«Grenchen ist eine Art Freilichtmuseum für das Schaffen von Peter Travaglini.» Mit dieser Ausgangslage stiess die Erwachsenenbildungsreihe der katholischen Kirchgemeinde auf Interesse, als sie den Oltner Kunstexperten und Travaglini-Kenner Peter Killer für ein Referat in die Eusebiuskirche einlud. Es war der 4. Oktober, Gedenktag der Kirchenweihe. Zugleich jährt sich heuer die Einweihung der dortigen Kapelle zum 50. Mal, und diese trägt die Handschrift von Peter Travaglini wie kein anderes Bauwerk in der Stadt.

Ausgehend von der Kindheit des Bürener Künstlers im Tessin, «idyllisch, aber von Armut geprägt», gab Peter Killer den Anwesenden einen Einblick in dessen Ausbildung in Solothurn, Vevey und Mailand und in das vielfältige Schaffen. Anwesend waren mit Flavia (und ihrem Mann Lukas Märki, Betreuer des Travaglini-Archivs) und Piero Travaglini zwei der sieben Kinder von Peter und Hanni Travaglini. Nach dem ersten grossen Erfolg erst 31-jährig 1958 bei der Gestaltung der Kirche St. Maria in Lyss, war Travaglinis Name in Kunstkreisen ein Begriff geworden. Doch von der Entstehung der Eusebiuskapelle, gebaut 1965–68, habe der Künstler nur durch Zufall erfahren, erzählte der Referent.

Unzählige Entwürfe

Mit der für ihn typischen Entschlusskraft sprach Travaglini sogleich beim Architekten Giovanni Crivelli vor – und sicherte sich den Auftrag zur Gestaltung der Kapelle. Vom Altar bis zum Wandteppich, vom Taufstein bis zu den Kerzenständern, für jedes Detail präsentierte Travaglini den Auftraggebern unzählige Entwürfe, aus denen sie auswählen konnten. Peter Killer projizierte einige der Zeichenblätter an die Wand hinter dem Lesepult, um dem Publikum eine Idee von Travaglinis Fleiss und Kreativität zu geben.

Einzig der Wunsch des Künstlers nach einem armlosen Torso aus dem 14. Jahrhundert als Sinnbild für den Gekreuzigten überforderte die Kirchgemeinde. Die Verantwortlichen gaben den «unfertigen» Christus in die Hände eines Restaurators, der ihn mit Armen versah und seine grobe und poröse Oberfläche glättete. «Aus heutiger denkmalpflegerischer Praxis wäre das undenkbar», kommentierte der Referent den Einbruch des Konventionellen in Travaglinis markantes Werk.

Die Krone war ihm zu gross

Als Peter Travaglini vor einigen Jahren für den Ersatz des ausgebleichten Wandteppichs zurate gezogen wurde, war er entsetzt. Die Marienstatue trug eine für seinen Geschmack zu grosse Krone. Und was den verschandelten Christus anging, so offerierte er, «ihm die Arme gratis abzusägen». Die Zuhörer lachten, besonders diejenigen, die den 2015 verstorbenen Künstler gekannt hatten.

Die übergrosse Krone ist noch immer da, auch die Arme am Kruzifix. Lediglich mit seinem Wunsch, das finstere Kreuz hell zu streichen, stiess der Gestalter auf offene Ohren. Für den Teppich entwarf Travaglini in gewohnt speditiver Art eine Reihe von Entwürfen. Derjenige Vorschlag, der den Kirchgemeindeverantwortlichen am besten gefiel, wurde von einer Ordensfrau in der Stadt Solothurn geknüpft, allerdings in viel kräftigeren Farben als Travaglini vorgesehen hatte. «Als Massnahme gegen das Ausbleichen macht das bestimmt Sinn», schloss Peter Killer seine Ausführungen zur Kapelle.