Die SP kritisiert die sinkenden Schülerzahlen der Grenchner Musikschule und fordert die Stadt zum Handeln auf. «Die Schulverwaltung wird beauftragt, die städtische Musikschule zeitgemäss zu organisieren und reglementieren sowie dafür zu sorgen, dass die Schülerzahlen wieder steigen», schreibt Parteipräsidentin Angela Kummer als Erstunterzeichnerin einer Motion.

Einen Drittel weniger

«Im Jahr 2012 besuchten noch 338 Schülerinnen und Schüler die Musikschule, 2017 waren es gemäss Verwaltungsbericht nur noch 231. Das ist eine Abnahme eines Drittels innert fünf Jahren», schreibt die SP in ihrer Begründung. «Besonders frappant» sei die Entwicklung bei den Schülerzahlen der Blasmusik-Instrumente, denn mit der Stadtmusik Grenchen sowie der internationalen Musikwoche habe sich die Stadt doch zum Ziel gesetzt, die Blasmusik zu stärken. «Bei der Musikschule merkt man davon nichts», schreibt Kummer. 

Sie bezieht sich auch auf eine Interpellation ihrerseits, welche im September 2016 behandelt wurde. In Interpellationen können Ratsmitglieder der Verwaltung (kritische) Fragen stellen. «Diese war als Steilpass gedacht, die Musikschule in die Zukunft führen und rasch Massnahmen umzusetzen», heisst es in Kummers Begründung weiter.

Seither seien anderthalb Jahre vergangen und es sei nichts passiert. Im Detail zählt die Motion angebliche Versäumnisse auf, wie die Einführung von Geschwisterrabatt, Erwachsenenunterricht oder eine Elternumfrage.

«Muss den Spagat machen»

Musikschulleiterin Christa Vogt nimmt Stellung. «Ein Musikschulreglement existiert seit 1986. Die Aufgaben der Leitung der Musikschule werden durch einen Stellenbeschrieb definiert», ruft sie in Erinnerung. Zwar sei das Reglement alt, aber immer noch gültig. Als veraltet sieht sie hingegen das Pensum der Musikschulleitung an. «Mit 7 Wochenstunden liegt es bei 23 Prozent, nötig wären 40-50 Prozent», meint Vogt. Für sie würden damit zahlreiche Überstunden resultieren - «notabene unbezahlt», wie Vogt betont. «Ich muss den Spagat zwischen dem absolut Notwendigen und Gewünschten immer wieder machen.» Das sei auch von den vier Schuldirektoren- oder -Verwaltern, unter denen sie bisher gearbeitet habe, immer wieder anerkannt worden.

Ein Auftrag für eine Elternbefragung sei bisher nicht erteilt worden, erklärt Vogt weiter. Eine Vorlage für Erwachsenenunterricht sei hingegen im Februar bei der Stadtkanzlei eingereicht worden. Ein Antrag auf Erhöhung des Geschwisterrabattes sei 2007 vom Gemeinderat leider abgelehnt worden.

Bei den Ursachen des Schülerrückgangs holt Vogt aus. «Jahrelang hatte Grenchen die günstigsten Elterntarife, was zu sehr hohen Schülerzahlen führte», schickt sie voraus. Als Ende der 90er-Jahre ein neues Tarifsystem eingeführt worden sei, begannen diese zu sinken, denn : «Grenchen hatte mit einem Schlag nicht mehr die günstigste, sondern die teuerste Musikschule im Kanton.» Die Elternbeiträge stiegen von 100 auf 935 Fr. pro Jahr.» Üblich seien sonst 450 bis 650 Fr. «Was das bei der Bevölkerungsstruktur von Grenchen für die Musikschule bedeutet, muss man ja nicht weiter ausführen.»

Ist Blasmusik einfach passé?

Dass sich dabei weniger Jugendliche für Blasmusik interessieren, sei leider ein gesellschaftlicher Trend, meint Vogt zum musikalischen Steckenpferd von Angela Kummer. Nicht nur, aber insbesondere Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund (mitunter die Mehrheit der Grenchner Kinder) würden selten ein Blasinstrument wählen, sondern fast nur Tasten- oder Saiteninstrumente. Dies mache sich auch schweizweit in einer Überalterung der Blasmusikvereine bemerkbar.

Immerhin würden sich vermehrt Jugendliche in Guggenmusiken engagieren, was Hoffnung mache. Dort sei der Aufwand fürs Üben halt weniger gross als in einer Musikschule.