Grenchen

Eusebiushof erhält Besuch aus einem der bekanntesten Kloster Europas

Karl Wallner konnte ein grosses Publikum fesseln.

Karl Wallner konnte ein grosses Publikum fesseln.

Er gehört zu den bekanntesten Mönchen im deutschsprachigen Raum: Pater Karl Wallner vom Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. Mit Charme und Witz erzählte er die Erfolgsgeschichte des Klosters, das nicht nur mit Gregorianischen Gesängen bekannt wurde.

Der grosse Saal des Eusebiushofs in Grenchen war sehr gut besetzt, als Theologe Bernhard Rohrmoser von der römisch-katholischen Pfarrei Grenchen den Gast aus Niederösterreich vorstellen durfte.

Pater Karl Wallner verstand es von Beginn an, das Publikum für «sein» Stift Heiligenkreuz zu gewinnen. Der gross gewachsene Mönch im weissen Habit und schwarzen Skapulier der Zisterzienser beeindruckte, wie er eloquent durch die Geschichte und die heutige Zeit des Klosters führte.

In Heiligenkreuz beten und arbeiten seit 881 Jahren ununterbrochen Mönche - nicht zuletzt auch durch günstige Umstände der Geschichte, gab es doch in Österreich nicht derart starke Säkularisierungen und damit Aufhebungen von Klöstern wie in anderen Ländern.

82 Mönche, 9 Kandidaten

Die grosse Entwicklung setzte aber in den letzten 20 Jahren ein, in denen das Stift zum grössten Kloster Europas wurde. «Bei meinem Eintritt vor 33 Jahren waren es 42 Mönche, jetzt sind wir 82 Mönche und neun Kandidaten», freute sich der Pater. Gründe ordnete er in der medialen Aufmerksamkeit, die auf das Kloster gerichtet wurde, aber auch im spirituellen Leben der Mönche.

So kam Heiligenkreuz durch den Besuch von Papst Benedikt XVI. in den Fokus der Öffentlichkeit, aber auch durch den deutschen Filmemacher Florian Henckel von Donnersmarck, der in diesem Kloster das Drehbuch zum Film «Das Leben der Anderen» geschrieben hat, als sein Onkel Gregor dort Abt war.

Dieser Film erhielt 2007 den Oscar. Zum Dritten fügte sich dann die Erfolgsstory der CD «Chants» hinzu, auf der die Schönheit des Gregorianischen Chorals in lateinischer Sprache festgehalten ist: 1,3 Millionen Tonträger wurden verkauft.

Gemeinschaft statt Individualismus

Dem Referat von Pater Wallner, das live von «Radio Maria» übertragen wurde, fehlte es nicht an spiritueller Tiefe. Es sei eben nicht nur die mediale Aufmerksamkeit, sondern das ganz alltägliche Leben und Beten der Mönche, das sich vom Einheitsbrei der heutigen Konsumwelt und dem gehuldigten «Superindividualismus» für viele Menschen so wohltuend unterscheide.

Es sei schon fast eine Sensation, wenn Mönche jeden Morgen um 5.15 Uhr aufstehen und Choräle in einer über 2000 Jahre alten Sprache singen und beten. Ebenso sei Gemeinschaft wieder etwas Wertvolles geworden, wie dies in Klöstern, die, so Wallner, «Hotspots des Glaubens» sind, vorgelebt werde.

Pater Karl stellte auch die Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. vor, deren Rektor er ist. Die Hochschule erfährt im Moment einen modernen Neubau und erlebt einen Ansturm von Studierenden.

Das führte der Referent darauf zurück, dass die jungen Menschen nicht nur Lehrer suchen, sondern vor allem auch Zeugen. «Und die Mönche sind eben Zeugen des Glaubens.» Natürlich erwähnte Karl Wallner auch die idyllische Lage des Klosters im Hügelgebiet des Wiener Waldes.

Der Kreuzgang und der Kapitelsaal stammen aus dem Jahr 1240. Nur einen stündigen Spaziergang entfernt findet man Schloss Mayerling, das mit dem Selbstmord von Kronprinz Rudolf von Habsburg mit seiner Geliebten Mary Vetsera im Jahr 1889 traurige Bekanntheit erlangte.

Heute ist dieses Schloss ein Karmelitinnenkloster. Mary Vetsera ist unweit des Klosters auf dem Friedhof von Heiligenkreuz bestattet.

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