Grenchen

Dem neuen Leiter ist eines wichtig: «Eine Musikschule muss sichtbar sein»

Andreas Moser aus Selzach leitet seit vergangenem November die Musikschule Grenchen.

Andreas Moser aus Selzach leitet seit vergangenem November die Musikschule Grenchen.

Seit gut zwei Monaten ist Andreas Moser als neuer Leiter der Grenchner Musikschule im Amt. Er erzählt von seinem Werdegang, seinen Ambitionen und was ihn an der Arbeit in Musikschulen fasziniert.

Andreas Moser ist seit über zwei Jahrzehnten Saxofonlehrer an der Musikschule in Lengnau, daneben dirigiert er die Musikgesellschaft Härkingen und die Jugendmusik Härkingen-Neuendorf. Auch unterrichtet er an einer Primarschule Musik. Seit letzten Sommer ist er als Saxofonlehrer an der Grenchner Musikschule tätig und ist nun auch seit Anfang November deren Leiter.

«Vielfältige Arbeit»

An der Arbeit mit Kindern begeistert ihn Vielerlei. «Es ist beispielsweise spannend, zusammen mit den Kindern Musikprojekte zu erarbeiten, sie zu motivieren und ihr Talent zu fördern», erklärt er. «Man sieht auch die Entwicklung, die die Schülerinnen und Schüler durchmachen und was sie bewegt. Auch schätze ich, dass meine Arbeit so vielfältig ist.»

Schon vor zwanzig Jahren begann sich der gebürtige Grenchner, der am Berner Konservatorium seine Ausbildung in klassischem Saxofon absolvierte und in den Bands Blue Birds (Jazz) sowie dem klassischen Saxofon Quartett Kalea spielt, für das Leiten einer Musikschule zu interessieren. Deswegen bewarb er sich auch mehrmals für einen solchen Posten, aber erfolglos, weswegen er sich daraufhin vor einigen Jahren entschied, noch die Ausbildung zum Musikschulleiter zu absolvieren. «Danach erhielt ich weiter Absagen, nun aber wegen meiner mangelnden Erfahrung.»

Nachfolger von Christa Vogt

Mit der Demission der langjährigen Schulleiterin Christa Vogt konnte Moser sich nun seinen Traum verwirklichen: Einstimmig wurde er vom Lehrerkollegium gewählt. Seine ersten Monate als Musikschulleiter sind gut verlaufen. «Alle Kontakte waren äusserst positiv. Noch kann ich aber nicht viel zu meinem neuen Amt sagen, es wird noch eine Weile dauern, bis ich mich vollends eingearbeitet habe», sagt der in Selzach wohnhafte Moser. Von Vorteil sei, dass er während des Schuljahrs die Leitung habe übernehmen können. «Ich kam entsprechend in ein laufendes Programm hinein, was den Zugang erleichtert.»

Schon lange hier verwurzelt

Moser ist schon lange mit der Grenchner Musikschule verwurzelt. Als Kind besuchte er erst Klarinettenunterricht und wechselte später auf Saxofon und so zum Musiklehrer Werner Steffen, dessen Stelle er im Sommer aufgrund von dessen Pensionierung übernehmen konnte.
«Der Instrumentenwechsel erfolgte nicht ganz freiwillig, er wurde von meinen Eltern gewünscht. Jedoch: Das Saxofon wuchs mir je länger je mehr ans Herz, ich würde es schon lange nicht mehr hergeben.» Nach so kurzer Zeit im neuen Amt sei es auch nicht einfach, über Ambitionen und Ziele zu sprechen. «Diese werden sich mit der Zeit automatisch ergeben. Wichtig ist mir jedoch, einen Grundsatz zu erfüllen, dem sich jede Leitung einer Musikschule anzunehmen hat: Nämlich dafür zu sorgen, dass eine Musikschule in der Gesellschaft sichtbar gemacht wird und sichtbar bleibt.»

Anlässe für das Publikum

Dies könne nicht durch Musizierstunden erreicht werden, da diese nur von Familienmitgliedern besucht würden. Wichtiger seien Anlässe, für ein breiteres Publikum. «Entsprechend sind solche, seit vielen Jahren durchgeführte Aufführungen der Grenchner Musikschule, wie diejenige am Grenchner Weihnachtsmarkt auch so wichtig.» Die Gewinnung neuer Schülerinnen und Schüler sei für jede Musikschule heutzutage sehr herausfordernd und stünde unter dem Zeichen der grossen Veränderungen innerhalb der Gesellschaft, ist Moser überzeugt. «Heute herrscht ein Überangebot für Freizeitbeschäftigungen, auch sind wir viel mobiler als früher. Bereits Kinder und Jugendliche fahren weite Strecken für ihr Hobby.»
Parallelen sieht Moser auch zur Wegewerfgesellschaft: Sei man früher sein Leben lang in einem Verein gewesen, wechsle man heute eine Freizeitbeschäftigung viel häufiger. «Es ist entsprechend schwierig heute, die Jungen, die ein Instrument lernen, zu motivieren dranzubleiben. Es gibt Hobbys, die weniger aufwendig sind. Zum Üben zu Hause sind nicht mehr so viele bereit.»

Blasinstrumente fördern

Moser unterrichtet ein Instrument, das im Moment nicht mehr so viel gelernt wird, im Gegensatz zu vor zwanzig Jahren. «Damals lernten sehr viele Saxofon. Als ich die Ausbildung machte, gab es ein Überangebot an Stellen für Saxofonlehrer. Heute ist es das Gegenteil. Die Stellen sind rar.» Er selbst hat in Grenchen gerade mal drei Saxofonschüler.

«Wenn wir den Grund für diese Abnahme wüssten, hätten wir schon lange etwas unternehmen können. Wir können aber beobachten, dass die Beliebtheit eines Instruments auch von Stars gesteuert wird. Beispielsweise durch das Aufkommen von Gesangshows im TV gab es einen Boom beim Instrument Gesang.» Es sei auch eines seiner Ziele, die Blasinstrumente beliebter zu machen. «Eine Idee, die ich habe, ist, langfristig wenn möglich auch weitere Instrumente wie das Fagott oder das Waldhorn an die Musikschule zu holen. Die Zukunft wird zeigen, ob dies möglich ist.»

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