«Ganz unger üs

Der neue Grenchner Feierabend-Talk feiert einen gelungenen Start

Kurt Gilomen, Georges Müller, Stefan Hofmänner und Dagobert Cahannes.

Kurt Gilomen, Georges Müller, Stefan Hofmänner und Dagobert Cahannes.

In der Centro-Lounge fand die erste Ausgabe der neuen Grenchner Gesprächsreihe «Ganz unger üs» statt.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Premiere von «Ganz unger üs», dem neuen Grenchner Feierabend-Talk, ist gelungen. Das lag nicht nur am durchweg gut gelaunten Publikum, das oft mit spontanem Applaus Aussagen der beiden Gäste quittierte. Wie die Gastgeber Kurt «Moos» Gilomen und Dagobert Cahannes im Vorfeld des Öfteren betont haben, steht und fällt so ein Anlass mit der Wahl der Gäste. Mit Georges «Schöre» Müller, Mundart-Rocker der ersten Stunde, Gründungsmitglied der Berner Rockband Span und Komponist des «wohl schönsten Schweizer Rocksongs – Louenesee» und Stefan Hofmänner, Sportmoderator beim SRF und Kommentator zahlreicher Sportarten, hatte man eine gute Wahl getroffen.

Der gelungene Einstieg

Sowohl der Musiker als auch der Sportmoderator wussten viel zu erzählen und glänzten mit einer gehörigen Portion Humor. Hofmänner beispielsweise erzählte, wie er zum Schwingsport gekommen war. Der ursprünglich vorgesehene Kommentator für das Unspunnen-Schwingfest heiratete just an diesem Tag – ein Ersatz musste her. «Nehmen wir doch den Hofmänner, der spricht Berndeutsch», hätten seine Chefs gemeint. In der Pause zwischen zwei Gängen sei ein Zusammenschnitt des vorangegangenen Ganges geplant gewesen. Er habe sich jede Paarung aufgeschrieben. «Ich kannte die Schwinger damals nicht wirklich.» Nur fiel 5 Sekunden vor der Live-Schaltung das Schnittmobil aus und Hofmänner war gezwungen, fast eine halbe Stunde einfach zu improvisieren. «Du bisch zwar e guete Kärli, aber vo Schwinge hesch kei Ahnig», so der Kommentar eines WK-Kollegen etwas später.

Auch Schöre Müller verbreitete die Gelassenheit, die man von einem Alt-Rocker erwartet. Ob er auch schon Pannen erlebt habe? Ständig, seine trockene Antwort. Aber er sei Meister des Überspielens, sei es, wenn er den Text vergesse und einfach etwas «nuschle», sei es, wenn irgendetwas nicht klappe. Überhaupt sei das Leben eines Rockmusikers relativ überschaubar. Auf die Frage, wie er als Musiker über die Runden komme, meinte «Schöre», das sei relativ einfach: Man wohne bei der Freundin, fahre das Auto der Freundin, verpflege sich aus dem Kühlschrank der Freundin und mache Musik mit den Kollegen.

Und wie ist das mit Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll? Naja, aufs Alter – er sei schliesslich schon im AHV-Alter – nähmen die beiden Ersteren halt etwas ab. Überdies sei er seit nunmehr 13 Jahren komplett drogen- und alkoholfrei.

Freiraum und ernste Themen

Die beiden Gastgeber, Gilomen und Cahannes, ergänzten sich ausgezeichnet und liessen ihren Gästen den nötigen Freiraum. Auch ernstere Themen wurden angesprochen: Wie gehen die beiden damit um, sehr oft für längere Zeit von Familie und Zuhause getrennt zu sein? Hofmänner, der eine 15-jährige Tochter hat, ist beispielsweise mit dem Ski-Weltcup im Winter ständig auf Achse und zum Teil wochenlang weg. Er habe viel von Bernhard Russi gelernt, meinte Hofmänner, der zusammen mit Marc Berthod die Nachfolge der Schweizer Skilegende, im «Traumduo» Hüppi/Russi übernahm: Russi, selber Vater zweier Kinder aus unterschiedlichen Ehen, habe ihm einmal gesagt: Wenn du zu Hause bist, musst du die Zeit dafür haben, in den Sandkasten zu steigen. Mit anderen Worten: Man muss ganz und gar da sein für seine Familie, dann kann man möglichst viel herausholen.

«Schöre» Müller, mit einem inzwischen erwachsenen Sohn, ist punkto Abwesenheiten weniger «gestresst». Die Konzerte fänden von Donnerstag bis Samstag statt und zu Beginn komme die Frau auch mit, aber irgendwann habe sie auch das gesehen. Er habe kirchlich geheiratet, sei aber zivilrechtlich nicht getraut. «Ein Eheversprechen ist ein Commitment und ich wollte einfach den Segen von oben.» Die beiden berichteten auch über ihren Umgang mit Kritik – «Kritiker sind wie Eunuchen, sie wissen, wie es geht, können es aber nicht tun» – «Schöre». Hofmänner nervte sich über das Bashing durch Journalisten, das für ihn schwer nachvollziehbar sei.

Nach gut eineinhalb Stunden war der Talk, der vom Grenchner Internetradio Blitz live übertragen wurde, vorbei, und das Publikum dankte mit grossem Applaus. In einem Monat gehts in die zweite Runde, mit dem Rock-’n’-Roll-Urgestein Jacky und dem Grenchner Zauberer und Original Orsani.

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