsass besetzt werden.»

Der Kanton sei in den letzten Jahrzehnten vor allem entlang der A1 und A2 «richtiggehend zubetoniert worden. Doch Solothurn ist trotzdem ein armer Kanton geblieben.» Dennoch unterstütze die CVP das Leitbild, Wachstum dürfe aber kein Selbstzweck werden.
Das Leitbild wurde einstimmig zuhanden der Gemeindeversammlung überwiesen. Der Rat hat im weiteren auch das Pensionskassenreglement überarbeitet.

Grenchen ist die grösste von drei Gemeinden, die sich bisher erfolgreich dem vom Kanton aufoktroyierten Regime der integrativen Schulung widersetzt haben. Doch diese Tage sind gezählt, wie Gesamtschulleiter Hubert Bläsi dem Rat klarmachte. Kleinklassen sollen nicht mehr erlaubt sein, die Kinder müssen in ihren Regelklassen von Heilpädagoginnen begleitet werden. Immerhin habe Grenchen vom Kanton eine Fristerstreckung für die Systemumstellung bis August 2019 herausholen können. Danach sei Schluss mit der separativen Schulung. «Die Macht des Faktischen» gehe klar in diese Richtung, sagte Bläsi, selber stets ein Gegner dieses Modells.

So spät wie nur möglich

Der Grenchner Gemeinderat will sich dieser Macht aber erst zum spät möglichsten Zeitpunkt fügen, wie verschiedene Voten zeigten. Bläsi hatte nämlich ein Papier präsentiert, wie sich Grenchen rechtzeitig auf die unvermeidliche Umstellung vorbereiten will. «Was, wenn der Kantonsrat doch noch etwas ändert?», gab Peter Brotschi zu bedenken und Nicole Hirt (GLP) kritisierte, dass die vom Kanton zur Verfügung gestellten heilpädagogischen Ressourcen nie genügen würden: «Nicht in einer Stadt mit 35 Prozent Fremdsprachigen».

Daniel Hafner (SP) fragte demgegenüber, warum es ausgerechnet in Grenchen nicht gehen soll, wo es doch in anderen Orten mit hohen Ausländeranteilen wie Zuchwil oder Olten funktioniere. «Es existiert die Chance, dass es in Grenchen auch gelingt», sagte Bläsi dazu. Der Rat will aber nochmals beraten, sobald der Kantonsrat den formellen Beschluss gefasst hat.