Grenchen

Baudirektion unterstützt die Motion gegen Schottergärten

Polarisierend: Schottergarten in einem Einfamilienhausquartier im Seeland

Steingarten

Polarisierend: Schottergarten in einem Einfamilienhausquartier im Seeland

Die Baudirektion unterstützt eine Motion von Vize-Stadtpräsident Remo Bill, der Schottergärten in Grenchen eindämmen will.

Im September reichte Remo Bill (SP) eine Motion ein, mit der er die Ausbreitung von Schottergärten stoppen will. Das Bau- und Zonenreglement soll dahingehend angepasst werden, dass die Stadt im Baubewilligungsverfahren Einfluss nehmen kann «auf eine natur- und klimafreundliche Garten- und Grünflächengestaltung». Zudem sollen Hauseigentümer informiert werden über die negativen Auswirkungen von Schottergärten. Ihnen soll aufgezeigt werden, wie Hausumgebungen naturnah gestaltet werden können.

Remo Bill ist aufgefallen, dass immer häufiger Vorplätze von Privathäusern oder Abstandsflächen von Gewerbebauten als Schottergärten angelegt werden, das heisst als «Grünfläche», in welcher Steine das hauptsächliche Gestaltungsmittel sind. Pflanzen kommen

nicht oder nur vereinzelt vor. Als Gestaltungsmaterial kommen häufig gebrochene Steine mit scharfen Kanten zum Einsatz, also beispielsweise Schotter.

«Weder pflegeleicht noch günstig»

«Schottergärten sind weder pflegeleicht noch günstig», schreibt Architekt Bill in der Begründung seines Vorstosses. Oftmals werde unter solchen Flächen ein Vlies oder gar eine Plastikfolie verlegt, damit möglichst wenig Unkraut wächst. «Da in unseren klimatischen Verhältnissen gleichwohl nach kurzer Zeit wieder Wildkräuter keimen, werde diesen häufig mit stark toxischen Chemikalien zu Leibe gerückt.» Chemikalien, welche beispielsweise für die Unkrautvernichtung auf öffentlichem Grund längst verboten sind.

Nebst der «zumindest fragwürdigen ästhetischen Gestaltung» hätten diese Schotterflächen einen weiteren gravierenden Nachteil, wie Bill betont. «Die Schotterflächen haben negative Einflüsse auf das Mikroklima und die Artenvielfalt. Bei Sonnenschein werden die Flächen stark erwärmt und bilden eigentliche Hitzeinseln, was auch die Temperatur in der Nachbarschaft negativ beeinflusst.»

In der Tat wurde in Grenchen mitunter schon beobachtet, dass Steingärten bei grosser Hitze mit Wasser gekühlt werden. Für Bill ist deshalb klar, dass das Phänomen Schottergarten eingedämmt werden muss. «Sie führen zu zusätzlichem Abwasser, Verlust der Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität im Siedlungsraum.»

«Motionär klopft an offene Türen»

«Mit dem Anliegen klopft der Motionär bei der Baudirektion an offene Türen», schreibt diese in der nun vorliegenden Antwort. Sie beantragt, die Motion erheblich zu erklären, und stützt Bills Argumentation. Auch der Bauverwaltung ist aufgefallen, dass in letzter Zeit vermehrt Schottergärten anstelle einer herkömmlichen Umgebungsgestaltung realisiert werden. Dies mit dem Ziel, die Unterhaltsarbeiten auf ein Minimum zu reduzieren.

«Mit diesem Trend werden übergeordnete Zielsetzungen wie ökologische Vernetzung im Siedlungsgebiet, Wahrung des Ortsbildes oder Sicherstellung der Retention beeinträchtigt», schreibt die Baudirektion.

Baureglement konkretisieren

Das Bauinspektorat versuche bereits heute im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten, diesem Trend entgegenzuwirken. Im Rahmen des räumlichen Leitbildes, einer Vorstufe der Ortsplanungsrevision, seien bereits Massnahmen vorgeschlagen worden. Mögliche Ansätze sind laut Baudirektion die Konkretisierung der Definition der Grünflächen im Bau und Zonenreglement und detaillierte Vorschriften über den Anteil begrünter Flächen mit natürlichem Bodenaufbau. Zudem könne man Hausbesitzer mit Merkblättern für die erwähnte Problematik sensibilisieren und Alternativen für eine nachhaltige Umgebungsgestaltung aufzeigen.

«Die Baudirektion unterstützt das Anliegen der Motion und ist gewillt, im Rahmen der Ortsplanungsrevision entsprechende Massnahmen vorzuschlagen», heisst es. Allerdings macht sie auch bereits Einschränkungen. «Zusätzliche reglementarische Vorgaben müssen klar begründet sein und sollen die Autonomie der Grundeigentümer nicht stärker beeinflussen als unbedingt notwendig.» Die Vorgaben müssten klar vermittelbar und mit vernünftigem Aufwand kontrollierbar sein.

Und die Freiheit des Eigentums?

Motionär Remo Bill zeigt sich erfreut über die Aufnahme seines Vorstosses bei der Stadt und verweist auf ähnliche Initiativen auf Kantonsebene. «Es ist mir bewusst, dass im Rahmen der Eigentumsfreiheit nicht beliebige Eingriffe des Gesetzgebers möglich sind. Ich werde mich deshalb auch noch bei Baujuristen diesbezüglich erkundigen», meint Bill. Umso wichtiger sei die Aufklärung der Bevölkerung, beispielsweise über die Auswirkungen der Schottergärten auf die Biodiversität. Die Motion ist an der Gemeinderatssitzung vom Dienstag traktandiert.

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