Sommerserie Grenchner Quartiere

Die Ruhe in Grenchen: Das Ziegelmattquartier im Osten ist das typische Wohnquartier

Grenchen und seine Quartiere: Für das Ziegelmattquartier im Osten der Stadt sind die Reihensiedlungen entlang der Solothurnstrasse charakteristisch.

«Ruhige Gegend» oder auch «schöne Lage» sind Attribute, welche häufig im Zusammenhang mit dem Ziegelmattquartier fallen. Aufgrund seiner Bebauung weist das Quartier im Osten Grenchens, im Gegensatz zu anderen Vierteln an den Rändern der Stadt, zudem einen eher städtischen Charakter auf. Dies gewährt den Bewohnern ein gewisses Mass an Anonymität, was von diesen durchaus auch geschätzt wird.

Doch welches Gebiet umfasst das Ziegelmatt überhaupt oder besser gefragt: Wo fängt es an und wo hört es auf? Weitgehende Einigkeit herrscht darüber, dass das Quartier auf der Nord-Süd-Achse zwischen der Jura- und der Solothurnstrasse gelegen ist und dabei durch die Bettlachstrasse «zerteilt» wird. Geht es jedoch um die Ausdehnung gen Westen, scheiden sich nicht selten die Geister. Für die einen ist das Quartier bereits bei der Wissbächlistrasse zu Ende. Dies gilt insbesondere für die Einwohner rund um die namensgebende Ziegelmattstrasse, was den ursprünglichen Kern des Stadtviertels ausmacht. Andere wiederum sind der Auffassung, dass das Quartier bis zur Odeon-Kreuzung und somit bis an den Rand des Stadtzentrums reicht. Zieht man die von der Stadt festgelegten Quartiergrenzen zu Rate, so behalten Letztere recht.

Nahe am Geschehen und doch etwas abseits

Obwohl auch einige Gewerbler sich hier niedergelassen haben, handelt es sich beim Ziegelmatt mehr oder minder um ein typisches Wohnquartier. Einst wurde das Gebiet durch das Spital geprägt, auf dessen Gelände nun das Wohn- und Pflegezentrum «Sunnepark» beheimatet ist. An zentralen Einrichtungspunkten fehlt es aber weitestgehend. Dennoch wird dieser Umstand von der Bevölkerung nicht zwangsläufig als Nachteil betrachtet. Aufgrund der Nähe zum Stadtzentrum sind die Bewohner ohnehin innert kurzer Zeit mitten im Geschehen – und genauso schnell wieder zurück in ihren ruhigen Gefilden.

Allerdings kann das Viertel auch mit beliebten Treffpunkten auftrumpfen wie beispielsweise dem Quartier-Egge-Lädeli oder dem Rötispielplatz, der vor allem von jungen Familien, Kindern und Jugendlichen gerne frequentiert wird. Mit der Pizzeria Pomodoro und «Dani’s Egge» lassen sich zudem zwei Restaurants hier finden. Doch haben alle Orte gemein, dass sie sich unweit der Gemeindegrenze zu Bettlach befinden. Kein Wunder also, dass die westliche Quartierhälfte bei einigen Einwohnern schnell einmal in Vergessenheit gerät.

Wohnblocks als Reaktion auf Wirtschaftsboom

Dabei bietet insbesondere dieser Teil des Viertels mit der Coop-Tankstelle, im Süden an der Solothurnstrasse gelegen, oder dem Lidl-Supermarkt bei der Odeon-Kreuzung bekannte Einkaufsmöglichkeiten, welche weit über die Quartiergrenze hinaus genutzt werden. Gerade letztgenannter wird aber nicht selten selbst von der Bevölkerung des westlichen Ziegelmatt bereits dem Zentrum zugeordnet. Dies zeigt wiederum wie verschwommen und wenig trennscharf die Stadtviertel in Grenchen teilweise wahrgenommen werden.

Aus historischer Sicht ist für das Ziegelmatt charakteristisch, dass es eines der ersten Quartiere in der Uhrenstadt war, in welchem Wohnblocks errichtet worden sind. Dies war durch den Wirtschaftsboom bedingt, welcher zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion und dadurch im Grenchen der frühen 50er-Jahre zu einer Verschärfung der Wohnungssituation geführt hatte. In diesem Jahrzehnt entstanden im alten Kerngebiet des Ziegelmatt, in erster ­Linie an der Solothurnstrasse, schliesslich ganze Reihensiedlungen an genossenschaftlichen Bauten, um der Wohnungsnot Herr zu werden.

Heutzutage kommt das Viertel deutlich heterogener daher. Denn mittlerweile wird das Ziegelmatt durch einen Mix aus Einfamilienhäusern und Blocksiedlungen definiert. Erstere dominieren das Quartier vornehmlich nördlich der Bettlachstrasse, während die älteren Bauten weiterhin das Bild im Süden mitprägen.

Üppige Grünflächen und Oasen mitten in der Stadt

Wie es sich für ein Viertel der «Technologiestadt im Grünen» gehört, kann das Ziegelmatt zudem mit üppigen Grünflächen aufwarten. In einer solchen Oase der Natur mitten in der Stadt wohnt auch Rosmarie Prétat. Seit rund sieben Jahren ist sie in Grenchen ansässig. Mit der Uhrenstadt war die Selzacherin aber bereits zuvor bestens vertraut, arbeitete sie doch über 20 Jahre im Werk 2 der ETA SA. Ihre jetzige Wohnung sei ihr dazumal von einer Arbeitskollegin empfohlen worden. «Es ist ein altes, schönes und ruhiges Quartier», bestätigt Prétat. Insbesondere der grossflächige Balkon hatte es ihr auf Anhieb angetan. Denn von diesem geniesst sie einen wunderbaren Ausblick über die Stadt, der bei heiterem Wetter bis zu den Alpen reicht. Hinter dem Haus wiederum erstreckt sich der farbenfrohe und weitläufige Garten. Sowohl dort wie auch auf dem geräumigen Balkon ist die leidenschaftliche Hobbygärtnerin des Öfteren beim «Blüemele» anzutreffen. Zudem geht sie vom Küchenfenster aus gerne «auf die Pirsch» wie sie erzählt. Hierbei kann sie die vielen verschiedenen Tiere, die sich im Garten blicken lassen, bestens beobachten und der Natur lauschen. Die Gesänge der Vögel sind dabei nicht die einzigen Klänge, die sie nicht missen möchte. Nebst der grünen Idylle stellt für Prétat auch das Läuten der nicht allzu weit entfernten Glocken der Zwinglikirche ein typisches Merkmal für ihren Wohnort im westlichen Bereich des Ziegelmattquartiers dar. «Das Glockengeräusch berührt mich sehr, wäre es nicht mehr da, würde mir definitiv etwas fehlen», sagt sie. Auch der Standort ist für die Seniorin ein klarer Pluspunkt. «Da ich nicht Auto fahre, ist die Lage für mich optimal», erklärt Prétat. So könne sie problemlos zu Fuss ins Zentrum gehen, um ihre Einkäufe zu erledigen.

Und wenn sie für einmal weitere Strecken in Angriff nehmen muss, befindet sich eine Bushaltestelle fast direkt vor ihrer Haustüre. Alles in allem zeigt sich die zugezogene Selzacherin mit dem Quartier durchaus zufrieden: «Ich habe mich gut eingelebt und fühle mich wohl hier», lautet ihr Resümee.

Meistgesehen

Artboard 1