Grenchen

Die beiden Banküberfälle sind noch nicht aufgeklärt – Regiobank hat aufgerüstet

Die Regiobank-Filiale an der Kirchstrasse wurde letztes Jahr gleich zweimal überfallen.

2018 wurde die Regiobank-Filiale in Grenchen innert kurzer Zeit zweimal überfallen. Die Täter sind noch immer flüchtig. Den Umständen entsprechend gut geht es den drei von den Überfällen betroffenen Bankangestellten. Alle arbeiten noch bei der Regiobank.

Gut ein Jahr nach den zwei Banküberfällen auf die Filiale Grenchen spricht die Leitung der Regiobank Solothurn AG erstmals über die belastenden Erlebnisse und wie man diese verarbeitet. Die gute Nachricht: Alle Mitarbeitenden, die sich damals dem Täter mit der Waffe gegenübersahen, arbeiten weiterhin bei der Regiobank. Die schlechte Nachricht: Der Räuber wurde bisher nicht festgenommen.

Wenn Thomas Meuli die Bankfiliale an der Kirchstrasse betritt, überfallen ihn die Bilder der schwarz vermummten Gestalt mit der Waffe in der Hand. Bilder, die er von den Überwachungskameras in der Schalterhalle und am Bancomaten kennt. Als zuständiges Mitglied der Geschäftsleitung war Meuli bei beiden Überfällen damals innerhalb von 20 Minuten vor Ort.

Kurzfristig stand er am darauffolgenden Tag persönlich am Schalter, einfach um da zu sein und der geschockten Bankbelegschaft Sicherheit zu geben. Natürlich auch um mitzuhelfen, den Betrieb aufrechtzuerhalten. «Mich begleitet das alles noch heute. Die Bilder haben sich in meinem Kopf festgesetzt», sagt er.

Das Geld ist versichert, die Menschen nicht

«Der zwischenmenschliche Schaden dieser Überfälle ist immens. Es geht nicht um das Geld. Das ist versichert», sagt Thomas Meuli. Umso dankbarer ist er, dass alle Angestellten, die am 4. Mai und am 23. Juli 2018 überfallen wurden, ihre Arbeit inzwischen wieder ausüben können.

In seiner Stimme schwingt Stolz mit, als er sagt: «Das ist bemerkenswert und widerspricht der Statistik. Offenbar können die meisten Bankmitarbeitenden, die Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls wurden, die Arbeit am Schalter nicht mehr ausüben. Entweder sie orientieren sich beruflich neu, oder im schlimmsten Fall werden sie krank und arbeitsunfähig.» Das war hier nicht der Fall.

Flucht gelang trotz belebter Kirchstrasse

Direkt betroffen waren drei Personen, zwei Frauen und ein Mann. Besonders tragisch: Eine Mitarbeiterin wurde Opfer von beiden Überfällen. Beim ersten Mal bedrängte der Räuber sie am frühen Morgen auf dem Weg zur Arbeit vor der Tür, als sie dort allein war, und zwang sie mit ihm in die Schalterhalle zu gehen und Geld aushändigen.

Beim zweiten Mal stürmte der Räuber kurz nach Türöffnung am Nachmittag in die Schalterhalle und zwang die Mitarbeitenden ihm Geld zu geben. Beim zweiten Überfall herrschten über 30 Grad im Schatten. «Mir scheint es unfassbar, dass sogar bei diesen Bedingungen der dick vermummte und maskierte Täter davonkam, ohne Aufsehen zu erregen. Die Kirchstrasse war belebt, in der Umgebung waren diverse Leute unterwegs.» Meuli findet es enttäuschend, dass beide Zeugenaufrufe der Polizei nicht dazu geführt haben, dass der Täter festgenommen wurde. Nun hoffen Meuli, die Bankleitung und die betroffenen Mitarbeitenden auf Kommissar Zufall.

Überfälle sind hausintern noch immer Thema

Dass die direkt Betroffenen die Überfälle verarbeiten konnten, führt Meuli auf mehrere Faktoren zurück: die starken Persönlichkeiten der Mitarbeitenden, die Tatsache, dass alle Teammitglieder das Prozedere nach Lehrbuch korrekt eingehalten haben, die professionelle Unterstützung durch Psychologen und schliesslich die Zusage der Regiobank, die Mitarbeitenden bedingungslos zu unterstützen.

«Ihr entscheidet, wann ihr das erste Mal einen Arbeitsversuch starten möchtet», bringt Meuli das Commitment der Bank zu den Kolleginnen und Kollegen auf den Punkt. «So haben wir dafür gesorgt, dass diese Mitarbeitenden zum Schock und den psychischen Verletzungen keinem weiteren Erwartungsdruck vonseiten Arbeitgeberin ausgesetzt waren.»

Die drei Personen reagierten unterschiedlich. Jemand habe rasch wieder arbeiten wollen, um ein Gefühl von Normalität zu bekommen, jemand habe es gebraucht, dem Arbeitsplatz länger fernbleiben zu können. Eine Person arbeitet heute in einer anderen Geschäftsstelle, die anderen beiden sind weiterhin in Grenchen tätig.

Wer nun denkt, dass die Regiobank die zwei Überfälle zu den Akten gelegt hat, irrt. «Die Raubüberfälle sind und bleiben bewusst Thema bei uns. Wir sprechen gezielt darüber», sagt Meuli. Einerseits ist da die psychologische Seite: Der zeitliche Abstand zum Schock und die Anforderungen des Alltags sollen nicht dazu führen, dass die Belegschaft sich in einer falschen Sicherheit wiegt oder gar verdrängt, was geschehen ist.

Andererseits ist da der technische Aspekt. Die Regiobank hat bei der Sicherheit aufgerüstet. Details dazu gibt sie aus naheliegenden Gründen nicht bekannt.

Bei der Sicherheit aufgerüstet

Bei den Sicherheitsvorkehrungen spricht Meuli nur über die zwei Massnahmen, die für die Öffentlichkeit sichtbar sind. Beim Eintritt in die Bank am Morgen werden die Angestellten von einem Sicherheitsangestellten begleitet. Und: Die innere Glastür zur Schalterhalle wird von den Mitarbeitenden am Schalter bedient. Trägt ein Kunde auch nur eine Sonnenbrille, bleibt diese Tür verschlossen und besagter Kunde wird gebeten, den Sonnenschutz abzunehmen. «Ein Überfall, so wie er letzten Sommer stattgefunden hat, ist heute nicht mehr möglich», sagt Meuli.

Und was sagt die Kundschaft zur Sicherheitsaufrüstung? «Zum Glück haben unsere Kundinnen und Kunden Verständnis», erklärt Meuli und fügt an: «Die Kundschaft ist uns treu geblieben. Dafür sind wir dankbar.»

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