Lengnau

Bis zu 1 Million Liter Heizöl sparen: Neue Heizzentrale soll effizienter und ökologischer sein

Beim Bahnhof sind schon Leitungen im Bau.

Beim Bahnhof sind schon Leitungen im Bau.

In Lengnau wird am Freitag mit dem Bau der Fernwärmezentrale begonnen.

Der Wärmeverbund «WärmeLengnau» startet am 31. Januar 2020 mit den Bauarbeiten für die Wärmezentrale an der Industriestrasse 24. Zwei Holzkessel mit einer Leistung von total 3600 Kilowatt (kW) werden ab der Heizsaison 2020/21 CO2-neutrale Wärmeenergie, produziert aus lokalen Holzschnitzeln sowie aus Produktionsabwärme, liefern.

WärmeLengnau ist ein gemeinsames Projekt der Einwohner- und Burgergemeinde Lengnau. Die Leitidee ist, dass eine grosse Heizzentrale effizienter und ökologischer ist, als viele einzelne Heizsysteme. Der Aus-stoss von Schadstoffen sinkt, die Umwelt profitiert.

Der Leitungsbau hat schon begonnen

Nach einer 2014 begonnenen intensiven Projektierungsphase, erfolgt heute der Spatenstich zum Bau der Wärmezentrale. Der bereits im Herbst 2019 begonnene Leitungsbau schreitet gemäss einer Mitteilung zügig voran. In einer ersten Etappe wird das Leitungsnetz von der Industriezone über das Gebiet beim Bahnhof bis hin zum Gemeindehaus sowie bis zum Kleinfeldschulhaus realisiert. Ab Oktober 2020 können angrenzende Liegenschaften mit Wärme versorgt werden. Erweitert wird das Leitungsnetz in den nächsten zwei Jahren via Nerbenstrasse Richtung Dorfschulhaus.

Imposanter Bau grösstenteils aus Holz

In einer zweiten Etappe werden die Wärmeleitungen vom Kleinfeldschulhaus Richtung Rolliweg bis in den Eichholzweg weitergeführt. Ebenfalls ist ein Leitungsstrang von der Industriezone Richtung Rado geplant. Die detaillierten Leitungsführungen und weitere Ausbauetappen seien massgeblich von den Zusagen interessierter Kunden abhängig, heisst es weiter. Der Bau des Versorgungsnetzes erfolgt nach Möglichkeit in Abstimmung mit den Strassen- sowie Leitungssanierungen der Gemeinde. Entsprechend können Synergien genutzt werden.

Das Gebäude der Wärmezentrale ist als schlichter Industriebau gehalten. Die Dimensionen sind aber beträchtlich. Sie betragen: 40 Meter Länge, 20 Meter Breite und 10 Meter Höhe. Die Heizzentrale verfüge über modernste Technik mit hohem Wirkungsgrad. Sie umfasst einen Technik- und Heizraum mit Platz für zwei Holzheizkessel sowie für zwei Wärmespeicher mit einem Volumen von je 42 m3. Sie verfügt über einen Elektrofilter zur Einhaltung der Feinstaubgrenzwerte.

Die Holzschnitzelsilos werden zur Strasse hin gebaut. Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, werde so wenig Beton wie möglich verbaut. Entsprechend seien einzig die Schnitzelsilos aus Sichtbeton. Der gesamte Technik- und Heizraum ist eine Holzkonstruktion.

Die Grösse der Gebäudehülle ist auf den Betrieb des voll ausgebauten Wärmenetzes in Lengnau ausgerichtet. Vorerst verzichtet man auf den Einbau des zweiten Kessels. Ebenfalls werden für den jetzigen Betrieb nur zwei der drei Silos ausgebaut. Bei höherem Wärmebedarf und Ausbau des Netzes sei eine Erweiterung problemlos möglich.

Geplante Bauetappen des Fernwärmenetzes in Lengnau

Geplante Bauetappen des Fernwärmenetzes in Lengnau

Holz aus dem einheimischen Wald

Verbrannt werden Holzschnitzel, welche vorwiegend aus den Wäldern von Lengnau und Umgebung stammen. «Die Nutzung von Holz aus dem heimischen Wald sichert die bestehenden Arbeitsplätze und stärkt die lokale Volkswirtschaft», schreibt der Wärmeverbund. Denn bei der Holzenergie lösen die investierten Mittel eine hohe regionale Wertschöpfung aus. Bei fossilen Brennstoffen fliessen die Gelder weitgehend ins Ausland.

Der Brennstoffbedarf beträgt bis zu 15'000 m3 Holzschnitzel pro Jahr. «Bei Vollausbau können mit der Heizzentrale bis zu 1'000'000 Liter Heizöl oder 2650 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden», rechnet der Wärmeverbund vor. 45 öffentliche und private Liegenschaften haben per heute einen Vertrag für einen zukünftigen Wärmebezug abgeschlossen.

Die produzierte Wärmeenergie wird über einen Wärmetauscher und eine Wärmepumpe auf die benötigte Temperatur von 65 bis 90 Grad Celsius gebracht und über ein gut isoliertes Leitungsnetz zu den Kunden transportiert. Die Wärmeenergie wird dort wiederum über einen Wärmetauscher direkt an die Heizungsinstallation übergeben. «Der Platzbedarf bei den Kunden ist gering und das System sehr wartungsarm», heisst es.

Zusammenarbeit mit CSL Behring Lengnau AG

Eine Besonderheit des Projektes ist die Nutzung von Abwärme der CSL Behring Lengnau AG. Die bei Produktionsprozessen entstehende Wärme wird dem Verbund zugeführt. Die dabei geschaffenen Synergien führen dazu, dass in den Sommermonaten teilweise nur mit Abwärme geheizt wird. WärmeLengnau habe zudem die Möglichkeit, im Notfall auf die Gasversorgung der CSL Behring Lengnau AG als Redundanz (bei Ausfall eines Holzkessels) und zur Deckung der Spitzenlast zurückgreifen zu können. (mgt/at.)

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