Autostadt Grenchen
Der dicke Brummer aus den 50ern versteckte sich in einer Scheune

Der Grenchner Garagist Christoph Vogelsang restaurierte einen Scheunenfund. Seinen schwarzen BMW 502 würde er nie verkaufen. «Der Wagen soll in der Familie bleiben.»

Andreas Toggweiler
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BMWs von Christoph Vogelsang
7 Bilder
Blick ins Cockpit
Kofferraum
Achtzylinder Motor
Auch der BMW Z1 ist eine Rarität

BMWs von Christoph Vogelsang

Andreas Toggweiler

Als Christoph Vogelsang den Anlasser betätigt, hört man zuerst das typische Geräusch eines startenden Motors. Doch sobald die acht Zylinder unter der geschwungenen Motorhaube befeuert werden, setzt ein tiefes Grollen ein, ein mächtiger, tiefer Ton, der auf einen beträchtlichen Hubraum schliessen lässt. «3,2 Liter, 140 PS», meint Christoph Vogelsang und legt den Gang ein.

Sanft rollt der schwarze BMW 502 mit seiner für die Nachkriegsfahrzeuge typischen runden Karosserieform an und dreht eine Runde auf dem Parkplatz. Dazu ist allerdings etwas Kraft nötig, denn das über 1,4 Tonnen schwere Fahrzeug hat keine Servolenkung und keine Servobremsen.

Erfolgloser «Barockengel»

Die repräsentative Limousine wurde ihrer Form wegen im Volksmund «Barockengel» genannt. Sie wurde von 1952 bis 1963 gebaut und kostete in dieser Version 22'000 DM. «Das Auto war für damalige Verhältnisse sehr teuer und hat BMW an den Rand des Ruins gebracht», meint der Grenchner Garagist (sein Sohn Philipp führt inzwischen das Geschäft in dritter Generation). BMW wurde damals fast vom Konkurrenten Mercedes übernommen, was nur durch die Familie Quandt als Hauptaktionärin und durch standhafte Kleinaktionäre verhindert worden sei.

Erst durch kleinere Modelle wie die Isetta und das 700er-Coupé oder später die neue Mittelklasse BMW 1500 fanden die Bayern zurück auf die Erfolgsstrasse. Vom vergleichsweise monströsen 502 wurden in den sieben Jahren nur gut 23'000 Fahrzeuge gebaut, denn deutsche Nachkriegsfamilien konnten sich solche Extravaganzen noch kaum leisten. Die 502er wurden daher eher als Direktionsfahrzeug und als Einsatz- und Streifenwagen der Polizei bekannt.

Sommerserie

Der Umstand, dass im letzten Jahr in Grenchen das 10 000. Auto eingelöst wurde, veranlasst uns, näher hinzuschauen. Was meinen Politiker zur «Autostadt Grenchen», fragten wir im ersten Teil unserer Sommerserie. Wir wollen einige der besonderen Fahrzeuge vorstellen, die auf Grenchens Strassen unterwegs sind. Heute sind wir bei Christoph Vogelsang mit seinem BMW 502.

Bisher erschienen:

- Der Jaguar SS von Urs Lerch aus dem Jahr 1937.

- Der Fiat 126 von Alex Kaufmann mit Jahrgang 81.

- Der Rolls Royce Phantom von Mathias Mühlemann.

- Der Morgan «Threewheeler» von Daniel Graf.

- Der Tesla 85S von Rudolf Feller.

- Der VW 411 Variant LE von Matthias Schär.

- Der Morgan Classic Plus4 von Thomas Fluri.

Ein Schweizer Landwirt aus der Region gönnte sich aber das Vergnügen. So kam auch Christoph Vogelsang zu dieser Trouvaille, und das war so: «Als ich 1979 in Grenchen unser Haus baute, haute mich ein Handwerker aus Selzach an, den ich vom Militär kannte und fragte mich, ob ich Interesse an einem etwas speziellen BMW hätte. Als Vertreter dieser Marke wurde ich natürlich hellhörig», erzählt Vogelsang.

In einem Heuschober fand er dann unter einer Ladung Stroh dieses Fahrzeug, offenbar vom Vater des Dienstkollegen, und kaufte es ihm ab. «Es war völlig vergraben, doch ich erkannte sofort, was es war.»

Aufwendige Restaurierung

Das Auto war allerdings in einem schlechten Zustand. «Es roch müffelig und die Chromteile waren korrodiert. Aber es fehlte immerhin nichts.» Um die Standschäden zu beheben, war viel Arbeit nötig. «Der Motor wurde total demontiert, restauriert und neu zusammengebaut und auch sonst gabs einiges zu tun.» Zum Glück war alles solide und auch keine Elektronik im Spiel.

Heute ist der BMW 502 Teil von Vogelsangs privater Kollektion und wird auch regelmässig bewegt, zum Beispiel an Hochzeiten. Jedenfalls habe er viel Freude daran und er werde das Fahrzeug auch behalten. Obwohl immer wieder Angebote für einen Kauf kämen (der Oldtimer ist wohl gut 60'000 Franken Wert), schlägt er sie aus. «Der Wagen soll in der Familie bleiben.» Und wer weiss: Wenn Grenchen demnächst das Stadtfest feiert, das im Zeichen der 50er-Jahre steht, dann könnte der 58er-BMW 502 auch mal wieder in der Stadt herumkurven.

Wenn wir schon bei Vogelsangs Sammlung sind: Stolz ist er ebenfalls auf einen BMW Z1. Der Roadster mit Kunststoff-Karosserie wurde nur in einer Kleinserie (8000 Stück) zwischen 1988 und 1991 gebaut und gar nie in die Schweiz importiert. Privat konnte Vogelsang ein Exemplar in Deutschland ergattern, musste das Fahrzeug aber einem eigenen Lärmtest der Schweizer Behörden unterziehen. «Natürlich konnten die nichts daran aussetzen», amüsiert sich Vogelsang. Eine Besonderheit des blauen Roadsters (6 Zylinder, 170 PS) sind Türen, die auf Knopfdruck unter dem Auto verschwinden.