Grenchen

Fünf Wochen im Verzug: Darum dauern die Bauarbeiten an der Dählenstrasse so lange

Die Bauerei an der Dählenstrasse scheint nicht enden zu wollen – wir haben bei der Baudirektion nachgefragt.

Die Baustelle an der Dählenstrasse, der wichtigen und viel befahrenen Nord-Süd-Verbindungsstrasse zwischen Schützengasse/Friedhofstrasse im Süden und Allerheiligenstrasse im Norden, scheint ewig zu dauern: Anfang letzten Sommers haben die Arbeiten südlich der Däderitzstrasse begonnen und dauern noch immer an. Ein Ärgernis für Anwohner, ein Hindernis für den BGU. Grund genug, bei der Baudirektion nachzufragen, was hier genau gemacht wird und wieso das so lange dauert. Und ob ein Ende abzusehen ist.

Wir treffen Stadtbaumeister Aquil Briggen zusammen mit Thomas Rüegger, Leiter Tiefbau bei der Grenchner Baudirektion, vor Ort. Das Projekt, das mit rund 2 Millionen Franken Gesamtkosten zu Buche schlägt, beinhaltet einerseits die Sanierung der Strasse und andererseits die Erneuerung der Abwasserleitung, die in rund drei bis dreieinhalb Meter Tiefe verlegt wurde.

Neues Abwasserrohr auf ganzer Länge

Das rund 90-jährige Kanalisationsrohr musste auf der ganzen Länge durch ein neues 500er-Betonrohr ersetzt werden. Jedes Haus musste an das neue Abwasserrohr angeschlossen werden. Gleichzeitig wurde auch eine hydraulische Optimierung im Sinne des Gewässerschutzes erreicht, wie Rüegger erklärt: Über zwei Regenüberläufe in der Dählenstrasse und einen Regenüberlauf in der nachfolgenden Friedhofstrasse wird bei Starkregen das zusätzliche Regenwasser in den Bachtelenbach abgeleitet. «Durch die Aufhebung der zwei Drosselstrecken mit 25 Zentimeter Durchmesser in der Dählenstrasse wird das Regenwasser zukünftig besser auf die drei Regenüberläufe aufgeteilt», sagt Rüegger. Überschüssiges Wasser wird dadurch vermehrt im unteren Teil abgeleitet, dort wo der Bachtelenbach eingedolt ist. Andere Firmen konnten gleich aufspringen.

Diverse andere Arbeiten erfolgen gleichzeitig

Im Zuge der Arbeiten für den Kanalisationsersatz hätten auch andere Unternehmen, wie die SWG, die Gemeinschaftsantenne GAG und die Swisscom, Arbeiten an bestehenden Leitungen vorgenommen oder neue Leitungen eingezogen, erklärt Aquil Briggen. «Diese Arbeiten sind aber nicht Teil unseres Projekts, das zur Hälfte aus der Spezialfinanzierung Abwasser und zur Hälfte von der Stadt finanziert wird. Ebenfalls haben Hausbesitzer die Gelegenheit genutzt, ihre privaten Hausanschlussleitungen zu sanieren.» Die Baudirektion habe diese Arbeiten lediglich koordiniert und alles habe bestens geklappt, sagt Briggen.

Was im Zuge der Sanierung ebenfalls noch erledigt werde, sei der Ersatz der herkömmlichen Strassenlampen im nördlichen Teil durch LED-Lampen, wie das bereits im südlichen Teil 2017 geschehen sei.

80-jähriges Strassenfundament wird ersetzt

Die Dählenstrasse war ursprünglich ein Feldweg, dem man etwas später ein Steinbett verpasst und einen Belag darüber gelegt hat. Der Aufbau der Strasse ist mittlerweile rund 80-jährig und muss erneuert werden», erklärt Thomas Rüegger. «Es ist nicht so, dass wir nie etwas an der Strasse gemacht hätten. Der Belag wurde erneuert und Reparaturen wurden vorgenommen.» Jetzt habe sich aber gezeigt, dass auch die Fundation in einem so schlechten Zustand ist, dass sie komplett ersetzt werden müsse.

Briggen erklärt: «Den grössten Schaden nimmt die Strasse in erster Linie wegen der hohen Achslast der heutigen Lastwagen. Normale Autos waren früher nicht viel leichter, das spielt aber niemals eine so grosse Rolle, wie die Achslast der Lastwagen und die Häufigkeit, mit der die Strasse befahren wird.» Aktuell verkehrt rund 50% des Lastwagenverkehrs aus dem Steinbruch Firsi über Lengnau, 50% wird über Grenchen, vorwiegend über die Dählenstrasse, abgewickelt.

Neuer Strassenaufbau entsteht etappenweise

Nachdem die Arbeiten an der Kanalisation abgeschlossen sind, werden der alte Belag und das darunterliegende Strassenfundament ausgehoben. Über den Untergrund wird ein wasserdurchlässiges Vlies gelegt. Darüber kommt ein 50 cm starker Kieskoffer. Auf diesen Koffer wird der Belag aufgebracht, eine rund 13 cm dicke Schicht, bestehend aus einer Tragschicht von 9 cm und dem eigentlichen Deckbelag von 4 cm.

«2018 wurden im Rahmen von Lärmsanierungsmassnahmen diverse Projekte genehmigt, unter anderem soll auch an der Dählenstrasse ein Flüsterbelag, ein Drainasphalt-Belag eingebaut werden», sagt der Stadtbaumeister. Dieser poröse Belag zeichnet sich dadurch aus, dass die Oberfläche viele kleine Luftkammern, kleine Löcher aufweist. «Diesen Belag werden wir aber erst nächstes Jahr einbauen. «Für den Fall, dass sich der Untergrund noch irgendwo absenkt, könnten wir noch reagieren.

Rund fünf Wochen im Verzug

Man komme gut voran mit den Arbeiten, sagt Briggen. Es gebe einige Elemente, welche die Arbeiten erschwerten: «Wir können die Dählenstrasse nicht komplett sperren, sondern müssen jede Strassenseite separat sanieren», damit man den Einbahnverkehr für Anwohner und Bus immer gewährleisten könne, es gebe dort quasi keine Umleitungsmöglichkeit. «Aber wir sind rund fünf Wochen hinter dem Fahrplan. Der Grund: Die Kreuzung Dählenstrasse/Däderitzstrasse war nicht Bestandteil des Projekts, weil wir davon ausgingen, man müsse dort die Fundation nicht ersetzen. Aber leider zeigte es sich dann, dass auch dort die ganze Strasse neu aufgebaut werden musste. Deshalb der Rückstand auf den Fahrplan.»
Briggen rechnet damit, dass man Ende Sommer/Anfang Herbst mit der Strassenerneuerung fertig ist – den Flüsterbelag ausgenommen. Dieser wird frühestens im Sommer 2021 eingebaut.

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