Grenchen

«Dringender Handlungsbedarf»: Zu Besuch in der «maroden» Parktheater-Küche

Thomas Vogt und Patrick Tobler (von links) orientieren Grenchner Politiker über den Zustand der Parktheater-Küche.

Thomas Vogt und Patrick Tobler (von links) orientieren Grenchner Politiker über den Zustand der Parktheater-Küche.

Die Politik muss über die Küchenrenovation im Parktheater Grenchen und die Leistungsvereinbarung zwischen Stadt und Betrieb entscheiden. Rodania betont, dass man sich nicht durch die öffentliche Hand gesundsanieren will.

Nach den Diskussionen um die finanziellen Schwierigkeiten der Rodania Gastro AG und den kostspieligen Kredit zur Erneuerung der Parktheater-Küche hat sich kürzlich die GRK selber ein Bild vor Ort von der Situation gemacht. Die Gemeinderatskommission und Chefbeamte der Verwaltung liessen sich von den Verantwortlichen über den ihres Erachtens maroden Zustand der Küche informieren.

Geschäftsführer Patrick Tobler betonte, dass das Layout der Küche nach heutigen Standards ungeeignet sei für die Bewirtung von bis zu 1000 Gästen. So befinde sich die Essensausgabe eigentlich auf der falschen Seite für die Bedienung von Terasse und Theatersaal. Ferner seien diverse Geräte am Ende ihrer Lebensdauer angelangt bzw. bereits defekt.

Anhand von diversen Details versuchte Tobler dies zu illustrieren: «Beispielsweise verursacht die nicht mehr voll funktionsfähige und veraltete Abwaschmaschine Mehrkosten von jährlich rund 85'000 Franken», sagte Tobler. Dies, weil man hier das Geschirr von Hand nachpolieren müsse.

«Zu vertrauensvoll gewesen»

Der Warenlift sei schon länger nicht mehr in Betrieb und der Lift zu den Seminarräumen falle dauernd aus und verursache damit hohe Zusatzkosten bzw. Aufwand. Thomas Vogt, Verwaltungsratspräsident der Rodania Gastro AG, unterstrich, dass «dringender Handlungsbedarf» bestehe, denn so könne die Pächterin nicht kostendeckend arbeiten.

Nach einer Frage eines GRK-Mitgliedes, warum dann die Rodania vor zwei Jahren noch Feuer und Flamme für die Übernahme des Parktheaters gewesen sei, meinte Vogt, man sei hinsichtlich des Zustandes der Küche «zu vertrauensvoll» gegenüber der Parktheater-Genossenschaft gewesen. «Wir haben auch Fehler gemacht», räumte Vogt ein. Ein anderer Interessent (SV Group) wäre nur nach umfangreichen Investitionen bereit gewesen, das Parktheater zu übernehmen, meinte Vogt. Die Rodania habe selber bisher – als Pächterin der Liegenschaft – 575'000 Franken investiert. Wenn man dies berücksichtige, sei der aktuelle Mietzins «mehr als marktkonform und höher als bei der Vorpächterin».

Was darf die Küche kosten?

Nachdem sich eine erste Offerte zur Küchensanierung auf 1,5 Mio. Franken belief, habe man eine weitere Expertise in Auftrag gegeben, war am Rundgang seitens der Genossenschaft zu vernehmen. Wie hoch der Betrag in der Zweitmeinung ausfallen wird, war anlässlich des Augenscheins noch nicht bekannt. Die Gemeindeversammlung hat im Budget 2017 bereits eine Tranche von 800'000 Franken eingestellt.

Auch für «gemeinwirtschaftliche Leistungen» sind, wie in den letzten Jahren, 53'000 Franken budgetiert. Im letzten Rundbrief der Rodania, wo sich die Stiftung ausführlich zur aktuellen Situation des Parktheaters äussert, heisst es hingegen: «Entgegen der verbreiteten Annahme haben wir als Pächterin bisher keine direkte finanzielle Beteiligung der Stadt an unsere Betriebskosten erhalten, auch nicht für die aufgeführten gemeinwirtschaftlichen Leistungen.»

