Grenchen

Eine Wissenschaft: So funktioniert die neue Sprinkleranlage im Fussballstadion

Die seitlichen Rasensprenger laufen immer zu zweit.

Die seitlichen Rasensprenger laufen immer zu zweit.

Das Fussballstadion Brühl wurde mit einer modernen, computergesteuerten Sprinkleranlage ausgerüstet. Ein Augenschein zeigt: Das Bewässern eines Fussballstadions unterscheidet sich gewaltig vom Bewässern eines Gartensitzplatzes.

Am Mittwoch wurde die neue Bewässerungsanlage im Brühl der Öffentlichkeit und den Verantwortlichen der Stadt und des FC Grenchen 15 vorgestellt und «offiziell» in Betrieb genommen. Patrick Nyffenegger, Chef von Stadtgrün Grenchen, das für den Unterhalt aller zehn Fussballfelder verantwortlich ist, erklärte den Anwesenden das Prinzip der neuen Anlage. Wie sich bei der Präsentation herausstellte, geht es dabei um wesentlich mehr, als einfach den Hahn aufzudrehen und das Wasser laufen zu lassen.

Vizestadtpräsident Remo Bill, Stadtbaumeister Aquil Briggen, FC Grenchen 15 Präsident Giovanni Eterno und Platzwart sowie Mann für alles, Alessandro Paci, folgten den Ausführungen Nyffeneggers interessiert.

Fussballplätze gehören alle der Stadt Grenchen

Eines der wichtigsten Merkmale eines guten Fussballstadions oder -platzes ist der Rasen. In Grenchen war das bis anhin in manchen Jahren ein Problem. Hin und wieder traten auch Interessenskonflikte in den Vordergrund und liessen das Wesentliche vergessen. Erinnern wir uns nur an das «Gschtürm», das es vor ein paar Jahren gab, als die Verantwortlichen des Uhrencups verlangten, ein Juniorenturnier nicht im Stadion durchzuführen, weil sonst der Rasen leide. Die Kontrahenten in der Sache prügelten sich ihre Argumente mit einer unvergleichlichen Sturheit um die Ohren, der Leidtragende war am Schluss der damalige Chef der Stadtgärtnerei und Vorgänger Nyffeneggers.

In den Folgejahren war der Rasen in einem desolaten Zustand – besonders im Hitzesommer 2018 – weil man mit der Bewässerung schlicht nicht genügend Wasser auf den Platz bringen konnte. Nyffenegger zeigte den Anwesenden die Karren mit den grossen Schlauchrollen, die jedes Mal auf den Platz gefahren werden mussten. Anschliessend mussten die beiden Mitarbeiter von Stadtgrün, Manfred Nussbaum und Patrick Peter, den Rasen aktiv bewässern, das heisst die Schläuche immer wieder neu verlegen, um so den ganzen Platz bewässern zu können. Um vergleichsweise dieselbe Menge Wasser auf den Platz zu bringen, wie das jetzt mit dem neuen System möglich ist, hätte man die Bewässerung jedes Mal 20 Stunden laufen lassen müssen.

Die Sprinkler sind auf der Oberfläche mit einer weichen Schicht und Kunstrasen bedeckt.

Die Sprinkler sind auf der Oberfläche mit einer weichen Schicht und Kunstrasen bedeckt.

15 elektronisch direkt ansteuerbare Sprinkler

Dem hat man jetzt abgeholfen: Rund um das ganze Spielfeld wurde eine Ringleitung gelegt, an der zwölf Rasensprenger hängen. Eine weitere Leitung führt zur Mitte des Spielfelds, wo nochmals drei Sprenger installiert wurden. Die Arbeiten wurden in nicht einmal einer Woche durch zwei Spezialfirmen erledigt: Swiss Green aus Lohn-Ammannsegg und Schmied Gartenbau aus Hindelbank. Kosten der gesamten Installation: 60'000 Franken.

Die Leitungen wurden in einer Tiefe von 65 Zentimetern verlegt. Das hat seinen Grund: Das Spielfeld wird regelmässig belüftet und gesandet. Mit einem Spezialfahrzeug werden Löcher in den Boden gebohrt, dann wird Sand auf dem Platz verteilt, der mit einem Rechen in den Boden eingearbeitet wird, sich mit Erde vermischt und die Löcher füllt. Das sorgt für die Belüftung des Bodens und eine bessere Wirksamkeit des beigegebenen Düngers. In den letzten zwei Jahren verteilte man laut Nyffenegger 250 Tonnen Sand auf dem Platz.

Die Sprinklervorrichten, ein deutsches Produkt und Beispiel bester deutscher Ingenieurskunst, wie Nyffenegger sagte, sind auf der Oberfläche mit einer weichen Schicht und Kunstrasen bedeckt, sodass sich die Spieler nicht verletzen können. Treten sie in Aktion, werden sie elektronisch angesteuert, rund 10 Zentimeter angehoben und verteilen das Wasser gleichmässig konzentrisch. Die seitlichen Sprenger haben eine Kapazität von 10 Kubikmetern, die zentralen von 20. Da maximal nur 20 Kubikmeter durch die Leitung gehen, laufen immer zwei der seitlichen Sprenger miteinander, die in der Mitte einzeln nacheinander. Eine komplette Bewässerung dauert 7,5 Stunden und wird automatisch nachts um 1 Uhr gestartet.

Wassermenge entspricht etwa 2000 Badewannen

Das Wasser darf Stadtgrün aus dem Dorfbach pumpen, der südlich des Stadions verläuft. Und es braucht eine Menge davon: im Hochsommer etwa 150 Kubikmeter Wasser, also 150'000 Liter, und das zweimal pro Woche. Das entspricht 2000 durchschnittlichen Badewannenfüllungen. Im Frühling und Herbst nur noch etwa 120 Kubikmeter. Reicht das nicht, kann auch Wasser aus dem Hydranten entnommen werden. Allerdings kostet das Wasser dann 2.40 Fr. pro Kubikmeter. Die Menge an Regenwasser wird ebenfalls genau miteinberechnet.

Patrick Nyffenegger, Chef Stadtgrün, FCG15-Präsident Giovanni Eterno, Platzwart Alessandro Paci, Stadtbaumeister Aquil Briggen und Vizestadtpräsident Remo Bill sehen sich die neue Bewässerungsanlage an.

Patrick Nyffenegger, Chef Stadtgrün, FCG15-Präsident Giovanni Eterno, Platzwart Alessandro Paci, Stadtbaumeister Aquil Briggen und Vizestadtpräsident Remo Bill sehen sich die neue Bewässerungsanlage an.

Auch die Frequenz des Giessens ist eine Sache für sich: Giesst man zu oft, macht der Rasen nur kurze Wurzeln. «Es ist besser, in weniger Intervallen zu bewässern, aber dafür dann viel Wasser zu geben. Der Rasen macht so längere Wurzeln», erklärt der Chef Stadtgrün. Genau das mache den guten, haltbaren Rasen aus, der auch der Belastung standzuhalten vermöge.

In einer kurzen Demonstration zeigte Nyffenegger die Bewässerung, denn der normale Vorgang war bereits abgeschlossen. «Wir bewässern nachts, damit der Rasen abtrocknen kann und wir später am Tag mähen können.» Im Sommer werde der Rasen wegen der Hitze auf 4 mm Länge geschnitten, sonst auf 3 mm. «Das macht zwar den Rasen stumpf und der Ball rollt nicht so schnell. Aber schneiden wir ihn kürzer, verbrennt er an Hitzetagen sofort.»

Meistgesehen

Artboard 1