Schon mit zwölf wollte Briza Silva das Ausland kennen lernen, doch sie musste bis zum 16. Geburtstag warten, bis sie ins Programm des Rotary Club aufgenommen wurde und für ein Jahr als Austauschschülerin in die Schweiz kommen durfte. Hier lebte sie zuerst bei der Grenchner Familie, die eines ihrer Kinder im Austausch nach Taiwan schickte. Nach ein paar Monaten wechselte die Gastfamilie, wie das im Programm vorgesehen ist. Seit April lebt die inzwischen 17-Jährige bei der Familie Gabriela Mathys und Richard Zimmermann in Bettlach. Die Familien werden vom Rotary Club ausgesucht.

Briza stammt aus San Carlos de Bolívar, einer Kleinstadt in der Provinz Buenos Aires mit rund 26 000 Einwohnern. «Die Stadt liegt mitten in der Pampa, alles ist flach, mit vielen Kühen. Von daher gefällt es mir sehr gut in der Schweiz. Ein kleines, überschaubares Land mit wunderschönen und abwechslungsreichen Landschaften, Hügeln, Seen und Bergen.» Die junge Frau, die während der elf Monate ihres Aufenthalts die Kantonsschule in Solothurn besuchte, hatte keine Mühe, sich einzugliedern: «Ich wurde von meinen Mitschülerinnen und -schülern sehr gut aufgenommen. Dies, obwohl ich anfangs kein Deutsch sprach, nur Spanisch und Englisch.» In der ersten Zeit erlernte sie die Sprache in einem Deutsch-Intensivkurs, danach besuchte sie den normalen Unterricht an der Kanti, mit Ausnahme des Französisch-Unterrichts, von dem sie dispensiert war. Mittlerweile spricht sie beinahe fliessend Deutsch und versteht alles, sogar Mundart.

Das eindrücklichste Erlebnis

An den Wochenenden organisierte der Rotary Club jeweils gemeinsame Ausflüge mit anderen Austausschülern. Einer dieser Ausflüge führte nach Emmetten im Kanton Nidwalden. «Wir mussten früh, sehr früh aufstehen, es war noch dunkel. Nach einer kleinen Wanderung erreichten wir einen Aussichtspunkt. Die Sonne ging wenig später über dem Vierwaldstättersee auf, einfach wunderschön! Das war wohl mein eindrücklichstes Erlebnis, das ich mit nach Hause nehme», schwärmt die junge Frau.

Wie hat sie die Schweizer erlebt? Wo liegen die Unterschiede? «Wie gesagt, zu den Mitschülerinnen und Mitschülern hatte ich eine gute Beziehung. Die Argentinier sind Fremden gegenüber vielleicht etwas offener als die Schweizer – und grundsätzlich etwas lockerer. Aber auch wir sind pünktlich, wenn es um wichtige Termine geht», sagt sie lachend. Feiertage, wie zum Beispiel Weihnachten, die gebe es natürlich auch in Argentinien. «Bei uns ist zu der Zeit aber Sommer, also trifft sich die Familie eher draussen zum Grillfest als drinnen mit Kerzen und so», sagt sie. Zusammen mit Gabriela Mathys hat Briza auch die Gemeindeversammlung in Bettlach besucht. «Das war sehr interessant für mich. Mit dem Rotary Club haben wir auch eine Landsgemeinde in der Innerschweiz besucht. Wir haben zwar auch eine Demokratie in Argentinien, aber die direkte Art, mit Handzeichen abzustimmen, das finde ich faszinierend, das kennen wir nicht.»

Sie habe in den elf Monaten viel über sich selber gelernt, sagt sie. «Als Einzelkind war ich schon vorher selbstständig, aber ich habe mich weiterentwickelt und bin noch etwas selbstständiger geworden, auch kontaktfreudiger.»

Und wie steht es mit der Schweizer Küche? «Fondue ist ‹okay›, aber Raclette mag ich gerne», so die überaus diplomatische Antwort. Als Argentinierin möge sie eher Fleisch. «Ob es das beste Fleisch der Welt ist, wie man sagt, weiss ich nicht. Ich mag es einfach.» Für Gabriela Mathys und ihre Familie habe sie sogar gekocht, Empanadas, gefüllte Teigtaschen, eine südamerikanische Spezialität.

Nun ist ihre Zeit in der Gastfamilie bald zu Ende. Die Gruppe wird in den nächsten Wochen auf die Reise durch Europa gehen – Paris, Belgien, die Niederlande, Deutschland, Wien und Prag stehen auf dem Programm. Danach fliegt Briza zurück in ihre Heimat und wird in ein paar Monaten die Matura machen und anschliessend ein Studium an der Uni beginnen. Wirtschaft oder Geschichte, sie ist sich noch nicht sicher. Aber mit Bestimmtheit werde sie die Schweiz wieder besuchen, später einmal.