Vor 50 Jahren wurde das Bauernhaus auf dem Bettlachstock gebaut, seit über 25 Jahren steht es leer. Als die Bürgergemeinde 1985 den hübschen, aber wenig rentablen Flecken Grün gegen Staatswald eintauschte und Solothurn das Wald- und Naturschutzgebiet Bettlachstock ins Leben rief, wurde das Gebiet der Natur überlassen. Der Stockweg zum Haus ist nicht einmal mehr mit einem Allradfahrzeug zu überwinden, der Unterhalt wurde vor 12 Jahren endgültig eingestellt.

Seit Längerem will der Kanton das Gebäude abreissen, weil es den Zielen des Gestaltungs- und Pflegeplans entgegensteht. «Mit der Schaffung des kantonalen Schutzreservates wurde entschieden, dass dort eine Ruhezone entstehen soll», erklärt Hans Binz, Leiter der kantonalen Abteilung für Naturschutz. «Das bedeutete auch, dass das Haus nicht mehr ausgebaut wird.» Nur einzelne Gebäudeteile durften noch einige Jahre lang von Landwirten und Forschern genutzt werden. Nun soll der «Stock» dieses Jahr mithilfe der Armee abgerissen werden. 150000 Franken hat der Kanton dafür bewilligt. In diesen Tagen wird das Abbruchgesuch bei der Gemeinde eingereicht.

Drohender Stolperstein Altlasten

Es stand von Anfang an fest, dass das Haus der Natur Platz machen muss. Dass der Abriss eine hohe Priorität hat, hat allerdings noch einen weiteren Grund: In den letzten Jahren soll mehrmals in das mit Brettern verbarrikadierte Haus eingebrochen worden sein, eine Zeit lang soll es sogar illegal bewohnt worden sein. Was für die Eindringlinge gefährlich ist, denn die Mauern sind instabil, die Kamine drohen zusammenzustürzen. Im Schadensfall müsste der Kanton haften.

Ein Meisterstück dürfte der Abtransport des Bruchmaterials werden. Die Zufahrt mit Maschinen und Grossfahrzeugen ist kaum mehr möglich, weshalb der Kanton die Zusammenarbeit mit der Armee gesucht hat. Diese soll im Rahmen einer Übung einen Lufteinsatz vornehmen. Die Verhandlungen will der Kanton im März aufnehmen. Die Armee sieht auf dem Bettlachstock durchaus einen Ausbildungsnutzen für die Angehörigen, wie es auf Anfrage heisst.

Zum Stolperstein für das Gemeinschaftswerk von Kanton und Bund könnte höchstens der im Gebäude verbaute Asbest werden. Damit dies nicht geschieht, soll das belastete Material vorgängig vorschriftsgemäss abgebaut und entsorgt werden, wie Brigitte Marti vom kantonalen Hochbauamt erklärt. Zum Vorgehen werden momentan aber noch keine genaueren Angaben gemacht.

Freie Entfaltung für das Reservat

Die letzten (bekannten) Bewohner des Bettlachstocks waren Emerith und Paul Thalmann, welche dort von 1963 bis 1969 zu Hause waren. Das Leben in im Haus auf rund 1300 Meter über Meer war hart, wie die ehemaligen Pächter vor zwei Jahren im Grenchner Tagblatt berichteten. Wasserquellen gab es nicht, Steinschläge und Probleme mit der veralteten Technik waren beinahe Alltag.

Für Hans Bienz von der Abteilung Naturschutz gibt es heute absolut «keine Notwendigkeit mehr, das Gebäude zu erhalten». Das Naturschutzreservat indes ist der Stolz von Kanton und Gemeinde und wird sich mit dem Abbruch der Liegenschaft noch freier entfalten können. So sagt etwa der abtretende Bürgerammann und Reservatsaufseher Manfred Wyss: «Die Bedeutung unseres Naherholungsgebietes ist den meisten viel zu wenig bewusst. Immerhin gehört das Reservat zu den grössten der Schweiz.» Der Wald wird heute nicht mehr genutzt, die Weiden nicht mehr bewirtschaftet.

Auch dem Bund ist das Gebiet wichtig. So betreibt die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hier seit 17 Jahren Waldforschung, welche Rückschlüsse auf die Auswirkungen von Klimaänderungen und Schadstoffeinträgen auf den Wald zulässt.