Kurz vor halb zwei Uhr Mittwochnachmittags, Ruhe vor dem Sturm im Zwinglihaus. Die Helferinnen haben sich im Saal versammelt und werden ein letztes Mal instruiert. Vor der noch geschlossenen Saaltüre hat sich bereits eine kleine Schlange gebildet. Immer mehr Frauen und einige wenige Männer treffen ein, viele haben ihre Kinder mit dabei.

Alle warten gespannt darauf, eingelassen zu werden. Es sind diejenigen Personen, die selber etwas zum Verkauf anbieten, rund 160 an der Zahl. Sie dürfen eine Stunde vor der grossen Masse an die Tische und für sich die besten Schnäppchen aussuchen.

Die Helferinnen und Helfer, die bei den Vorbereitungen am Montag und Dienstag mitgeholfen haben, konnten sich schon am Dienstagabend umschauen und hatten so die Chance, die besten Stücke für sich zu sichern. «Das ist quasi der Lohn fürs Mithelfen», erklärt Aurelia Tschui, die Präsidentin des Vereins Kinderkleiderbörse Grenchen. Ohne die Helferinnen ginge gar nichts, sagt Tschui.

Schon bei der Annahme am Montag gebe es viel zu tun: «Die Kleider müssen überprüft werden, ob sie intakt sind, keine Flecken haben oder nicht nach Rauch riechen.» Was den strengen Kriterien nicht entspricht, wird nicht angenommen.

Was braucht es, damit die Grenchner Kinderkleiderbörse stattfinden kann und was passiert mit dem eingenommenen Geld?

Was braucht es, damit die Grenchner Kinderkleiderbörse stattfinden kann und was passiert mit dem eingenommenen Geld?

Die frisch gewaschenen Kleider wurden von den Helferinnen der Grösse nach geordnet auf die langen Tische gestapelt. Die Frauen werden auch am Mittwoch eingesetzt, um laufend wieder aufzuräumen und die Kleider ordentlich zusammenzulegen. Auf der Bühne sind die Spielsachen bereit gelegt.

Die Auswahl ist riesig: Gesellschaftsspiele, noch originalverpackte Lego-Sets, Bücher, Videospiele, ganze Plastiksäcke voller Duploteile oder Playmobilteile, Fantasy-Figuren, Roboter und und und. An der Wand eine grosse Auswahl an Maxi Cosis. Vor der Bühne findet man Buggys, Kinderwägeli und Schaukelpferde.

Zielstrebige Käuferinnen

Es ist halb zwei, die Frauen strömen mit ihren Kindern in den Saal. Die meisten sehr zielstrebig. Man scheint genau zu wissen, was man braucht. Die Kundinnen füllen die grossen Plastiksäcke, die sie am Eingang erhalten haben. Und es lohnt sich: Ein nigelnagelneues Hemd für Buben kostet gerademal 4 Franken, ein neues Lego-Set, sogar noch verschlossen, 15 Franken – Neupreis gegen 100 Franken.

Run auf die Kinderkleider und Spielsachen an der Grenchner Börse

Run auf die Kinderkleider und Spielsachen an der Börse

90% des Verkaufspreises gehen an die Verkäufer, 10% an den Verein, der den Erlös an Kinder- und Jugendorganisationen spendet. «Wir hoffen auf viele Leute. Denn was übrig bleibt, müssen wir am Abend wieder einpacken und zurückschieben», sagt die Vereinspräsidentin.

Draussen reicht die Schlange bereits bis zur Eingangstür. Pünktlich um halb drei werden die Leute eingelassen. Es riecht sehr frisch im Saal des Zwinglihauses – keine Spur von Muffigkeit, wie man sie an manch anderen Orten erlebe, sagt eine Kundin. Das sei der Grund, weshalb sie gerne nach Grenchen komme.

Man sieht und hört die verschiedensten Nationalitäten. Eine Gruppe von Frauen in bunten Tschadors begrüsst sich freudig, gemeinsam suchen sie passende Kleider für ihre Kinder aus. Bei den Spielsachen ist fast kein Durchkommen mehr. Auch hier sind einige der auffälligsten Dinge schon weg, aber die Auswahl ist immer noch riesig.

Entlang der Fensterfront hängen hunderte von Kleidchen, Röcken, Jacken und Mäntel und werden von den Kundinnen eingehend geprüft, bevor sie im grossen Einkaufssack verschwinden.

Nach dem Einkauf besuchen manche noch das Börsen Bistro. Zum Kaffee gibt es belegte Brote und viele süsse Köstlichkeiten, Cupcakes, Muffins, Torten und vieles mehr. «Wir legen sehr grossen Wert auf hohe Qualität zu vernünftigen Preisen», sagt die Verantwortliche Edith Mettler.

Zu Besuch im Zwinglihaus, wo das Kleiderbörsen-Bistro untergebracht ist. Dort werden Leckereien für Mamis und Kinder angeboten.

Zu Besuch im Kleiderbörsen-Bistro. Dort werden Leckereien für Mamis und Kinder angeboten.

Eine junge Frau kontrolliert, ob sie für jedes ihrer vier Kinder etwas eingepackt hat. «Ich muss schauen, dass keines zu kurz kommt und ich für jedes meiner Kinder etwas habe.» Sie gehe immer an Kinderkleiderbörsen einkaufen. Denn erstens sei es günstig, zweitens mache es Sinn, weil die Kleider ja in tadellosem Zustand seien. «Ausserdem finde ich immer wieder etwas Spezielles, das nicht alltäglich ist und das nicht alle anderen Kinder auch schon am Füdle haben.»

«Jetzt ist Frühlings- und Sommermode im Angebot. Im Herbst sind dann Skikleider und Skis hoch im Kurs,» sagt Aurelia Tschui und holt die nächste Ladung leerer Einkaufstaschen für die neuen Kunden.