Gemeinderat Grenchen

Das Gräberfeld wird begehbar

Das Verbot, Grabschmuck direkt auf dem Urnengräberfeld zu deponiere, wurde nicht mehr durchgesetzt.

Das Verbot, Grabschmuck direkt auf dem Urnengräberfeld zu deponiere, wurde nicht mehr durchgesetzt.

Weil sich in Grenchen niemand ans Friedhofs-Reglement hält, wurde dieses nun geändert.

In Grenchen hat es sich in letzter Zeit eingebürgert, dass Friedhofbesucher jederzeit auf dem Urnengräberfeld herumtrampeln, um Blumen, Kerzen oder Gadgets für ihre Verstorbenen deponieren zu können. Weil die Friedhofsgärtner diese Hinterlassenschaften neuerdings wieder wegräumen, wurde im Gemeinderat ein Vorstoss eingereicht, welcher freien Zugang aufs Gräberfeld forderte, dies «während der Vegetationsruhe» und an Feiertagen.

Eigentlich wäre für die Objekte der Grabbesucher die Gedenkmauer mit den Namensinschriften vorgesehen, doch daran hat sich in letzter Zeit kaum mehr jemand gehalten. Das Feuer war im Dach, als die Friedhofgärtner im vergangenen Jahr mittels einer Hinweistafel auf das geltende Friedhofregelement aufmerksam machten und das Verbot der Blumenablage durchsetzten, bzw. das Gräberfeld freiräumten. Es wurde dabei auf das Friedhofreglement von 2017 verwiesen. Der Shitstorm auf Social Media war damit programmiert, die Politik ortete Handlungsbedarf und überwies im vergangenen April ein Postulat von Nicole Hirt (GLP).

Kompromisslösung

Der Gemeinderat hat sich nun für eine Kompromisslösung entschieden, indem das Gräberfeld nur an «offiziellen Feiertagen inkl. den dazugehörigen Wochenenden» für die Niederlegung von Blumen, Grablichtern und Kerzen benutzt werden darf.

Stadtschreiberin Luzia Meister erinnerte daran, dass das Verbot, Blumen und Grabschmuck auf dem Urnenfeld anzulegen, schon seit 2001 besteht und keineswegs auf die Reglementsrevision von 2017 zurückzuführen sei. Nur sei die Regelung, wohl auch wegen der personellen Wechsel, kaum mehr durchgesetzt worden. Das Gemeinschaftsgrab habe den Charakter einer anonymen Bestattungsstätte, bei der die Grabpflege durch die Angehörigen entfällt. Diese Bestattungsform erfreue sich zunehmender Beliebtheit, indem bereits etwa die Hälfte der Bestattungen auf dem Urnengräberfeld erfolgen.

Viele Bestattungsformen

Anderseits habe es noch nie so viele Möglichkeiten zur Bestattung gegeben wie heute. «Personen, welche Grabformen verkaufen, sollen den Ort für die Blumenablage mit den Angehörigen vorgängig besichtigen und auf die geltenden Bestimmungen des Gräber- und Grabmalreglements für den Friedhof Tannhof aufmerksam machen», schreibt auch die Baudirektion in der Vorlage zur erneut initiierten Reglementsänderung.

Andernorts hält man sich daran

Stadtpräsident François Scheidegger machte ebenfalls darauf aufmerksam, dass das Urnengräberfeld «nicht mehr im Sinne des Erfinders» genutzt wird. «Ob sich die Leute dabei bewusst sind, dass sie auf den Urnen der anderen Verstorbenen herummarschieren?» Andernorts, beispielsweise in Basel, werde die Integrität des Urnengräberfeldes noch respektiert, berichtete Gemeinderat Daniel Hafner (SP) aus eigener Erfahrung.

Der Gemeinderat entschied sich in der Folge nicht für den Vorschlag der Postulantin, das Urnenfeld «während der Vegetationsruhe und an Feiertagen» zu öffnen. «Vegetationsruhe ist ein zu vager Begriff», meinte Stadtbaumeister Aquil Briggen. Um ein würdiges Erscheinungsbild des Gräberfelds zu gewährleisten, müssten die Angestellten klarere Kriterien haben.

Etwa nur zu faul?

Diese seien vielleicht trotz 300 Stellenprozenten nur zu faul, um die Dinge wegzuräumen, lautete hingegen sinngemäss Ivo von Bürens (SVP) Analyse des Problems – wogegen sich der Stadtpräsident allerdings verwahrte.

Blieb noch die Frage, welche Feiertage in die Liste aufgenommen werden sollen. Etwa auch der 1. August und der 1. Mai? Wenn es nach der Postulantin geht, ja. Plus 24. Dezember und Ostermontag. Die Änderung des Friedhof- und Grabmalreglementes für den Friedhof Tannhof wurde in der Folge einstimmig überwiesen.

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