Grenchen

Der «Schwarze Panther» des FC Grenchen war der Ideale Goalkeeper

Der Grenchner Erwin Ballabio (1918–2008) begründete die Liste von erfolgreichen Nationaltorwarten.

Die Schweiz hat in den vergangenen Jahrzehnten nie an einem Mangel an guten Torhütern gelitten: Yann Sommer, Diego Benaglio, Pascal Zuberbühler, Jörg Stiel, Marco Pascolo, Stefan Lehmann, Martin Brunner, Stefan Huber, Karl Engel, Roger Berbig, Erich Burgener. Diese Liste ist bereits lang, aber keinesfalls vollständig. Die genannten Goalies setzten lediglich fort, was bereits im Jahre 1980 schon lange Tradition hatte. Die Schweiz war spätestens seit den 1930er-Jahren wie Deutschland oder wie Italien Jahren ein Goalieland.

In die Fussstapfen legendärer Vorgänger trat auch der im letzten Kriegsjahr 1918 geborene Bettlacher Erwin Balabio, der zeitlebens, bis zum Jahre 1956, für den damals ungemein starken FC Grenchen spielen sollte und von 1939 bis 1947 auch 27-mal für die Nationalmannschaft aufgeboten wurde. Da die Weltmeisterschaftsturniere 1942 und 1946 kriegsbedingt ausfielen, nahm Ballabio an keiner Endrunde teil und ist daher schweizweit nicht so bekannt, wie er es auf Grund seiner Fähigkeiten verdient hätte.

1933 stand er erstmals im Tor

Ursprünglich, als Junior, war Erwin Ballabio Feldspieler beim FC Grenchen. Im Jahre 1933 wurde er während eines Spiels ins Tor gestellt – sein Talent wurde schnell erkannt, und fortan war Ballabio die Nummer eins. Ballabio war nicht nur gut auf der Linie und reflexstark, er beherrschte auch seinen Fünf­meterraum und war eine treue Seele. Den FC Grenchen verliess er bis zum Jahre 1956 trotz lu­krativer Angebote berufsbedingt nur zweimal: Einmal weilte er in Lausanne bei Lausanne Sports, einmal in Thun.

Als überragender Rückhalt seiner Mannschaft gewann Ballabio dreimal die Vizemeisterschaft und erreichte im März 1940 den Cupfinal gegen GC, der leider verloren ging. Als Amateur verdiente der «Schwarze Panther», so sein Übername aufgrund seines stets schwarzen Tenues und seiner schwarzen Haarfarbe, so gut wie nichts. Somit waren Reisen eine Belohnung für den geleisteten Einsatz, beispielsweise nach Katalonien zum FC Barcelona, ein Höhepunkt von Ballabios langer Karriere.

Der legendäre Einsatz gegen Hitlerdeutschland

Wie schon in der Schweiz stand Ballabio auch im Camp Nou seinen Mann. Ängste kannte er keine, höchstens Respekt. So warf er sich furchtlos heransprintenden Stürmern in die Beine. Berühmt war er auch für sein aufmerksames Stellungsspiel. Seine Statur und seine Athletik machten ihn zum idealen Goalkeeper, der auch einen kritischen Experten wie den österreichischen Nationaltrainer Karl Rappan zu überzeugen wusste.

Sein Nationalmannschaftsdebüt gab Erwin Ballabio im Februar 1939 gegen das spielstarke Portugal in Lissabon. Den Match konnte eine starke «Nati» auswärts mit 4:2 für sich entscheiden.

Ein besonders denkwürdiges Spiel war das «Kriegsländerspiel» vom 20.April (Hitlers Geburtstag) 1941 gegen Nazideutschland, das in Bern 2:1 gewonnen werden konnte und der von den Achsenmächten eingekesselten Schweiz etwas Mut und Moral gab. Zudem stand Ballabio auch im Jahre 1946 beim verlorenen Nachkriegsspiel gegen England in London auf dem Platz. Er hielt, was zu halten war. Trotzdem verlor die Schweiz gegen den «Lehrmeister» deutlich mit 1:4.

Auch als Trainer erfolgreich

Im Jahre 1956 beendete Erwin Ballabio seine lange Spielerkarriere nach dem Abstieg des FC Grenchen aus der Nationalliga A, wurde indessen sofort erfolgreicher Trainer seines Stammclubs und führte den FCG sofort in die oberste Liga zurück. Im Jahre 1959 erreichte Grenchen gegen Servette Genf den Cupfinal. Da sich der Grenchner Stammkeeper verletzt hatte, sprang Ballabio für ihn ein – und gewann den Cup sensationellerweise mit 1:0, und das im Alter von 39 Jahren. Ein Jahr später drangen die Grenchner erneut in den Berner Cupfinal vor, mussten sich dem FC Luzern geschlagen geben. Im Jahre 1966 beendete Ballabio seine Trainerkarriere beim FC Grenchen.

Nun wurde der Bettlacher Ressortchef beim Schweizerischen Fussballverband und löste 1967 den unglücklichen Alfredo Foni gar kurzfristig als Nationaltrainer ab. In seine Bilanz fällt der unglaubliche 7:1-Heimsieg gegen Rumänien, der Reporter Godi Baumberger zu Jubelstürmen animierte. Es folgten wenige Siege und viele Niederlagen, und 1970 trat Erwin Ballabio als Nationaltrainer schliesslich entmutigt zurück.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1