Grenchen

Das «Zaubertürmli» erstrahlt in neuem Glanz

Das ehemalige Trafohäuschen beim «Forum» an der Dammstrasse in Grenchen ist schon fast bezugsbereit - es fehlen nur noch Details.

Kurt Brunner ist eigentlich kein Träumer. Und doch hat sich einen Traum erfüllt: Das «Zaubertürmli» an der Dammstrasse, das er vor etwas mehr als fünf Jahren erworben hat, ist kaum mehr wiederzuerkennen. Die Fassade erstrahlt in einem dezenten hellgrau, die «Elefantenfüsse», die sich in jeder Ecke des Gebäudes befinden, heben sich mit einem etwas dunkleren Grau ab, die Umgebung ist neu gestaltet, mit Kies und Grünflächen. Statt einer geschlossenen und bodenebenen Blechtüre führen nun zwei abgerundete Stufen hoch zur eleganten Tür aus eloxiertem Alu, mit Klingel und Türkamera. Die obere Stufe ist mit einem Rundblech abgeschlossen, auf dem der Name «Zaubertürmli» prangt.

Vor vier Jahren noch marode

«Das ist wie beim Kauf eines Oldtimers: Man zahlt zwar etwa so viel, wie für einen Neuwagen, erhält aber fürs Geld nicht so viel Gegenwert. Beim Zaubertürmli ist es ähnlich», erklärte Brunner vor vier Jahren gegenüber dieser Zeitung. Damals war das Gebäude in einem desolaten Zustand: Die Dachrinnen waren durchgerostet und zum Teil heruntergefallen, im Innern waren die beiden oberen Stockwerk nur über wacklige Leitern zu erreichen, man musste den Kopf einziehen. Fenster und die Holzkonstruktion im Dach waren zum Teil angefault, die Fassade aussen bröckelte und war versprayt. Die Heizung bestand aus einem alten Holzofen, es gab nur einen Kaltwasseranschluss. Alles in allem ein marodes Gebäude, das den illustren Namen erhalten hatte, weil der Grenchner Zauberer Urs Saner mit Künstlernamen Orsani das Trafohäuschen 1978 zusammen mit dem Zauberring zu einem symbolischen Preis von der Stadt gemietet und renoviert hatte.

Bereits 2010 hatte sich der Unternehmer aus Lohn-Ammannsegg für das ehemalige Trafohäuschen interessiert, das da so vor sich hin moderte. Aber erst 2013 verkaufte ihm die Stadt Grenchen das Gebäude mit der Auflage, er müsse es sanieren. Ein Abriss kam nicht infrage, da es unter kommunalem Schutz steht. Fassade, Fenster und Dach mussten saniert werden, die Baudirektion schätzte die Kosten alleine dafür damals auf rund 70 000 Franken. Über den Verkaufspreis vereinbarten der Käufer und die Stadt Stillschweigen.

Investieren statt Gebühren zahlen

Brunner hatte schon immer die Idee, dass aus dem maroden Gebäude ein Schmuckstück werden soll. Und er investierte viel, um diesen Traum zu verwirklichen. Wie viel, darüber hüllt er sich heute in Schweigen, aber eine Besichtigung des komplett sanierten Gebäudes lässt erahnen, dass es nicht wenig gewesen sein dürfte. «Statt mein Geld auf die Bank zu bringen und noch dafür bezahlen zu müssen, investiere ich es lieber auf diese Art und Weise, erschaffe etwas Schönes und erhalte im Idealfall eine Art von Zinsen in Form der Miete für mein Geld», erklärt der Ästhet mit dem Flair fürs Detail. Denn das ist sein Ziel: die rund 65 Quadratmeter auf drei Stockwerken zu vermieten, an jemanden, der das Zaubertürmli auch zu schätzen weiss.

Das Parterre des dreistöckigen Gebäudes ist etwas höher als ursprünglich infolge der Bodenheizung – deshalb auch die Stufen vor dem Eingang. Der robuste und schmutzresistente Natursteinboden ist draussen wie drinnen identisch. Der Raum wird von einer modernen Küchenkombination dominiert – ohne Griffe. «An den Griffen erkennt man immer das Alter einer Einrichtung, deshalb habe ich ganz auf Griffe verzichtet», sagt Brunner, der die Sanierung in enger Begleitung der Denkmalpflege realisierte, ohne die Hilfe eines Architekten in Anspruch zu nehmen. Im Erdgeschoss befinden sich neben dem Eingang in einem kleinen Nebenraum die Gasheizung und die Waschmaschine sowie ein Gäste-WC, vollelektronisch und geruchsneutral.

Eine neue Treppe führt ins mittlere Geschoss, das mit einem aufwendigen Eichenparkett ausgestattet ist. «Das ist der kleine Schloss-Saal», sagt Brunner schmunzelnd, hier besteht die Möglichkeit, ein Wohnzimmer, ein Büro oder ein Atelier einzurichten. Im Obergeschoss unter dem Dach schliesslich befindet sich ein offenes Schlafzimmer mit Eichenparkett, der Nassbereich mit demselben Boden wie im Eingangsbereich, mit kleiner Badewanne, Lavabo mit seitlichem Korpus, alles topmodern, mit Sensortasten und Touch screen Bedienung. «Ich hatte zuerst die Idee, hier oben eine Telefonkabine hineinzustellen und zur Dusche umzubauen. Aber es gibt halt viele Leute, die Baden gerne – ich zum Beispiel. Drum habe ich mich für eine kleine Badewanne entschieden», sagt Brunner.

Hinter dem Nassbereich befindet sich ein kleiner «Wandschrank»: In der Rundung, die in jedem Stock infolge des Turms über dem Eingang entsteht, will Brunner einen Karussell-Wandschrank einbauen, in dem man sein Zeugs verstauen kann. Denn Stauraum ist rar in diesem Gebäude.

Vermieten, aber an wen?

Mit einem solchen Objekt verhalte es sich, wie mit manchen Frauen, meint der pensionierte Unternehmer. «Sie sind zwar solo, aber nicht aktiv auf der Suche. Sie wollen gefunden werden. Das ist mit dem Zaubertürmli das Gleiche, es will auch gefunden werden.»

Um sein Objekt einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, will er Ende Februar nebst eines «VIP-Abends» mit geladenen Gästen einen Tag der offenen Tür veranstalten. «Das Interesse ist schon sehr gross: immer wieder sprechen mich Leute beim Vorbeigehen an und sagen mir, dass sie es toll finden, dass ich das Häuschen wieder auf Vordermann gebracht habe.»

Tag der offenen Tür: 23. Februar von 10 Uhr bis 14 Uhr an der Dammstrasse beim Forum.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1