Das kantonale Durchgangszentrum für Flüchtlinge im ehemaligen unterirdischen Spital beim «Sunnepark» wird Ende November geschlossen. Zurzeit werden die letzten Flüchtlinge auf die Gemeinden verteilt. Obwohl mitten in einem Wohnquartier, hat das Zentrum kaum nennenswerte Probleme verursacht.

Die Einrichtung eines Durchgangszentrums für bis zu 100 Männer hatte allerdings anlässlich der Bekanntmachung durch den Kanton anfangs Januar hohe Wellen geworfen. Die Bevölkerung fühlte sich überrumpelt und machte ihrem Ärger Luft. Es gab aber auch Leute, welche spontan ihre Hilfe angeboten haben.

Um Berührungsängste abzubauen, wurde ein Besuchstag für die Bevölkerung organisiert und eine Hotline eingerichtet. Zudem wurde eine Begleitgruppe mit Vetretern der Nachbarschaft, des Sozialamts, der Polizei und des Alterszentrums Sunnepark eingesetzt, welche sich mehrmals zu Besprechnungen getroffen hat.

Kürzlich fand die letzte Sitzung statt. Der Kanton hatte der Stadt kommuniziert, dass das kantonale Durchgangszentrum per Ende November geschlossen wird.

Die Stadtpolizei spricht von «wenig Problemen»

Hugo Kohler, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei, zieht seitens der Stadtpolizei eine positive Bilanz. Es habe kaum nennenswerte Probleme im Zusammenhang mit dem Durchgangszentrum gegeben, erklärt Kohler, der die Polizei in der Begleitgruppe vertrat. «Am Anfang haben sich allerdings Quartierbewohner beschwert, weil die Asylbewerber vor der Unterkunft nachts laute Telefongespräche geführt haben.

Dies offenbar zu recht. «Die Installation eines WLAN hat dieses Problem dann rasch gelöst», so Kohler. Ansonsten habe es nur sehr wenig Einsätze im Zusammenhang mit dem Durchgangszentrum gegeben. Einmal musste die Polizei bei einem Streit innerhalb der unterirdischen Anlage eingreifen. Die Polizei habe in und um die Unterkunft mehr Präsenz markiert, dies habe man allerdings innerhalb der normalen Patrouillentätigkeit ohne zusätzliches Personal auffangen können.

«Man könnte fast von einer Erfolgsgeschichte sprechen, wenn man bedenkt, dass hier zeitweise an die 100 junge Männer untergebracht waren.», meint Hugo Kohler.

Auch Peter Trachsel, Geschäftsführer des angrenzenden Alterszentrums Sunnepark, zieht eine positive Bilanz. «Es ist nie etwas Ausserordentliches passiert, das uns beunruhigt hätte», meint Trachsel auf Anfrage.

Die Anlage sei gut geführt gewesen und die Immissionen hätten sich in Grenzen gehalten. Auch die Kontaktgruppe habe sich bewährt und die Flüchtlinge hätten sich an die Auflagen gehalten (die «Sunnepark»-Liegenschaft war für sie tabu).

Stadt muss jetzt wieder mehr Flüchtlinge aufnehmen

Kurt Boner, Chef der Sozialen Dienste Oberer Leberberg SDOL, nimmt die Schliessung mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. «Zwar freue ich mich auch, dass es mit dem Betrieb gut geklappt hat.» Dies hänge wohl auch damit zusammen, dass es sich beim unterirdischen Spital um eine für die Verhältnisse grosszügige Anlage handle, die erst noch nur teilweise belegt wurde. Probleme tauchen oft auf, wenn zu viele Menschen auf engem Raum untergebracht werden.

«Für die Stadt Grenchen bedeutet die Schliessung allerdings auch, dass wir wieder mehr zugewiesene Flüchtlinge unterbringen müssen», gibt Boner zu bedenken. Die Hälfte der Plätze des Unterkunft konnte vom Soll bei der Zuweisung nämlich abgezogen werden. «So gesehen ist die Situation jetzt herausfordernder als vorher, denn wir müssen zusätzlichen Wohnraum beschaffen», meint Boner. Die Suche nach geeigneten Liegenschaften gestalte sich nicht einfach.

Markanter Rückgang und entspannte Situation

Mit dem Rückgang des Flüchtlingsansturms wurde allerdings auch diese Zuweisungsquote reduziert. Laut David Kummer vom kantonalen Amt für soziale Sicherheit werden dem Kanton zurzeit noch etwa zehn Flüchtlinge pro Woche vom Bund zugewiesen. «Vor einem Jahr waren wir bei 40 bis 50 Personen», ruft Kummer in Erinnerung. Die Situation habe sich somit spürbar entspannt. In Grenchen war die Unterkunft laut Kummer vor allem im ersten Halbjahr 2016 stark belegt, zeitweise (so Mitte März) bis zu 97 Prozent.

Durchschnittlich sei die Unterkunft bis Ende Juli etwa 80 Prozent ausgelastet gewesen. Die Aufenthaltsdauer in einem kantonalen Durchgangszentrum betrug im Durchschnitt vier bis fünf Monate. Die Sollzahl der dem Kanton zugewiesenen Asylbewerber wurde in Lauf des Jahres von 1200 auf 900 reduziert. Diese Zahl wird womöglich nicht mal ganz erreicht. «Zurzeit liegen wir bei 792 Personen, wovon 740 schon an die Gemeinden verteilt sind», bilanziert David Kummer.

Unterkunft bleibt «strategische Reserve»

In Grenchen waren letzte Woche noch 32 Männer einquartiert. Nach zwei weiteren Transfers soll diese Zahl bis zur Schliessung auf Null reduziert werden. Ende Monat wird übrigens auch die Unterkunft in Olten geschlossen.

Wie es weitergeht, kann Kummer naturgemäss nicht sagen. «Das hängt stark von der internationalen Lage ab.» Die Unterkunft Grenchen werde jedenfalls in der strategischen Reserve behalten. Bei einer nächsten Flüchtlingswelle strebe man an, nur noch zwei bis drei kantonale Zentren betreiben zu müssen.

Das sei insofern realistisch als das neue Asylgesetz die Flüchtlinge länger in der Verantwortung des Bundes behält. Dieser plant beispielsweise im Schachen Deitingen den Bau eines nationalen Ausreisezentrums.