Freitag um 14 Uhr 05 gingen auf dem Regionalflughafen Grenchen die Sirenen los, ausgelöst im Tower. Die Feuerwehr rückte innerhalb einer Minute aus. Grund: Eine einmotorige YAK  52, eine russische Militär-Trainingsmaschine, rund 1,3 Tonnen schwer, war bei der Landung über die Piste hinaus geraten, über den Acker dahinter und über die Archstrasse gerollt, wo sie im Acker zunächst stehen blieb.

Der Pilot wendete die Maschine im Acker und rollte wieder zurück, nochmals über die Archstrasse, durch den frisch angesäten Acker zwischen Piste und Strasse und zurück auf die Rollbahn. Unterwegs verlor er allerdings den einen der breiten Pneus, den es von der Felge wickelte. Die Autos, die auf der Archstrasse unterwegs waren, konnten rechtzeitig abbremsen.

Ursache: Bremsversagen

Laut Flughafendirektor Ernest Oggier habe der Halter ihm danach erklärt, er sei infolge eines Bremsversagens über die Piste hinaus geschossen. Die in Polen zugelassene Maschine sei eine Woche zuvor durch eine polnische Firma gewartet worden. Diese habe auch das Zertifikat unterschrieben, das die Flugfähigkeit der Maschine bestätigt. Der Eigner habe am Freitag einen einstündigen Probeflug durchgeführt, um alles auf seine Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. Den ersten Landeversuch habe der Pilot abgebrochen und sei durchgestartet. Beim zweiten Anlauf habe laut Aussage des Piloten die rechte Bremse versagt, weshalb er über die Piste hinausgeraten sei.

Auf die Frage, weshalb er denn das Flugzeug nicht auf der anderen Seite der Strasse beliess, habe der Flugzeugeigner geantwortet, dieses Flugzeug sei schliesslich dafür zertifiziert, um auf Äcker starten und landen zu können.

Eigenartige Bremsspuren

«Auf der Piste sind auf den letzten 200 Metern der 1 Kilometer langen Piste zwei Bremsspuren zu sehen, von denen die rechte plötzlich aufhört. Normalerweise gibt es keine solchen Bremsspuren, wenn ein Flugzeug landet», sagt Oggier. Augenzeugen haben auch die Vermutung geäussert, der Pilot sei zu hoch angeflogen. «Was genau die Ursache war, wird im Untersuchungsbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST stehen», sagt Oggier, und diesem wolle er nicht vorgreifen. Die Maschine blieb anschliessend im Feld vor dem Runway, der Bahn, die zur Piste führt, stehen und musste mit einem Spezialfahrzeug herausgezogen werden.

Zum verursachten Landschaden kann man keine Angaben machen. Beide Äcker – derjenige zwischen Piste und Strasse und der auf der anderen Seite der Strasse – sind frisch angesät.

Man kann sich glücklich schätzen, ist der Zwischenfall zu einer Zeit passiert, in der die Archstrasse nicht so stark befahren ist. Denn dort gibt es schon fast jeden Tag – und insbesondere am Freitag – regelmässig Stau. Oggier hatte sich schon vor Jahren dafür ausgesprochen, dass im Pistenbereich zumindest auf der Strasse eine sichtbare Markierung aufgemalt wird, damit im Stau dort keine Autos stehen. Federführend ist aber der Kanton.

Dieser glimpflich abgelaufene Zwischenfall könnte seinem Anliegen wieder neuen Schub verleihen.