Grenchen

Die drei Berggasthöfe haben der Coronakrise getrotzt

Blick aus der Vogelperspektive: Der Gasthof Untergrenchenberg im Vordergrund und der Oberberg im Hintergrund.

Blick aus der Vogelperspektive: Der Gasthof Untergrenchenberg im Vordergrund und der Oberberg im Hintergrund.

Die drei Berggasthöfe Stierenberg, Untergrenchenberg und Obergrenchenberg haben die Coronakrise unterschiedlich gemeistert.

In der Uhrenstadt kehrt allmählich wieder Leben ein. Denn seit Ende April werden die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor dem neuen Coronavirus schrittweise gelockert. Ab dem 11. Mai durften schliesslich auch die Gastronomiebetriebe wieder öffnen, wenn auch unter strengen Auflagen: Höchstens vier Personen dürfen sich seither am selben Tisch aufhalten. Ausgenommen von dieser Regelung sind lediglich Familien.

Diese Auflagen wurden bekanntlich vom Bund nun weiter gelockert. Ab heute sind auch grössere Gruppen wieder in Restaurants gestatten. Bereits vergangenen Samstag sind zudem für Treffen im öffentlichen Raum die Gruppengrössen von fünf auf 30 Personen angehoben worden. Was dafür sorgt, dass sich die Bevölkerung wieder grosszügiger nach draussen begibt. Das schöne Wetter über die Festtage tat dabei sein Übriges. Nebst Witi und Aare strömen die Menschen vor allem vermehrt wieder in die Jurahöhen. Ein langersehnter Moment, insbesondere für die Betreiber der Berggasthöfen auf dem Grenchenberg.

Lieferservice und neue Dinge ausprobiert

Die Coronakrise traf Vreni Schneider «wie ein Hammerschlag». Denn die Pächterin des Berggasthofs Untergrenchenberg ist es gewohnt, ständig viele Menschen um sich zu haben. «Die ersten beiden Wochen hatte ich stark mit mir zu kämpfen», sagt sie. Halt erfuhr die Wirtin nicht zuletzt auch durch ihre Küchenmitarbeiterin, die immer wieder im Restaurant vorbeischaute. Gemeinsam haben sie schliesslich die Idee eines Lieferservices aufgegleist. Die Mahlzeiten wurden aus Zutaten der eigenen Produktion zubereitet und anschliessend fein säuberlich auf den Tellern angerichtet, bevor sie in alle Himmelsrichtungen versendet wurden. Zudem versorgte die leidenschaftliche Bäckerin ihre Kunden auch mit selbst gemachtem Gebäck. Allein für die unzähligen Züpfen habe sie in dieser Zeit rund 150 kg Mehl verbraucht.

Die Krise bot aber auch die Gelegenheit, neue Sachen auszuprobieren, für die bisher die Zeit fehlte. Etwa das alte Studentenschnitten-Rezept ihrer Grossmutter, welches sie einst beim Ausräumen des elterlichen Stöckli fand.

Nun ist sie aber froh, dass das Restaurant endlich wieder geöffnet hat. Dies ist seit dem 12.Mai der Fall. Die strengen Auflagen stellten zwar eine Herausforderung dar, machten aber auch kreativ und erfinderisch. So wurde die Gaststube kurzerhand in eine kleine Schweiz umgewandelt und die Tische fungieren seither als einzelne Kantone. Dazu gibt es jeweils passende Ferientipps mit Ausflugsideen zum jeweiligen Kanton.

Umbauarbeiten wurden vorgezogen

«Nach der Sperrung der Bergstrasse im vergangenen Jahr ist dies nun bereits der zweite Dämpfer, den wir erlitten haben», erklärt Christian Peter, der den Berggasthof Stierenberg im April 2019 zusammen mit seiner Partnerin frisch gepachtet hat. Das Restaurant, mit seiner grosszügigen Aussichtsterrasse mit Blick auf das Bieler Seeland und die Alpen, öffnete erst am vergangenen Mittwoch wieder seine Pforten für die Gäste.

Grund dafür war, dass die Umbauarbeiten, welche eigentlich im Sommer angedacht waren, vorgezogen wurden. «So konnten wir die Zeit zumindest sinnvoll nutzen», sagt Peter. Bereits am ersten Lockdown-Wochenende hat das Betreiberpaar zudem einen Imbissstand aufgezogen. Dadurch konnten die Verluste durch die fehlenden Einnahmen zumindest zu einem gewissen Grad abgedämpft werden.

Nun läuft der Betrieb wieder und bereits am Eröffnungsmorgen trudelten die ersten Gäste ein. Aber auch auf dem Stierenberg gestaltete sich die Umsetzung der Vorschriften, aufgrund der verwinkelten Gaststube, nicht gerade einfach. «Wir konnten schliesslich keine Ecken rausschlagen», so Peter lachend. Er ist aber guten Mutes, dass es nun vorwärtsgeht.

Konzentriert auf die Landwirtschaft

Auf dem Obergrenchenberg stand der Restaurantbetrieb zunächst komplett still. Die Pächterfamilie Kaufmann hat sich während dieser Zeit voll und ganz auf die Landwirtschaft konzentriert. «Da die anderen beiden Berggasthöfe bereits Take-away-Angebote hatten, haben wir dies nicht auch noch gemacht», erklärt Tony Kaufmann. Zumal sich gerade zu Beginn des Lockdowns nicht besonders viele Menschen bis zuoberst auf den Obergrenchenberg verirrt hätten.

Dafür wurde der bereits bestehende Selbstbedienungshofladen weiter ausgebaut. Dies sei von den Leuten sehr geschätzt worden. Gleich ab dem ersten Tag der Lockerungen wurde der Gastrobetrieb von Familie Kaufmann wieder aufgenommen. Das Einhalten der Auflagen sei ohne grössere Probleme möglich gewesen. «Drinnen haben wir natürlich nicht mehr so viel Platz wie zuvor, doch für Schlechtwettertage reicht es aus», so Kaufmann. Und bei Sonnenschein, wenn wieder vermehrt Besucher auf den Berg strömen, sei für die Gäste bereits von weitem gut sichtbar, ob auf der grossen Aussenterrasse genügend freie Plätze vorhanden sind.

Meistgesehen

Artboard 1