Die Qual der Wahl fällt schwer, wenn man in der Halle von Peter und Matthias Schär steht: Neben einem silbergrauen Golf 1 GTI aus dem Jahr 81 steht ein Buggy, der auch schon die Veteranenprüfung abgelegt hat. Dahinter ein oranger Ford, ein Mercedes Cabrio, ein brauner Opel Manta, ein weisser VW Käfer. Im vorderen Teil der Halle nochmals ein Käfer, golden, vor der Halle ein rotes Käfer-Cabrio und und und.

Mehr als 15 Fahrzeuge sind zu sehen. Es handelt sich aber nicht um eine Autoausstellung, sondern die Passion von Vater und Sohn manifestiert sich hier: Autos, die meisten von deutschen Herstellern, werden hier wieder auf Vordermann gebracht. Auf einem Gestell an der Wand reiht sich eine grosse Anzahl an Ersatzteilen, die im Lauf der Jahre zusammengekommen sind.

Der Exot in der Halle

Ins Auge sticht dann aber doch ein eher spezielles Fahrzeug, sowohl von der Farbe wie von der Form her: Ein gelber VW 411 LE Variant, Jahrgang 1969. Den Wagen hat Matthias Schär vor drei Jahren für 2500 Franken erstanden. Seit 1972 stand das eher seltene Fahrzeug in der Garage eines Bekannten in Grenchen, mit nur 25 000 Kilometern auf dem Tacho. Vor dieser Zeit war er offensichtlich im Aargauischen unterwegs. «Wir wollten den Wagen mehr oder weniger in dem Zustand belassen, in dem er war, ein Auto, das gelebt hat», so Matthias Schär.

An der Carrosserie seien denn auch nur kleinere Ausbesserungen nötig gewesen. An den Kotflügeln habe man Rostausbesserungen vornehmen müssen, und auch am Motor sei ausser neuen Abdichtungen und einer neuen Kupplung nichts gemacht worden. Aber der ganze mechanische Teil, die Bremsanlage, alle Stossdämpfer, die Achsen und die Aufhängung sowie alle Leitungen, Schläuche und Gummiteile musste man ersetzen. «Wir mussten die Ersatzteile suchen, denn dieses Modell war schon damals ein Exot, an dem sich VW fast ‹überlüpft› hat. Es verfügt über einen luftgekühlten Heckmotor, analog zum Käfer. Aber im Gegensatz zu diesem handelte es sich um einen Einspritzmotor mit 80 PS.»

Die Einspritzung erfolgte über eine Einspritzanlage von Bosch, der ersten ihrer Art, mit der Garagisten damals leicht überfordert waren. Auch sie hätten sich zuerst in die Materie einarbeiten müssen, sagt Matthias Schär. «Die D-Jetronic war 1967 die erste elektronische (druckgesteuerte) Mehrpunkt-Benzineinspritzanlage (Multipointeinspritzung) für Viertakt-Ottomotoren von Bosch», heisst es bei Wikipedia. Sie wurde in nur drei Serienmodellen von VW eingebaut sowie im Porsche 914/4. Die D-Jetronic wurde später durch andere Einspritzsysteme abgelöst.

Darüber hinaus verfügte der Variant über eine hydraulische Kupplung und eine Kugelumlauflenkung, die fast kein Spiel hatte. «Das war Hightech für die damalige Zeit», so Schär. Aber: Die Heizung reichte für den relativ grossen Innenraum nicht aus, also wurde das Modell serienmässig mit einer Standheizung ausgerüstet.

Fast alles ist original

Geschätzte 1000 Arbeitsstunden innert sechs Monaten und Ersatzteile für etwa 8000 Franken steckte Schär in den 411er. «Am Innenraum mussten wir praktisch nichts machen, sauber rausshampoonieren, und damit hat sichs.» Denn als Luxusvariante des Modells verfügte der VW über Stoff-Polstersessel, im Gegensatz zu den üblichen Kunstledersitzen. Nicht mehr original sind die Felgen: Schär baute die Bremsanlage von 4-Loch auf 5-Loch um und montierte Porsche-Felgen, aber auch aus der damaligen Zeit.

Schär ist ab und zu mit dem Wagen unterwegs, sei es auf Ausfahrten mit der Familie im geräumigen Kombi mit viel Platz, sei es zu VW- oder Oldtimertreffen. «Der Wagen fällt schon sehr auf und viele Leute schauen mir nach, wenn ich vorbeifahre», so Schär.

Der 411er ist heute eine Rarität: «Schätzungsweise 12 solcher Fahrzeuge sind noch in der Schweiz eingelöst.» In ein paar Monaten kommt wohl ein weiteres dazu: Ein rotes Modell steht nämlich in der Halle der Schärs, der Motor daneben auf einem Bock. Das nächste Projekt von Vater und Sohn.