Grenchen
Das Erste-Hilfe-System ist für jedermann zugänglich

Die Firma Genie Swiss AG am Höhenweg in Grenchen hat neben dem Eingang ein intelligentes Notfallmanagement-System montiert.

Oliver Menge
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Jean-Pierre Jordi (links) und Patrick Saladin.

Jean-Pierre Jordi (links) und Patrick Saladin.

Oliver Menge

Defibrillatoren sind an verschiedenen Orten in der Stadt zu finden. Ein solches Gerät hängt zum Beispiel beim Stadtdach auf dem Marktplatz und soll jedem Ersthelfer zur Verfügung stehen, falls jemand einen Herzinfarkt, Herzstillstand oder ähnlich erleidet.

Patrick Saladin, Inhaber der Firma Genie Swiss AG am Höhenweg geht noch einen wesentlichen Schritt weiter: Seit einigen Tagen hängt neben dem Firmeneingang ein für jedermann zugänglicher grüner Kasten, in dem sich ein intelligentes Notfallmanagement-System der Firma Lifetec befindet. Der Kasten ist deutlich als Notfallkasten gekennzeichnet. Öffnet man ihn, ertönt ein Alarmton und eine LED-Beleuchtung beginnt zu blinken. Im Kasten befindet sich ein gelber Notfallkoffer. Darin, nebst einem Defibrillator auch ein Erste-Hilfe-Set mit Verbandsstoff, Scheren sowie eine Kompressionskontrolle und eine Beatmungsmaske, die für die Wiederbelebung bei Herzmassage verwendet werden können.

Direkte Verbindung zur Alarmzentrale

Das Spezielle an diesem System: Sobald der Koffer geöffnet wird, stellt er eine Verbindung über die Nummer 144 zur Alarmzentrale in Solothurn her, wo eine Fachperson – in der Regel eine Rettungssanitäterin oder ein Rettungssanitäter – den Anruf entgegennimmt und mit dem Ersthelfer, die den Koffer geöffnet hat, über einen eingebauten Lautsprecher sprechen, Informationen erhalten und ihr Anweisungen erteilen kann. Über GPS, das automatisch aktiviert wird, kann der Standort des Koffers jederzeit ermittelt werden und die Rettungskräfte finden so schnell zum Einsatzort.

Ausserdem erhalten die Sicherheitsverantwortlichen bereits beim Öffnen des Kastens ein SMS. Kasten und Koffer werden ausserdem rund um die Uhr von der Herstellerfirma fernüberwacht, die ebenfalls bei jeder Aktivierung informiert wird. Im Preis inbegriffen ist die Wartung der Geräte, die eingebauten Batterien haben eine Lebensdauer von vier Jahren.

Der Defibrillator ist auch für den Gebrauch durch Laien ausgelegt und gibt genaue Anweisungen, welche Schritte man unternehmen muss bei einer Wiederbelebung. «Nicht alle Notfälle sind Herz-Notfälle», erklärt Jean-Pierre Jordi, Geschäftsführer der Firma Lifetec, die eine Reihe solcher Geräte entwickelt hat. «Bei einem Hirnschlag oder einem Unfall, sei es in einem Betrieb oder auf der Strasse, nützt ein Defibrillator alleine wenig. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, intelligente Notfallmanagement-Systeme zu entwickeln und sie flächendeckend zu verbreiten». Lifetec verfügt über eigene Spezialisten, Sanitäter, Ärzte und Intensivmediziner, mit denen sie eng zusammenarbeiten und die auch Schulungen in Betrieben und Firmen durchführen, welche so ein Gerät anschaffen.

Jedermann ist zu Erster Hilfe verpflichtet

«Wir sind begeistert von den Erste-Hilfe-Systemen der Firma Lifetec. Am meisten hat uns die direkte Verbindung zur Notrufzentrale 144 überzeugt. Dadurch nimmt man Ersthelfern die Angst, überhaupt einen Defibrillator einzusetzen», sagt Patrick Saladin. «Jeder muss sich fragen, was tue ich im Notfall, und jeder muss sich bewusst sein, dass er zur Ersten Hilfe verpflichtet ist.»

Indem der Ersthelfer direkt mit der Notrufzentrale verbunden werde, sobald er das Erste-Hilfe-System aus der Halterung genommen hat, sei der Kontakt zu einer Fachperson bei 144 garantiert. «Ich bin nicht mehr alleine gelassen in einer schwierigen Notfallsituation.» Zudem: Die Statistiken von Herznotfällen sprächen für sich, so Saladin weiter: «Wir wollen mit der Anschaffung eines Erste-Hilfe-Systems für den Aussenbereich einen hilfreichen Beitrag für die Bevölkerung leisten. Jeder, der zu einem Notfall stösst, kann das Gerät sofort bedienen.»

Aber mit dem System alleine sei es noch nicht getan, sagt Saladin. «Alle unsere Mitarbeitenden werden nach der Coronakrise von der Fa. Lifetec geschult. Ich war erstaunt, dass eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz belegt, dass 80 Prozent der Gemeinden und 60 Prozent der KMU nicht über ausreichende Notfallkonzepte verfügen. Das muss dringend geändert werden und wir hoffen, dass wir mit gutem Beispiel vorangehen.»