Grenchen

EHC Biel-Fans reisen mit dem Hockey-Express zum Playoff-Spiel - die Reportage

Seit rund 25 Jahren organisiert der Busbetrieb Grenchen und Umgebung BGU zusammen mit dem EHCB die Busreisen zu den Spielen. Wir begleiteten 130 Fans aus Grenchen und Umgebung zum 4. Playoff-Spiel gegen den SC Bern in die Tissot-Arena.

Dienstagabend, Viertel nach Sechs, Parkplatz beim Passionsspielhaus in Selzach. Eine Gruppe junger Männer trifft ein, jeder nimmt sich erst mal ein Bier. Etwas weiter steht eine Familie und wartet. Die Coppolas steigen normalerweise in Grenchen ein, haben es aber diesmal verpasst, Tickets zu besorgen. «Drum sind wir hier, und vielleicht haben wir ja Glück und der Hansruedi hat noch welche.» Hans-Rudolf Zumstein, Geschäftsleiter der Busbetriebe Grenchen und Umgebung BGU, der den Hockey-Express in Zusammenarbeit mit dem EHC Biel seit rund 25 Jahren organisiert, wird tatsächlich noch Stehplatztickets zu verkaufen haben. Glück gehabt.

Auch die 58-jährige Esti, selbstverständlich im EHCB-Dress, begrüsst ihre Kolleginnen und Kollegen. «Ich habe jedes Heimspiel des EHCB besucht, auch einige Auswärtsspiele, an die der Hockey-Express jeweils fährt.» Es ist ein verschworener Haufen, der um 18.30 Uhr in Selzach den Bus besteigt. Man kennt sich, begrüsst sich herzlich und nimmt seinen Platz ein. Ja, die meisten haben sogar einen Stammplatz im Bus: «Hier sitze ich für gewöhnlich», sagt einer und man macht ihm ohne zu Murren Platz. Vorne verkauft Zumstein die Tickets und hat für jeden seiner Kunden einen Spruch übrig: «Lange nicht mehr gesehen, warst wohl in Langnau, die ganze Zeit, oder?»

Chauffeur Daniel Staufer fährt zwischen Selzach und der Tissot-Arena in Biel 12 Stationen an, bis zuletzt ist der grosse Gelenkbus bis auf den letzten Platz gefüllt, 130 Personen. Eine nervöse Spannung liegt in der Luft. Schaffen die Bieler das so wichtige 3:1 in der Serie gegen den mächtigen Kantonsrivalen, den SC Bern, vor eigenem Publikum?

Das Spiel

Im Stadion angekommen wird schnell klar, dass auch hier die Fans ihre festen Plätze haben. Wer wie Marc und sein Kollege zwar auch seit Jahren, aber nur ab und zu mit dem Bus mitfährt, muss sich hinten anstellen. Die langjährigen Fans aus Grenchen und Umgebung mischen sich im ausverkauften Stadion unter die anderen Fans. 6521 Zuschauer sind gekommen. Schon bald beginnen die Fangesänge, einige stammen allerdings aus der alleruntersten Schublade.

Das Spiel beginnt und als das erste Tor der Berner fällt , wie es Sportreporter Klaus Zaugg ausdrückte «eines der kuriosesten Tore unserer Playoff-Geschichte seit 1986», erstirbt für einen Moment jeder Laut im Stadion. Sogar die Berner Fans, die zuvor eine beeindruckende Schwarz-Gelb-Rot Choreo mit zwei Reihen die Zähne fletschender Bären-Fahnen gezeigt hatten, brauchen eine Weile, bis sie begreifen, dass da ein Tor gefallen ist.

Beim 0:2, dem ein ungeahndetes Foul an einem Bieler vorangeht, brennen bei einem Bieler Fan in der hintersten Reihe der Stehplätze die Sicherungen komplett durch. Wutentbrannt reisst er schreiend sein Handy aus der Hosentasche und schmettert es auf den Boden, gefolgt von einem Bierbecher. Eine Gruppe der Grenchner Busreisenden beobachtet die Szene und amüsiert sich köstlich. Das Handy funktioniert zwar noch, ist aber arg beschädigt. «Ein Chrampf, der Nerven braucht», mein Marc in der Pause zum bisherigen Spielverlauf. 

Gesprächsstoff auf der Rückfahrt

Bei Spielende steht es 2:5, Bern hat die Serie ausgeglichen. 15 Minuten nach Spielende treffen sich die Grenchner Fans wieder im Bus. Es wird viel diskutiert, die Schiedsrichterleistung gibt zu reden. «Die Zebras haben wieder einmal gegen Biel gepfiffen, ist ja nichts Neues.» «Wie viel müssen wir denen wohl bezahlen, dass sie auch mal Strafen gegen Bern pfeifen?». Viel Gesprächsstoff liefern auch die ersten zwei Tore der Berner, die in der Runde allgemein als irregulär angesehen werden. «Da gibt es nichts zu diskutieren, die Schiris hätten sich das im Video ansehen müssen». Ein anderer entgegnet, dass die Unparteiischen dazu gar kein Recht hatten, Hiller hätte auf den Pfiff warten müssen, sein Fehler. «Der SCB war übers Ganze gesehen besser.

Jetzt ist es wohl gelaufen mit dem Finaleinzug», meint der Eine. Der Andere lobt das Talent einzelner SCB-Spieler, die sich für die Schweizer Nationalmannschaft empfehlen: Scherwey, Moser, ja sogar Rüfenacht, wenn auch dessen üble Geste, mit der er nach dem 2:0 die Bieler Fans provoziert hat – jemand will sogar den Stinkefinger gesehen haben – gar nicht goutiert wird. Kritik an der Spielweise der Bieler wird ebenfalls laut: «Ein Pässli, ein Pässli her, und keiner getraut sich zu schiessen.»

Bis zur Abbiegung in Richtung Autobahn geht es nur schleppend voran, der Bus steht im Stau. Erst auf der alten Solothurnstrasse nach Pieterlen, wo die ersten der Mitreisenden den Bus verlassen, ist auch etwas Optimismus spür- und hörbar. «HCB - allez» singt der halbe Bus. «Am Donnerstag in Bern, da geht der SCB unter», meint einer der Fans. Schliesslich steht es erst Unentschieden.

Der Hockey-Express, der wird auch heute Donnerstag und Samstag wieder im Einsatz stehen und die Fans aus Grenchen und Umgebung zum Spiel fahren.

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