«Schon bei der Eröffnung am Morgen um 9 Uhr hatten wir eine ansehnliche Schlange vor der Kasse», schildert Marion Zaugg aus Schnottwil die Situation im Flur des Restaurants Hirschen in Lengnau. Zusammen mit ihrem Mann Michael, der Kassier des Pilzvereins Lengnau ist, bediente sie die Kunden, die zum traditionellen Pilzverkauf erschienen. Manche mit dem Einmachglas, andere mit dem «Milchchesseli» oder mit noch grösseren Gebinden. Zu kaufen gabs ein «Einheitsgericht»: das beliebte Pilzragout nach Rezept des Pilzvereins.
«Es gibt durchaus Kunden, die sich gleich mit 20 Portionen eindecken», erklärt Michael Zaugg anlässlich eines Augenscheins im «Hirschen». 600 Portionen habe man dieses Jahr allein über die Gasse verkauft, erklärte Vereinspräsident Erhard Schlup (Lengnau) danach. 

Vier Uhr morgens am Herd

Der pensionierte ETA-Mitarbeiter präsidiert seit 23 Jahren den Verein mit 60 Mitgliedern, für den jeweils dieser Samstag im Januar «Grosskampftag» ist. Schon vier Uhr morgens stand Schlups Frau Brigitta in der Küche des Restaurants, welche der Verein zu dieser Gelegenheit jeweils benutzen darf. Natürlich sind an diesem Tag an diesem Tag auch im Restaurant Pilzgerichte Trumpf. Rund 15 Vereinsmitglieder sind im Einsatz. In der Küche duftet es herrlich. In den grossen Töpfen köchelt das leckere Pilzragout. 300 kg Pilze wurden an diesem Tag verarbeitet und in die bereitgestellten Milchkannen abgefüllt.

415 kg gesammelt

Die Pilze wurden im Lauf des letzten Jahres gesammelt. «Den letzten Pilz habe ich noch am vergangenen 11. Dezember gefunden», schildert Pilzler Ueli Jenni aus Ins. 415 kg waren es am Ende, die in den «Revieren» des 60-köpfigen Vereins zusammenkamen. Diese befinden sich in der Umgebung von Lengnau, aber auch im Jura oder im Berner Oberland.
Die frischen Pilze werden jeweils unmittelbar nach dem Sammeln gewaschen, gerüstet, blanchiert, vakuumiert und eingefroren. Am Tag des «Pilzvertriebs» wird das ganze weiterverarbeitet zu Pilzragout: mit Bouillon, Gemüse, Mehl und Gewürzen entsteht das köstliche Gericht, für das das Publikum Schlange steht. «Es het, solangs het», hiess es auf der Affiche, und es hat gereicht. «Wir hatten noch etwa eine halbe Milchkanne übrig am Abend», erklärt Erhard Schlup. Am Sonntag habe er sich dann auch noch selbst eine Portion davon gegönnt. «Am Samstag essen wir keine Pilze, denn wir bekommen vom laufenden Probieren schon genug davon», meint Erhard und lacht.

Der Rest wurde eingefroren und für die Anlässe des Vereins wie die GV aufbewahrt. Obwohl der Verein mit 60 Mitgliedern nicht klein ist, seien die meisten Mitglieder «50plus», meint der Vereinspräsident. Eine Verjüngung wäre aus seiner Sicht also durchaus willkommen.