Karin Bauer ist doch etwas erschrocken ob der heftigen Reaktionen, mit denen sie nicht gerechnet habe. «Die Intention des Films war, am Beispiel von Grenchen die zunehmende Politikverdrossenheit zu zeigen.» Ein Grenchen-Bashing sei nie ihre Intention gewesen. «Im Anfangskommentar heisst es: ‹Zum Beispiel Grenchen›. Grenchen ist überall dort, wo Wandel stattfindet, wo die Bürgerinnen und Bürger sich angesichts der Globalisierung Sorgen machen, wo Politverdruss und Demokratiemüdigkeit spürbar werden.»

Dieser Film hätte überall gedreht werden können, sagt sie. «Ich bedaure sehr, dass Teile der Grenchner Bevölkerung den Film einseitig finden. Gerne betone ich nochmals, dass die Intention des Filmes war, Leute mit ihren Sorgen und Hoffnungen angesichts der Globalisierung abzubilden.»

SRF-Dok: «Die schweigende Mehrheit – Schweizer Nabelschau in Grenchen»

Die Zusammenarbeit mit der Stadt sieht die Zürcherin etwas anders, hier nur ein Beispiel: «Am 16.5.2017 fragte ich nach Angaben über das Bildungsniveau, das Einkommensniveau, das durchschnittliche Steueraufkommen und die Sozialhilfequote – diese Antwort habe ich bis heute nicht erhalten.»

Zur Kritik, dass die Gefilmten ihre Sequenzen nicht vorab hätten sehen können, sagt sie: «Unsere publizistischen Leitlinien halten fest, dass wir Filme vorab nicht zeigen, dass wir den Protagonisten auf Wunsch Aussagen zuschicken. Dies aber nur, um sie auf faktische Richtigkeit zu überprüfen. Die redaktionelle Hoheit liegt bei SRF.»