Pieterlen
Die Festschrift blickt auf eine lange Tradition zurück

Die Mitglieder der Bienenköniginnenzuchtgruppe Büttenberg feierten den 100. Geburtstag.

Margrit Renfer
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Werner Bachmann (links) und Alfred Rentsch freuen sich über die gelungene Jubiläumsschrift.

Werner Bachmann (links) und Alfred Rentsch freuen sich über die gelungene Jubiläumsschrift.

Margrit Renfer

«Die Hitze wäre für die Waldtracht gut gewesen, doch es fehlte die Feuchtigkeit, dass die Bienen den Honig hätten einbringen können. Mit Stämmen der Maitannli wurde eine Überdachung bei der Belegstation in der Aeglere gebaut, 15 Ableger und 5 Zuchtkästli wurden im Zuchtregister eingetragen und leider wurde beim Bienenhaus eingebrochen, Türe und Fenster kaputtgemacht und sämtliches Werkzeug gestohlen». Der Jahresbericht des amtierenden Präsidenten Werner Bachmann im Jubiläumsjahr erzählt vom Bienenjahr und von der Arbeit der heutigen Bienenzüchter. Seit 100 Jahren ist man im Einklang mit der Natur und bringt dem Bienenvolk viel Respekt entgegen.

Gründung der Genossenschaft

Der 1. Weltkrieg war gerade fertig, der Generalstreik nahe und die spanische Grippe hatte 25 Millionen Europäer dahingerafft. Da trafen sich 17 Bienenzüchter aus der Umgebung und gründeten die Bienenköniginnen Zuchtgruppe Büttenberg, eine Genossenschaft. «Die Zuchtgruppe bezweckt die Reinzucht der deutschen braunschwarzen Biene. Sie errichtet eine Belegstation, beschafft rassenreinen Zuchtstoff beider Linien, erzieht Königinnen edler Abstammung, führt verlässliche Zuchtregister, verkauft Eier von Königinnen, instruiert über die Pflege der Königinnen und veredelter Völker», wurde bestimmt.

Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums baten die Bienenzüchter Alfred Rentsch darum, eine Jubiläumsschrift zu erstellen. Die zweite, nach der 50-Jahre-Festschrift, die damals mit Schnapsmatrizen gedruckt wurde. Aus den Protokollen wird zitiert, dass bereits im Februar 1920 die erste Belegstation in der Nähe des Bartlomeehofes auf dem Büttenberg «fix und fertig und zum Betrieb abgeschrankt» in Betrieb genommen worden sei. 1921 wurde ein Dröhnerich für 120 Franken beschafft.

1924 musste für die Belegstation ein neuer Standort gesucht werden, da in der Nähe Bienenzucht betrieben werde. Auf der Zelg bei Romont wurde man fündig. Dann ereignete sich aber ein bedauerlicher Zwischenfall. Der Besitzer der Zelg habe fürs Mähen des Grases an der Belegstation die Fluglöcher geschlossen, um sich zu schützen. Dann vergass er, diese wieder zu öffnen und die beiden Dröhneriche seien erstickt.

Pacht und Landkauf

Bald konnte von der Burgergemeinde Pieterlen die Haslergrube in der Aegleren auf dem Terrain der Gemeinde Meinisberg gepachtet werden. Um bei Witterungsunbill auf der Station einigen Schutz zu bieten, wurde 1934 das erste Bienenhäuschen erstellt. Einmal stellte in der Nähe ein Imker Bienenvölker auf. Aber er musste sie wegen der Reinzucht wieder entfernen. 1956 konnte die Zuchtgruppe das Land von der Burgergemeinde kaufen.

Das Pachtverhältnis schien wegen der geplanten Güterzusammenlegung und dem späteren Autobahnbau gefährdet. Bis 1984 mit grosser Genugtuung zur Kenntnis genommen wurde, dass die Belegstation in ihrer jetzigen Form als Feldgehölz in der Aegleren erhalten bleibt. Seit dem kantonalen Imkertag 2002 öffnen die Mitglieder der Zuchtgruppe jährlich die Türen der Belegstation am «Bienentag», zusammen mit den Landfrauen Pieterlen, und es wird ein Gottesdienst unter Mitwirkung des Jodlerklubs Bözingen durchgeführt.

301 Königinnen

Dann erfahren die Besucher jeweils am praktischen Beispiel Wissenswertes aus dem Leben der Bienen und aus der Geschichte der Zuchtgruppe. Aus all den vorhandenen Protokollen und den immer nachgeführten Zuchtregistern geht hervor, dass 1932 301 Königinnen zur Befruchtung aufgeführt worden seien. Leider seien die Zuchtkästen nicht alle verproviantiert angekommen. «Nirgends rächt sich Geiz mehr als in der Bienenzucht», vermerkte der Chef der Belegstation damals. Die Dröhneriche auf der Station wurden als Prachtskerle mit hoher Punktzahl bewertet.

Die Besucher werden auch über die Tracheenmilbe, die Faulbrut und die Varroa Milbe erfahren. Krankheiten, die die Bienenzucht immer wieder bedrohen. Dies neben direkt menschengemachten Bedrohungen im Zyklus der Honigbiene. «Was ist eine Belegstation? Ein Stundenhotel für die Königinnen zur Begattung durch die Drohnen, die anschliessend sterben», erläutert Alfred Rentsch, der Verfasser der Jubiläumsschrift. Er habe beim Schreiben viel über die Bienen gelernt.