Ein Wachthaus aus dem Jahre 1750

Das Gebäude im alten Dorfkern Pieterlens wurde nach Vorgaben des Denkmalschutzes renoviert.

Anke Eckardt
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Das fachgerecht renovierte «Türmli» in Pieterlen.

Das fachgerecht renovierte «Türmli» in Pieterlen.

Bild: Anke Eckardt

Das Wachthaus, wie es im Volksmund der Pieterler heisst, wurde 1750 errichtet und diente als Wachstube und als «Die Gefängnus», so die Bezeichnung auf einem alten Ortsplan. Dieses Gebäude erinnert an die geografische Lage von Pieterlen in der Zeit vor 1815. Die Gemeinde gehörte zum Fürstbistum Basel und war Grenzort zum Alten Bern, zur Eidgenossenschaft. Um 1890 erfolgten Umbau und Erweiterung des Gebäudes. Südseitig erhielt das Dach des Wachthauses einen Giebel mit Verzierungen und gen Westen wurde ein Wohnhaus angebaut. Heute bildet es mit seinem auffälligen Mansarddach mit dem turmartigen Aufbau den westseitigen Eingang zum historischen Dorfteil von Pieterlen.

Renovation unter Auflagen des Denkmalsschutzes

Wie die Pieterler Mundartautorin Sonja Bonetti zum Schluss einer Geschichte schreibt, hat das «Türmli», in dem sie lange Jahre lebte, nun den Besitzer gewechselt. Bei der Renovation des denkmalgeschützten Hauses musste ihr Sohn etliche Auflagen beachten. Zum Beispiel, dass auf das Dach mit der Bi- berschwanzkronendeckung nur Berner Biberschwanzziegel verlegt werden durften. Gut, dass der verantwortliche Dachdecker bei den Renovationsarbeiten sofort realisierte, dass die erste Ziegellieferung nicht die «Berner» waren. Noch ein weiteres Detail sticht bei einem Blick auf das Dach ins Auge, der Kamin hat nach Berner Art einen Hut erhalten. Der Aufwand für Renovation und Erhalt von historischen Gebäuden ist gross. Deshalb ist es sehr zu schätzen, wenn sich die Besitzer, wie im Fall des «Türmlis», dieser Herausforderung stellen.

Bonetti schreibt autobiografisch geprägte Kurzgeschichten im Bieler Dialekt. Im «Türmli» erzählt sie davon, wie sie nach Pieterlen kam und welcher Art die ersten Begegnungen waren. «S Täfeli», «Frouelogik», «Der Nachzügler» oder «S’Türmli», so heissen einige der Geschichten, welche Sonja Bonetti bisher verfasst hat. Ausgelöst durch den Tod ihrer Mutter, begann sie, sich intensiver mit ihrer Kindheit zu beschäftigen. Sie schrieb Begebenheiten aus dieser Zeit auf und daraus entwickelten sich heitere und auch zum Nachdenken anregende Geschichten. Gekonnt fügt sie die Details zu einem Ganzen zusammen und wartet zum Schluss meist mit einer Pointe auf.

Am eindrücklichsten ist es, wenn Sonja Bonetti ihr Geschriebenes selbst vorliest. Bei verschiedenen Anlässen im Dorf konnte sie dies bereits tun und erhielt viele positive Echos von Seiten der Zuhörer. Beflügelt von diesem Erfolg, schrieb sie weitere Erinnerungen aus den 70er- und 80er-Jahren auf.

Die in Biel aufgewachsene Autorin lebt seit mehr als 40 Jahren in Pieterlen.

Wie es dazu kam, beschreibt sie in der unten abgedruckten Dialekt-Geschichte «S’ Türmli».