Tradition

Coronadiskussion ums Weihnachtsessen der Gemeinde Bettlach

Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut, der zurückgetretene CVP-Gemeinderat Enrico Sansoni und Alt-Gemeindepräsident Hans Kübli hatten vor zwei Jahren noch gut lachen ...

Weihnachtsessen Bettlach 2018

Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut, der zurückgetretene CVP-Gemeinderat Enrico Sansoni und Alt-Gemeindepräsident Hans Kübli hatten vor zwei Jahren noch gut lachen ...

Der Bettlacher Gemeinderat diskutierte das Für und Wider der Tradition in aktueller Zeit und genehmigte einige Nachtragskredite.

Der Bettlacher Gemeinderat war an seiner letzten Sitzung schnell unterwegs. Ob es an den Geschäften lag, bei denen es fast einhellig Zustimmung gab oder daran, dass man angesichts der Gemeindeversammlung tags darauf nicht unnötig verlängern wollte, bleibt dahingestellt. Am meisten zu reden gab schliesslich ein Thema, das Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut erst unter «Verschiedenes» zur Sprache brachte, nämlich, ob man das traditionelle Weihnachtsessen der Gemeinde, zu dem die Verwaltungsangestellten, die politischen Behörden sowie pensionierte ehemalige Mitarbeitende der Gemeinde eingeladen werden, unter den aktuellen «Coronavoraussetzungen» durchführen oder absagen soll. Die Gemeindepräsidentin wollte «den Puls des Gemeinderats fühlen», wie sie sagte.

CVP-Gemeinderat Thomas Fessler meinte, im Dezember sei die Ausgangslage höchstwahrscheinlich nicht anders als jetzt. Und die kenne man ja schliesslich. Die Gemeinde habe als öffentliches Organ eine Vorbildfunktion und daher müsse man auf einen solchen Anlass verzichten. Das Weihnachtsessen – vorgesehen war, es im Sähli des Restaurant Marti durchzuführen – könne durchaus stattfinden, meinte hingegen FDP-Gemeinderat André von Arb. Anlässe könnten unter geeigneten Umständen wieder stattfinden und man müsse als Gemeinde ein Zeichen setzen. Die Gemeinde solle sich nach einer geeigneteren Lokalität umsehen, die genügend Platz biete, um die Abstandsregeln einzuhalten.

Dem widersprach SVP-Gemeinderat Leonz Walker: Die Gemeinde setze im Gegenteil ein falsches Zeichen und nehme ihre Vorbildfunktion nicht wahr, wenn man den Anlass durchführe. Das sei gegenüber den Bürgern, die selber viele Einschränkungen hinnehmen müssten, nicht sauber. "Wir müssen uns dem Diktat fügen", so Walker. SVP-Gemeinderat Patrick Gfeller gab zu bedenken, dass gerade mit den Pensionierten eine Risikogruppe unnötig gefährdet werde, man müsse das Weihnachtsessen absagen.

FDP-Gemeinderat André Baumgartner gab sich zuversichtlich: Man wisse nicht, was im Dezember sei und er selber habe keine Angst vor dem Virus. Schliesslich handle es sich um Leute aus «unserer Gegend und unserem Umfeld».

Heinz Randegger schliesslich widersprach seinem Parteikollegen: Natürlich habe die Gastronomie gelitten und könnte sich mit den Weihnachtsessen etwas Erleichterung verschaffen. Aber überall würden Firmenanlässe wegen Covid-19 gestrichen. Die Gemeinde müsse ein Zeichen setzen und ebenfalls in den sauren Apfel beissen. Es sei vernünftiger, das Weihnachtsessen abzusagen.

Die definitive Entscheidung wird die Gemeindepräsidentin demnächst fällen müssen.

Zwei Nachtragskredite zum Budget 2020

Der Fussgängersteg an der Flurstrasse ist in desolatem Zustand. Die Fundamente auf beiden Seiten sind unterspült, das Geländer entspricht nicht mehr der gesetzlichen Norm. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Brücke in einem schlechteren Zustand befindet, als ursprünglich angenommen. 2019 hatte der Rat einen Kredit von 50000 Franken bewilligt, um eine Sanierung oder einen Komplettersatz zu realisieren. Eine Sanierung würde laut Expertise auf rund 70000 Fr. zu stehen kommen und wird als zu teuer erachtet. Bleibt der Komplettersatz. Wie Philipp Buxtorf, Bauverwalter a.i. ausführte, gebe es die Varianten Holz, Metall und Beton. Aber bei allen Varianten sei schon jetzt klar, dass der budgetierte Betrag nicht reicht, weshalb die Bau- und Infrastrukturkommission einen Nachtragskredit von 45000 Franken beantrage. Leonz Walker von der SVP war sichtlich geschockt: 95000Franken für eine 10 Meter lange Brücke? Das könne einfach nicht sein. Er schlug vor, alternative Offerten einzuholen. Der Rat stimmte dem Nachtragskredit aber mit 8 Stimmen bei zwei Enthaltungen zu.

Entwässerung wird nachgebessert

Ein weiterer Nachtragskredit betraf den Einbau einer neuen Tragdeckschicht an der Friedhofstrasse Ost, für den 110'000 Franken bewilligt worden waren. Nun haben aber Anstösser bemängelt, dass die Entwässerung der Strasse schlecht funktioniert und Flurschäden die Folge sind. Der Gemeinderat bewilligte einstimmig einen Nachtragskredit von 35'000 Franken, um das Problem zu beheben und die Entwässerung nachzubessern.

Ebenfalls einstimmig genehmigte der Gemeinderat die öffentliche Planauflage des Schutzzonenplans für die Grundwasserfassung Erlimoos mit dem Schutzzonenreglement und den dazugehörenden Berichten. Die Dokumente und Pläne werden ab 1.Oktober für 30 Tage aufgelegt und sollen, sollten keine Einsprachen eingehen, danach dem Regierungsrat zur Genehmigung unterbreitet werden.

Weiter hat der Rat einstimmig beschlossen, dass die Gemeinde ihren Angestellten für das Jahr 2021 den effektiven Teuerungsausgleich nach dem November-Index 2020 gewährt werden soll. Eine allfällige Teuerung wird nur dann ausgeglichen, sofern diese die bereits ausgeglichene Teuerung um 0,5 Punkte übersteigt. Fällt sie hingegen tiefer aus, verzichtet man auf eine Kürzung der Löhne und Entschädigungen.

Weiter genehmigte der Gemeinderat die Termine für die kommunalen Erneuerungswahlen 2021 und wählte Fabienne Düggeli als neues Mitglied der Betriebskommission Kindertagesstätte Delfin für den Rest der Amtsperiode 2017–2021. Sie folgt auf Gabriela Mathys, die per 31.Juli 2020 demissioniert hat.

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