Grenchen

Bieter-Verfahren wird kosten, doch wie viel ist offen

Kabelanschluss: Wie viel wird der Bieterkampf um Übertragungsrechte am Ende die Konsumenten kosten?

Kabelanschluss: Wie viel wird der Bieterkampf um Übertragungsrechte am Ende die Konsumenten kosten?

Die Kabelbetreiber der Region bewerben sich um millionenteure Sportübertragungsrechte.

Die Glasfaserkabelnetz-Branche plant, der Swisscom die Übertragungsrechte für Live-Sport-Events abzujagen. Ende April gab der Branchenverband bekannt, dass die 200 in Suissedigital zusammengeschlossenen Unternehmen nächstes Jahr bei diesem Millionenpoker mitmachen werden.

Die Versteigerung von Live-Übertragungsrechten für Eishockey- und Fussballspiele während fünf Jahren wird nach einem noch unbekannten Verfahren nächstes Jahr über die Bühne gehen.

Vor vier Jahren konnte die Swisscom-Tochter-Teleclub die Exklusivrechte erwerben und der Mutterfirma damit gewaltig Schub auf dem heftig umkämpften Markt für Multimedia-Signale und Telefonie verschaffen. Laut unbestätigten Medienberichten hat die Swisscom damals 140 Millionen für den Deal gezahlt.

Teil eines grossen Verbunds

Was hat das Ganze mit Grenchen zu tun? Die Gemeinschaftsantenne Grenchen GAG ist Mitglied der Bieler Quickline-Gruppe, die inzwischen 25 Partner-Gemeinschaftsantennen in der ganzen Schweiz umfasst und damit hinter upc Cablecom der zweitgrösste Anbieter in der Kabellandschaft Schweiz ist. Und Quickline ist wiederum Mitglied beim Bieter Suissedigital.

Würde das somit bedeuten, dass die GAG – zusammen natürlich mit vielen andern – Geld lockermachen müsste für die Finanzierung des Bieterwettbewerbs um die begehrten Sportübertragungen? – «So weit sind wir noch nicht», sagt GAG-Chef Kurt M. Hohler. Auch wenn er dieses Szenario im Prinzip bestätigt.

Geld hätte die GAG jedenfalls einiges auf der hohen Kante: Der Reingewinn betrug letztes Jahr 635'000 Franken, der Bilanzgewinn 1,8 Millionen. Die Generalversammlung im April konnte unter den fünf Aktionärsgemeinden zudem Dividenden von 150'000 Fr. verteilen (vgl. Kasten).

GAG unterstützt den Schritt

Hohler betont, dass die GAG als kleiner Player keinen direkten Einfluss auf den Deal nehmen könne. «Der Erwerb von Sportrechten ist aber ganz in unserem Sinn, denn wir möchten für unsere Kunden ein möglichst umfassendes und attraktives Programm anbieten können», betont Hohler. Die GAG stehe deshalb hinter dem Schritt von Quickline bzw. Suissedigital. Die GAG bzw. Quickline sei auch technisch in der Lage, mit den heutigen Bezahlfernseh-Lösungen den Konsum der neuen Angebote abzurechnen.

Die als Gegengewicht zur Swisscom gegründete Suissedigital sieht gute Chancen, diesmal gegen die halbstaatliche Swisscom zu gewinnen, die vor vier Jahren die SRG zusammen mit Suissedigital ausgestochen hatte. Ein selbstbewusster Quickline-Chef Nicolas Perrenoud sagte gegenüber dem Branchenportal Kleinreport: «Zusammen erreichen wir rund 2,5 Millionen Haushalte in der Schweiz, Swisscom hingegen nur rund 1,3.» Auch sei man «absolut konkurrenzfähig im finanziellen Bereich», um die Mietbieter um die Rechte auszustechen.

«Vieles ist noch offen»

GAG-Chef Hohler tönt da etwas vorsichtiger: «Wir wissen noch gar nicht, wie das Bieter-Verfahren abläuft und wer alles mitbietet.» Vielleicht komme ja ein ausländischer Gigant und schnappe sich die Rechte für einen Fantasiebetrag. Federführend im Bieterverfahren werde seitens der Kabelanbieter upc Cablecom sein, erklärt Hohler.

Jeden Betrag werden die lokalen Kabelbetreiber nicht für die Eishockey- oder Fussballspiele in der Schweiz ausgeben wollen oder können. Denn die volle Kasse kann beispielsweise die GAG gut brauchen, um das Glasfasernetz in ihrem Einzugsgebiet weiter auszubauen oder die technische Infrastruktur zu verbessern. Allein der Ersatz des GAG Zentralcomputers für das Internet hat im vergangenen Februar 350'000 Franken gekostet.

Doch mitgegangen, mitgehangen. Es ist ebenso unwahrscheinlich, dass die GAG kneifen kann, wenn es dereinst ans Zahlen geht. Wo wäre denn für Hohler die Schmerzgrenze? – Der GAG-Chef gibt sich bedeckt. «Ich will und kann nicht über einen Verteilschlüssel spekulieren, solange nicht mehr zum Bieterverfahren klar ist. Es ist beispielsweise durchaus möglich, dass am Ende Rechte für nur eine Sportart erworben werden, was sicher günstiger kommt.»

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