Die 22. Grenchner Wohntage werden vom 8. bis 15. November durchgeführt und widmen sich dieses Jahr schwergewichtig der Wohnsituation von sozial Schwachen. «Für Haushalte in prekären Lebenslagen ist die Wohnsituation oft von grosser Bedeutung», erklärt Lukas Walter, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Wohnungswesen BWO in Grenchen. «Sie kann für die Menschen integrationsfördernd sein, aber auch eine Gettoisierung und damit Ausschluss bedeuten», erklärt Walter zum Generalthema der nationalen Fachtagung, die am 9. November im Parktheater stattfinden wird.

Vorträge und Podium

Die Fachtagung mit inzwischen regelmässig an die 200 Teilnehmenden ist jeweils aus nationaler Sicht der Hauptanlass der Wohntage und richtet sich an Fachpersonen und weitere Interessierte. Menschen mit geringem Einkommen oder Migrationshintergrund haben es oft schwer, sich auf dem Schweizer Wohnungsmarkt zurechtzufinden. «Manchen fehlt oft einfach das Wissen, denn fast in jedem Land funktioniert der Mietwohnungsmarkt unterschiedlich.» So ist es in Deutschland Usus, dass Mieter ihre eigene Küche mitbringen (Kochherd, Kühlschrank etc.).

Vorträge von Fachleuten an der Fachtagung erläutern beispielsweise die Wohnverhältnisse sozial Schwacher in der Schweiz und in Frankreich, die Wohnsitzwechsel aus wirtschaftlichen Gründen in den Schweizer Agglomerationen, die Wohnsituation von Asylsuchenden in Lausanne und Zürich und die Mittel, welche Städte und Gemeinden haben, die Wohnsituation für bestimmte Bevölkerungsschichten zu verbessern. Wie immer wird am Nachmittag an einem Podium mit den Referenten eine Bilanz gezogen.

Rolle der Genossenschaften

Für die Bevölkerung von Grenchen und Umgebung dürfte vor allem das Rahmenprogramm der Wohntage auf Interesse stossen. Eröffnet werden die Wohntage mit einer Podiumsdiskussion zum Thema genossenschaftlicher Wohnungsbau, welche vom Architektenverband SIA organisiert wird. Diskutiert wird dabei unter anderem über den sozialen Zusammenhalt in Genossenschaftswohnungen und welche Beiträge Wohnbaugenossenschaften zur Stadtentwicklung leisten. Als Beispiel für die diesbezüglichen Leistungen dient das vom SIA ausgezeichnete Projekt «Zwicky Süd» in Dübendorf ZH.

Die Podiumsdiskussion findet am 8. November um 19 Uhr in der Alten Turnhalle statt. Gleichzeitig wird dort die aktuelle Wanderausstellung «Umsicht – Regards – Sguardi 2017» des SIA eröffnet, welche sechs Architektur-Arbeiten zeigt, die «für zukunftsfähige Gestaltung des Lebensraums» ausgezeichnet wurden. Die Ausstellung ist bis 15. November zu sehen.

Wenn der Lift kaputt ist

Am 13. November um 18.30 Uhr wird im Kino Rex der französische Film «Asphalte» von Samuel Benchetrit (2015, mit Isabelle Huppert) gezeigt, der die Situation in einem Wohnblock in einem Aussenstadtquartier thematisiert, wo der Lift nicht funktioniert. Darob ergeben sich interessante Begegnungen der sechs Schlüsselfiguren, darunter ein amerikanischer Astronaut ... «In der Deutschschweiz hatte der Film bisher nur 118 Zuschauer, aber er verdient ein grösseres Publikum», meint Wohntage-Organisator Lukas Walter.

Abgeschlossen werden die Wohntage am 14. November mit einem Vortrag im Kultur-Historischen Museum. Niklaus Scherr, ehemaliger AL-Gemeinderat und Geschäftsleiter des Zürcher Mieterverbands, hat ein Buch über die Mieterbewegung verfasst, welches unter anderem die schlimmen Wohnverhältnisse um 1900 in den Städten beschreibt. Scherr spricht über seine Nachforschungen in Zürich und Basel.

Für die Wohntage 2017 hat Thierry Bongard von der Hochschule der Künste Bern zudem ein Kartenset mit Illustrationen zum diesjährigen Thema geschaffen. Anmeldung für die Fachtagung unter www.grenchnerwohntage.ch.