Woche der Religionen

Die Vorstellung des Jenseits und der Wiedergeburt wird modernisiert

Sorgten für eine spannende und anregende Diskussion (v.l.): Karthiya Kirupakarasarma, Sevim Polat, Moderatorin Yvonne Schär und Klaus Wloemer.

Sorgten für eine spannende und anregende Diskussion (v.l.): Karthiya Kirupakarasarma, Sevim Polat, Moderatorin Yvonne Schär und Klaus Wloemer.

Wie wir uns das Jenseits vorstellen, beeinflusst unser ganzes Leben. Zur Woche der Religionen organisierten der Verein Granges Mélanges und die ansässigen Kirchen in Grenchen deshalb einen Vortrag mit Podium zu diesem schwierigen Thema.

Der Saal im Kultur-Historischen Museum war voll. «Der Tod ist eine trübselige Angelegenheit. Ich rate Ihnen, sich auf keinen Fall darauf einzulassen.» Der Protest des englischen Schriftstellers William Somerset Maugham zeigt, wie die Frage nach dem Jenseits jemandem auf den Nerv bohren kann.

Jenseitsvorstellungen gibt es so viele wie Menschen. Zum Glück sind sie nicht für alle so trist wie für Maugham. Das machte die Religionswissenschafterin Anita Ledergerber klar, als sie die Lehren von Hinduismus, Islam und Christentum vorstellte.

Ihre Aufgabe war doppelt schwierig, weil sie für die vorgesehene Referentin einspringen musste und weil jede Religion in Untergruppen aufgeteilt ist, deren Überzeugungen voneinander abweichen. Entsprechend beschränkte sie sich auf einen kurzen Überblick, um der Diskussion Raum zu geben. «Der Tod hebt das Leben nicht auf, er transformiert es», ist sie zuversichtlich.

Religionen passen sich der Zeit an

Zwischen dem beschwerlichen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt und dem Letzten Gericht mit Himmel und Hölle ist der Unterschied beträchtlich. Dennoch blieb das Podiumsgespräch nicht bei einer Auslegeordnung stehen. Zu verdanken ist das der Tatsache, dass Religionen nicht in Stein gemeisselt sind.

Sie modernisieren sich. Das zeigt sich etwa an der Kremation, die in christlichen Kreisen heute anders als früher weitgehend akzeptiert ist. Spannend waren die Ausführungen der Hinduismus-Vertreterin Karthiya Kirupakarasarma. In ihrer Tätigkeit als interkulturelle Übersetzerin und Mediatorin orientiert sie sich an der Gegenwart.

Das heisst, gute und schlechte Taten wirken sich bereits jetzt aus, bei dem, der sie tut und in seinem Umfeld. «Die Wiedergeburtsidee ist weitgehend aus der Gesellschaft verschwunden», stellte sie klar, obwohl sie selbst daran glaube.

Gemeinsamkeiten im Diesseits

Damit öffnete Kirupakarasarma den beiden Vertretern der monotheistischen Religionen das Tor zum Austausch der Gemeinsamkeiten. Fortan war die Diskussion im Diesseits verankert. Den hinduistischen Tugenden Selbstbeherrschung, Gastfreundschaft und Mitgefühl konnten der christkatholische Pfarrer Klaus Wloemer und Sevim Polat, muslimische Vertreterin der Gemeinschaft von Christen und Muslimen in der Schweiz, zustimmen.

«Wenn ich morgen sterbe, ist das gut», gab Wloemer seiner Gelassenheit in Bezug auf die Ungewissheit des Todes Ausdruck. Polat erzählte, dass der Gedanke ans Jenseits für sie ins Bewusstsein rückte, als sie vor 14 Jahren Mutter wurde. «Seither achte ich mehr auf mich. Unbewusst setze ich mich 24 Stunden am Tag mit meiner Vergänglichkeit auseinander.»

Provokativ fragte da die Moderatorin, Yvonne Schär, was Polat ihrem Sohn antworten würde, sollte dieser gegen den Tod rebellieren. Polat liess sich nicht beirren: «Der Tod ist unvermeidlich. Der Islam ist da ganz auf den Alltag bezogen.»

Fehlende muslimische Grabfelder

Schmerzlich ist für die Muslimin nur etwas: die Weigerung des Kantons Solothurn, muslimische Grabfelder zuzulassen. «Für mich ist das ein riesengrosses Problem.» Sollte sie sich zur Todesstunde nicht zufällig im Kanton Bern befinden, müssten ihre sterblichen Überreste wie die ihrer Eltern in die Türkei überführt werden. «Das möchte ich meinen Kindern nicht zumuten», rief sie in den Saal.

Von christlicher wie hinduistischer Seite erhielt Sevim Polat Unterstützung. Karthiya Kirupakarasarma berichtete von einem ähnlichen Problem der Hindus, die Verstorbene in der Schweiz nicht daheim aufbahren und deren Asche nicht in Flüsse streuen dürfen. Nun habe aber Luzern den Hindus erlaubt, die Asche in die Reuss zu streuen.

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