Die Firma im Besitz der Stadt Zürich (früher Erdgas Zürich) hat sich zum Ziel gesetzt, ein flächendeckendes Netz von Ladestationen für Elektromobilität in der Schweiz aufzubauen. «Gleichzeitig haben wir für die Freizeitanlage Kakadu das Bedürfnis, eine Ladestation anzubieten», erklärte Beat Leimer, Besitzer der Freizeitanlage. Auch im Hotel St. Urs und Viktor fragen immer mehr Gäste nach einer Lademöglichkeit. Diese kann nun wenige Meter vom Hotelparkplatz weg angeboten werden, auf dem Parkplatz der Firma ABS Rufer direkt neben dem «Kakadu».

«Das ist die Zukunft»

Und schliesslich geht Leimer davon aus, dass auch Denner-Kunden und Mitarbeitende der angrenzenden Medtech-Firmen die Ladestation nutzen werden. «Wenn man sieht, was zurzeit in China abgeht und wie führende europäische Automarken auf die Elektromobilität setzen, ist das zweifellos die Zukunft», meinte Leimer anlässlich der Eröffnung der «Zapfsäule». Auch Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut gab ihrer Freude Ausdruck, dass nun Bettlach als weisser Fleck auf der Stromtankstellen-Karte verschwunden ist. «Die Ladestation passt gut zur Energiestrategie der Gemeinde.»

Der Schnelllader für zwei Fahrzeuge verfügt über eine Leistung von 22 kW pro Ladeplatz. Damit kann ein elektrisches Mittelklasseauto innerhalb von 45 Minuten einen Ladestand von 80 Prozent erreichen. Die Ladestation wird per App des Anbieters freigeschaltet und dort auch die bezogene Strommenge abgerechnet.

In Grenchen erst bei Lidl

Überblick über Ladestationen gibt heute jedes Elektrofahrzeug auf seinem GPS-Gerät. Die Garagenvertreter Cédric Bringolf (Garage Brändli AG Grenchen) sowie Michel Bader (Automobile Bader AG Bellach) führten anlässlich der Eröffnung das aktuelle voll elektrische Modell «Soul EV» der Marke Kia mit einer Reichweite von über 200 km vor, was für den täglichen Gebrauch meistens mehr als ausreichend ist.

In Grenchen gibt es bis jetzt erst eine einzige Stromtankstelle. Sie befindet sich bei der Lidl-Filiale und wurde Ende März dieses Jahres eröffnet. Angeschlossene Fahrzeuge sieht man eher selten. Die Lidl-Pressestelle gibt auf Anfrage dazu lediglich bekannt, dass die 24 Ladestationen bei den Schweizer Lidl-Filialen durchschnittlich fünf Ladungen pro Tag verzeichnen. «Wir sind mit diesen Werten zufrieden und stellen fest, dass unsere Kunden diesen kostenlosen Service schätzen», schreibt die Lidl Unternehmenskommunikation dazu.

Im Gemeinderat Grenchen wurde im Januar ein Postulat von Aldo Bigolin (FDP) erheblich erklärt, das die Stadt aufforderte, Standorte für Schnellladestationen zu suchen. Anlässlich der Behandlung wurde aber auch vor zusätzlichen Kosten für die Stadt gewarnt, denn die Kosten pro Ladestation wurden von der SWG je nach Leistung mit 25'000 bis 50'000 Fr. beziffert.

Was plant die SWG?

SWG-Chef Per Just meinte damals, die städtische Energieversorgerin prüfe «das unternehmerische Potenzial im Zusammenhang mit der Ladeinfrastruktur». Ziel sei es, «ein sinnvolles Geschäftsmodell innerhalb der Wertschöpfungskette zu finden», also Geld zu verdienen. Der Betrieb von Ladestationen soll deshalb Privaten überlassen werden, hiess es im Rat von bürgerlicher Seite auch.

Zürcher expandieren

Just schloss aber nicht aus, dass die SWG als Investor einer Schnellladestation infrage komme. Am Dienstag konnte allerdings bei der SWG niemand über den Stand der Pläne Auskunft geben. Die Stadt Zürich mit 360 Grad Energie jedenfalls, will mit ihrer Firma weiter expandieren und sucht im Internet nach Partnern in Gebieten, wo es noch nicht so viele Ladestationen gibt. Sie übernimmt dabei alle Aufgaben vom Bau der Station über den Strombezug beim Energieversorger bis zur Verrechnung der Bezüge.

Raststätte Pieterlen trumpft auf

Gross anrichten will demnächst auch die Raststätte Pieterlen auf der A5. Die Betreiber Socar und Autogrill laden für den kommenden Montag 23. Oktober zu einer Eröffnungsfeier ein. Sie wollen, wohl rechtzeitig auf die Eröffnung der Umfahrung Biel hin, die nach eigenen angaben grösste Schnellladestation für elektrische Fahrzeuge im Kanton Bern eröffnen. Es sind sechs Ladeplätze vorgesehen.