Granicum-Bier

Der Sohn braut weiter: Roger Lötscher musste nach dem Tod seines Vaters einen Kaltstart hinlegen

Roger Lötscher führt die Granicum-Brautradition seines verstorbenen Vaters weiter.

Roger Lötscher führt die Granicum-Brautradition seines verstorbenen Vaters weiter.

Wie Roger Lötscher mit dem Grenchner Granicum-Bier in den Fussstapfen seines Vaters zurechtkommt.

Als wir Roger Lötscher in den Gemäuern der Granicum Brauerei in der ehemaligen Molkerei an der Solothurnstrasse treffen, hat er soeben die letzte Charge Bier in die Flaschen abgefüllt, das noch von seinem Vater gebraut wurde. Ein trauriger und zugleich feierlicher Moment.

Toni Lötscher, der Erfinder und Brauer des Granicum, ist am 17. Februar unerwartet früh gestorben. Ein Schock für Roger Lötscher, seine Mutter Lydia, die langjährige Granicum-Mitarbeiterin Rita Christ und für alle, die den Grenchner Gerstensaft aus der Hand des ehemaligen Molkereibetreibers liebgewonnen hatten. Und das sind nicht wenige.

Bier wird gebraut, doch die Bar bleibt noch zu

Ihnen dankt Roger Lötscher für die Treue, die ihm und seinem Team das Weitermachen ermöglicht. Denn inzwischen wird im Braukeller wieder Bier gebraut, wenngleich die kleine Bar im ehemaligen Käsekeller vorerst weiterhin geschlossen bleibt. «Es wäre hier einfach zu eng, um sich vernünftig mit der richtigen Coronadistanz treffen zu können», bedauert Roger Lötscher.

Er musste nach dem unerwarteten Tod seines Vaters einen veritablen Kaltstart hinlegen, und vieles kam anders als geplant. Mit der Coronakrise erst recht. Ursprünglich war geplant, dass der Junior die Firma am 1. Mai von seinem Vater übernimmt und von ihm eingearbeitet wird. Dazu war im vergangenen Dezember auch noch eine GmbH gegründet worden.

Das Braurezept bleibt das gleiche

Dank bezogener Überzeit in seinem bisherigen Job und der Hilfe von Rita Christ und Lydia Lötscher konnte das Team gemäss dem bewährten Braurezept von Toni mehr oder weniger nahtlos weiterfahren. «Wir spürten auch eine grosse Solidarität von befreundeten Brauern und Lieferanten, die ihre Hilfe anboten. In Gärnot wird geholfen, heisst ein Motto in verschworenen Brauerkreisen, dem quasi als einem ungeschriebenen Gesetz nachgelebt wird», erklärt Roger Lötscher. «Das ist einfach Ehrensache.»

Anstossen mit Mitarbeiterin Rita Christ.

Anstossen mit Mitarbeiterin Rita Christ.

Acht Stunden brauen, acht Wochen lagern und (spätestens) innerhalb acht Wochen trinken, so lautet die Faustregel für Frischbiere, zu denen Granicum zu zählen ist. Bereits wurde eine Charge «Blondes» und das neue beliebte «Amber» gebraut, und Lötscher meint, es sei ihm nicht schlecht gelungen – «Auch dank Rita, die nach all den Jahren alles bestens kennt.» Natürlich habe er sich auch ins Thema eingelesen, so gut es ging. «Es gehört Glück im Gärtank dazu. Ich bin noch voll am Lernen.»

Neu gibts Granicum in der 33-cl-Flasche

Denn jetzt, wo die Restaurants wieder offen sind, will Granicum wieder Gas geben und auch neue Ideen umsetzen. Seit kurzem wird das Bier auch in der kleineren 33-cl-Einwegflasche angeboten, mit der man zusätzliche Gastronomie anzusprechen hofft. Ein neu angeschaffter Etikettendrucker soll mithelfen, Sonderwünsche erfüllen zu können, Jubiläumsbiere jeglicher Art etwa oder für besondere Anlässe.

Natürlich geht es mit den charakteristischen Halbliter-Bügelflaschen mit Rücknahme und Pfand weiter. Auch die charakteristischen 8er-Gebinde aus Drahtgeflecht werden beibehalten. Dem von Toni Lötscher verwendeten Slogan «Think global  - drink local» will man weiterhin nach Kräften nachleben.

Und nach Möglichkeit auch weiterwachsen. Vier weitere 1000-Liter-Tanks, die noch von Lötscher senior bestellt wurden, seien eingetroffen und harren des Einbaus. Die jährliche Braumenge von 35'000 Liter möchte Granicum auf 40'000 Liter erhöhen.

Was natürlich aufgrund der Coronakrise heuer kaum möglich sein dürfte, wurden doch alle Grossanlässe wie Mia, Solothurner Biertage, Bettlebier-Fest etc. abgesagt. «Ich hoffe, dass das Grenchner Fest im September irgendwie stattfinden kann. Wir wären bereit.» Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die Coronakrise die Konsumenten für den lokalen Konsum effektiv sensibilisiert.

Sogar manche Solothurner mögen es

Der runde, ausgewogene Geschmack von frischem Granicum wird inzwischen auch über Grenchen hinaus geschätzt – «sogar in Solothurn», wie Lötscher verschmitzt anmerkt. Für einen Event im «Red John» im letzten Jahr war das Grenchner Bier bald ausgetrunken und musste nachgeliefert werden. «Unser Bier ist unverwechselbar, aber nicht zu herb, sodass auch immer ein zweites drinliegt», sagt Roger Lötscher mit einem Augenzwinkern. Es gibt fünf reguläre Sorten: blond, dunkel, Amber, Weizen, «Rauch» sowie saisonale Sorten, z. B. für die Chürbisnacht.

Aus «Bettlebier»-Kreisen wurde zudem eine Granicum-­Fanseite auf Facebook lanciert. Der abgesagte «Bettlebier-Obe» vom kommenden Juni wurde auf den 4. Juni 2021 verschoben. «Ich weiss nicht, ob das Absicht war, aber das ist der Geburtstag meines Vaters», stellt Roger Lötscher dazu gerührt fest.

Hinweis

Zurzeit hat Granicum nur samstags für den Rampenverkauf (Wegbeschreibung auf www.granicum.ch) geöffnet. In Grenchen gibt’s das Bier in folgenden Lokalen: Gärtli, Rössli Pub, Parktheater und Centro.

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