Agility
Das Mädchen und der Streber auf vier Pfoten meistern jede Hürde

Bachtelen-Schülerin Keelya McMahon und ihr Hund Clay holten den Europameistertitel am «Agility Junior European Open». Die 13-Jährige ist mit dem Hundesport aufgewachsen und nimmt seit vier Jahren an Wettkämpfen teil.

Marisa Cordeiro
Merken
Drucken
Teilen
Border Collie Clay springt für Keelya McMahon über (fast) jedes Hindernis.

Border Collie Clay springt für Keelya McMahon über (fast) jedes Hindernis.

Marisa Cordeiro

Welcher Hobbysportler kann von sich schon erzählen, dass im zarten Alter von 13 Jahren bereits die Nationalhymne für ihn erklungen ist? Keelya McMahon aus Selzach kann es. Am 13. Juli dieses Jahres trat die Bachtelen-Schülerin mit ihrem achtjährigen Border Collie «Clay» am «Agility Junior European Open» an, das heuer in der Schweiz, im bernischen Wichtrach stattfand.

Was ist Agility?

Agility (engl. Wendigkeit, Flinkheit) ist eine moderne Hundesportart. Dabei muss ein Hund, geführt vom Hundeführer, die Hindernisse eines Parcours in der vorgegebenen Reihenfolge möglichst schnell und fehlerfrei passieren. Um an den «Agility Junior European Open» teilzunehmen, müssen sich die Teams im jeweiligen Land qualifizieren. Der Hund, die Rasse ist egal, muss mindestens 18 Monate alt sein. (mcb)

Dort holte sie prompt in der Kategorie «Individual, Child, Large» den Europameistertitel. Das sei ihr zunächst nicht bewusst gewesen, erzählt die Wettkampfsiegerin bescheiden, die sich vor allem an die Atmosphäre, die 22 farbigen Landesfahnen und die vielen Zuschauer aus den verschiedensten Nationen erinnert.

Mutter, Frauchen, Trainerin

Privat habe sich seither kaum etwas verändert, sagt die Schülerin weiter, die die Schule für Sprache und Kommunikation im Sonderpädagogischen Zentrum Bachtelen in Grenchen besucht. Trotzdem freue sie sich jeweils sehr, wenn sie im Training oder an anderen Wettkämpfen auf den Sieg angesprochen oder ihr gratuliert werde.

Für ihre Mutter, Katherine McMahon, dagegen, hat ihre Tochter spürbar an Selbstsicherheit zugelegt. Sie sei sehr stolz auf ihre Tochter, sagt sie: «Keelya und Clay sind ein perfektes Team.» Die 44-jährige gebürtige Kanadierin weiss, wovon sie spricht. Sie ist nämlich nicht nur Frauchen und Mutter, sondern auch Trainerin der beiden. Ein Teil des Erfolgs ist somit auch ihr zuzuschreiben.

Während des Wettkampfs sei es ihr vorgekommen, als sitze sie mit den beiden im gleichen Boot: «Man geht durch viele Hochs und Tiefs», beschreibt Katherine McMahon ihre Empfindungen in der Dreifachfunktion. Derweil nennt Keelya einen Vorteil dieses Umstands: «So kann ich beispielsweise jederzeit um Ratschläge fragen.»

Körperhaltung ist entscheidend

Keelya ist mit dem Hundesport aufgewachsen. Sie hat jeweils ihre Mutter begleitet, die im Agility Trainingsstunden anbietet. Ihr Interesse ist so nach und nach gestiegen, bis sie schliesslich auch mit Trainieren angefangen hat. Wettkämpfe bestreitet Keelya aber erst seit vier Jahren. Inzwischen gehört sie aber auch dem «Swiss Agility Junioren Team» an.

Heute trainiert Keelya zweimal wöchentlich zwei Stunden auf den Anlagen der Ballymore-Agility-Schule in Aarwangen, wo ihre Mutter unterrichtet. In einem Training werden einzelne Sequenzen des Parcours wiederholt durchlaufen. So soll für den Hund die beste Linie gefunden werden, damit er bei entsprechender Führung die Hindernisse möglichst fehlerlos und ohne Verweigerungen durchläuft.

Freude über die Pokale.

Freude über die Pokale.

Marisa Cordeiro

«Beim Führer ist die Körperhaltung entscheidend, insbesondere die Stellung der Schultern und Hände», erklärt Katherine McMahon, während Keelya und Clay gerade vorzeigen, wovon sie spricht. Rasant geht es auf dem Parcours zu und her. Schnell wie ein Pfeil passiert Clay den Tunnel, bewältigt elegant ein Hindernis nach dem anderen und durchläuft schliesslich wendig den Slalom.

Es vermag wahrlich zu beeindrucken, wie genau er dabei auf Keelyas Fingerzeige achtet und sie bisweilen sogar fordernd anblickt, wenn für ihn unklar ist, mit welchem Hindernis es auf dem Parcours weitergeht.

«Er schenkt ihr viel mehr Aufmerksamkeit, als ich damals von ihm bekommen habe», bilanziert Katherine McMahon und grinst. Sie scheint es ihm nicht übel zu nehmen. «Clay ist ein Streber», analysiert sie weiter, «und die Konzentration seine Stärke. Im Gegenzug bleibt Keelya selbst in brenzligen Situationen ruhig. Deshalb sind sie zusammen ein zuverlässiges Team.»

Absichten stehen fest

Dass dies so ist, das haben die beiden nicht nur am «Agility Junior European Open» bewiesen, wo sie den Parcours fehlerfrei und mit der besten Zeit absolviert haben, sondern auch am «Master Agility Cup 2013», wo Keelya für ihre Mutter eingesprungen ist, die aufgrund einer Verletzung nicht starten konnte.

Sogar dort, unter den Erwachsenen, erzielte Keelya den 4. Platz im Einzel- und den 1. Platz im Gruppenwettkampf, und auch an der Schweizer Meisterschaft am vergangenen Wochenende schafften es die beiden bis in den Final.

Und wie geht es nun weiter? Das scheint für beide festzustehen: Keelya ist entschlossen, den Europameistertitel nächstes Jahr zu verteidigen. Angesichts des Eifers, den Clay in diesem Training an den Tag legt, dürfte er da kaum etwas dagegen haben.