Ein überflutetes Reisfeld: Ein Bild, das man vielleicht irgendwo in Asien erwarten würde. Bestimmt aber nicht in der Grenchner Witi. Die Testfläche, welche die Forschungsanstalt Agroscope während der Feldversuche dieses und letztes Jahr bepflanzt hat, war nur wenige Aren gross. Doch das Ergebnis der Studie hat eindeutig gezeigt, dass es möglich wäre, in Grenchen grossflächig Reis anzubauen. «Es hat genügend Wasser und die Bodenbeschaffenheit ist sehr gut für den Anbau geeignet», sagt Thomas Walter von Agroscope.

In der Schweiz gibt es Ackerflächen, die mit Bodenaufschüttungen und Entwässerung aufgewertet worden sind. Dies weil sie ansonsten zeitweise überflutet wären. Viele dieser Anlagen müssten aber laut Agroscope saniert werden. Dabei ziehe man neue Alternativen in Betracht – unter anderem den Anbau von Reis auf temporär gefluteten Flächen im Norden der Schweiz.

Zum Versuch in Grenchen ist es letztes Jahr gekommen. Agroscope hat das Projekt anfangs 2017 der Konferenz der Beauftragten für Natur- und Landschaftsschutz und der Konferenz der kantonalen Landwirtschaftsdirektoren vorgestellt und für Pilotflächen angefragt. Prompt habe der Leiter Natur und Landschaft des Kanton Solothurn der Forschungsanstalt die Fläche in der Witi für die Jahre 2017 und 2018 zur Verfügung gestellt.

Geflutet, gesetzt und geerntet

Nach der Bodenbearbeitung wurde die Fläche mit Drainagewasser geflutet. Dann wurden Anfang Mai die Setzlinge in die überflutete Parzelle gepflanzt. «Die Pflanzen entwickelten sich erfreulich – die reifen Körner konnten wir Ende August ernten», so Walter.

Beim Amt für Raumplanung ist man grundsätzlich vom Reisanbauprojekt überzeugt. «Aus ökologischer Sicht bringt dieses Reisfeld sehr viel», sagt Jonas Lüthy. Wassergebundene Tier- und Pflanzenarten können sich laut Agroscope in den Reisfeldern ansiedeln. «Wir haben beobachtet, dass sich einige Tierarten sogar bevorzugt im Reisfeld aufhalten, anstatt in der angrenzenden Flutwiese.» Besonders Laubfrösche und Kreuzkröten, sowie verschiedene Libellenarten fühlen sich sehr wohl. Voraussetzung sei aber eine biologische Bewirtschaftung ohne Pestizide.

Ansäen hat noch nicht geklappt

Zum Anbau gebe es noch einige Fragen zu klären, er habe noch nicht ganz so funktioniert, wie man sich das vorstelle. «Bis jetzt hat man Setzlinge angepflanzt, ansäen hat noch nicht geklappt.» Und natürlich müsse der Anbau auch wirtschaftlich sein, sagt Lüthy.

Wenn die offenen Fragen aber geklärt seien, könne man sich vonseiten des Kantons sehr wohl vorstellen, für ein Reisfeld eventuell Staatsland zur Verfügung zu stellen. «Dann sprechen wir aber von Hektaren und nicht mehr nur von Aren», betont Lüthy. Umso wichtiger sei es, dass alle Fragen geklärt seien, «denn das Erstellen eines Reisfeldes ist sehr teuer».

Ob wir in Zukunft in den Läden Reis aus Grenchen kaufen können, hängt laut Thomas Walter davon ab, ob überhaupt jemand Reis anbauen möchte. Agroscope sieht grosses Potenzial: Die Nachfrage nach inländischem Risotto-Reis sei sehr hoch. Das aktuelle Ertragspotenzial im Tessin betrage vier bis sieben Tonnen pro Hektare. Diese Werte habe man beim Versuch in Grenchen ebenfalls erreicht und bei einem Versuch in Schwadernau BE sogar übertroffen. Es bestehe ein beachtliches Wertschöpfungspotenzial, heisst es in einer Medienmitteilung (siehe auch Seite 4).