Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut hofft, dass das Modell Schule macht.

Die Verantwortlichen von Spitex und Heim haben gestern das Zusammenarbeitsmodell vorgestellt, mit dem man sich eine Verbesserung der Betreuung bei gleichzeitiger Nutzung von Synergien vorstellt. «Unser neues Motto heisst alles aus einer Hand», erklärte Lotty Sannwald, Präsidentin des Spitex-Vereins Bettlach, an einer Medienorientierung. Monika Eichelberger, Präsidentin des Zweckverbandes Alters- und Pflegeheim Baumgarten Bettlach-Selzach, und Christina Affentranger, Gesamtleiterin des Heimes, orientierten über das neue System, das trotz Widerstand aus Selzach nun seit Anfang Jahr operativ ist.

Spitex-Verein bleibt

Die Spitex Bettlach hat ihre Büros im Dorf gekündigt und ist jetzt mit ihren
12 Teilzeit-Mitarbeitenden (600 Stellenprozente) im «Baumgarten» eingemietet. Auch für die Spitex-Administration und Pflegedienstleitung können die Büros im Heim mitbenutzt werden. Das Personal bleibt aber weiterhin bei der Spitex angestellt. Und natürlich bleibt auch der Spitex-Verein Bettlach erhalten, notabene der grösste Verein im Dorf.

«Aus rechtlichen Gründen ist eine Fusion zwischen einem Zweckverband und einem Verein nicht möglich», erklärt Affentranger. «Wir versuchen aber auch so, sämtliche sich anbietenden Synergien zu nutzen.» So wird ein gemeinsamer Pool von Mitarbeitenden geschaffen, die sowohl intern im Heim auch als extern in der Spitex arbeiten. Die jeweilige Arbeitszeit wird einfach der entsprechenden Institution belastet. Affentranger schätzt, dass rund
15 Prozent der 80 Heimangestellten künftig in beiden Bereichen arbeiten. Das könne auch für das Personal eine Bereicherung sein. Administrativ wurde die Spitex neu der Pflegeheimleitung unterstellt. Es gebe auch weitere Vereinfachungen, so beim Mahlzeitendienst, wo das Heim bereits bisher für die Spitex gekocht habe.

Heim muss nicht Endstation sein

Monika Eichelberger sieht vor allem auch Vorteile für die pflegebedürftigen Personen. «Eine enge Kooperation von Spitex und Heim wird situativ angepasste Lösungen erleichtern: Personen können, beispielsweise in einer Krankheitsphase oder nach einem Spitalaufenthalt, eine Zeit im Heim verbringen und danach wieder in ihre vertraute Umgebung zurückkehren.» Ein Heimaufenthalt müsse somit nicht zwangsläufig die «letzte Station im Leben» bedeuten.

Auch Bettlachs Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut sieht zahlreiche Vorteile: «Denn die Betroffenen können in dieser Zeit von ein und derselben Person betreut werden.» Der gegenwärtige Trend zur Bildung von Spitex-Grossregionen habe nämlich gravierende Nachteile für Personal und Patienten. «Die Anfahrtswege werden immer länger und die Anonymität nimmt zu.» In der Tat sei es keine Ausnahme in einer grossen Spitex-Organisation, wenn Patienten allein in einer Woche von zehn verschiedenen Personen gepflegt würden, wurde betont. «Dies ist für mich eine Horrorvorstellung», meinte Leibundgut.

Selzach weiterhin willkommen

Sie hofft, dass das von Bettlach gewählte System auch andernorts Schule mache. Man sei auch weiterhin bereit für mehr Kooperation mit der Gemeinde Selzach, die ebenfalls Trägerin des gemeinsamen Heims ist. Vorerst hatte sich Selzach gegen eine Fusion gewehrt, denn die Spitex arbeitet dort im Verbund mit Lommiswil. Die Eröffnung von Aussenwohngruppen für Personen mit demenzieller Erkrankung in Selzach im nächsten Sommer könne ein Ansatz für weitere Gespräche sein.

Ein weiterer Hintergrund für die nun gesuchten Synergien ist auch die demografische Entwicklung, insbesondere in Bettlach, aber auch in Selzach. Die Bevölkerung wird immer älter – und das schnell. Auch ohne Bevölkerungswachstum insgesamt wird sich laut Prognosen bis 2035 die Zahl der über 80-Jährigen gegenüber heute quasi verdoppeln von 464 auf 843 Personen, was über 20 Prozent der Bevölkerung ist. Von diesen Personen werden erfahrungsgemäss 11 bis
15 Prozent einen Pflegeplatz benötigen. «Dies entspricht einer Zunahme gegenüber 2008 um 155,4% der benötigten Betten», meint Affentranger.