Dem Leser des Rundbriefs wird demgegenüber vorgerechnet, wie gross das Verlustgeschäft der Gastro AG durch die Belegung der Öffentlichkeit sei. «Aktuell verzeichnen wir für das Jahr 2017 bereits 171 Buchungen für Gratis-Sitzungen, die für uns finanziell betrachtet ein Verlustgeschäft sind.» Allein für die Monate Januar bis März würden dem Parktheater so 43'500 Franken an Einnahmen entgehen.

«Überlebensfrage»

«Es geht bei uns ums Überleben», macht Rodania-Verwaltungsratspräsident Thomas Vogt im Gespräch klar. Man wolle sich keineswegs bei der öffentlichen Hand gesundsanieren, sondern eine Ausgangslage schaffen, damit überhaupt Chancen bestehen, eine ausgeglichene Rechnung zu erhalten.

Vogt bekräftigt die Aussage des Rundbriefes, wonach die Gastro AG nicht für gemeinwirtschaftliche Leistungen entschädigt werde. Die 53'000 Franken Abgeltung sind jeweils an die Parktheater-Genossenschaft geflossen, wie auch der städtische Finanzverwalter David Baumgartner bestätigt. Damit werden beispielsweise die Stromkosten für den Theatertrakt bezahlt, Aufwand für die Bestuhlung oder die Gratisnutzung der Vereine entschädigt.

Wer soll das Theater führen?

Zurzeit wird eine provisorische Leistungsvereinbarung zwischen der Stadt und der Rodania Gastro erarbeitet. Noch ist offen, ob diese auch den Theaterbetrieb übernimmt. «Wir möchten dies eher nicht, weil wir nicht den Eindruck erwecken wollen, dass wir das Kulturprogramm der Stadt an uns reissen.» Die zehn lange Zeit vorausreservierten Theaterdaten stellten für die Gastro AG kein Problem dar, mein Vogt.

Überhaupt scheint auch noch offen, ob nicht ein Leitungsauftrag im Umfang von 80'000 Franken für den Theaterbetrieb nicht öffentlich ausgeschrieben werden müsste, wenn es die Genossenschaft dereinst nicht mehr gäbe. Damit wäre aber ein weiterer Player involviert. Genannt wurde auch schon die Lösung, die Theater-Intendanz bei der Kulturkommission anzusiedeln.

Programm 2017/18 steht

Corinne Maier, die bis jetzt das Theaterprogramm zusammengestellt hat, ist jedenfalls bereit, weiter mitzuhelfen, wie sie auf Anfrage bestätigt. Das Theaterprogramm der nächsten Saison sei gesichert und organisiert, erklärt sie. Ab Juni müsste sie sich um die übernächste Saison kümmern – «sofern meine Dienste weiterhin gewünscht sind», wie sie meint.

Als nächster Schritt muss die Politik den provisorischen Leistungsauftrag zwischen der Stadt und der Rodania Gastro AG formulieren. Vogt plädiert dafür, dass der Gemeinderat entscheidet. «Ich möchte Transparenz herstellen, denn es kursieren nach wie vor viele Gerüchte. Eine solche ist gewährleistet, wenn es eine Gemeinderatsvorlage gibt.» Die nächste Gemeinderatssitzung findet am 4. April statt.

Mitte April möchte Reto Gasser, Vizepräsident der Parktheater-Genossenschaft (und nach dem Rücktritt des Präsidenten deren Vorsitzender) die Genossenschaftsversammlung durchführen, welche über die Übertragung der Liegenschaft an die Stadt entscheidet. Gasser zeigt sich zuversichtlich, dass dies gelingen wird, hätten doch jene privaten Genossenschafter, welche an der letzten ausserordentlichen Versammlung teilgenommen hätten, Verständnis für diesen Schritt gezeigt.

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