Stadtbummel Grenchen

Barrieren in einer schrankenlosen Welt

Bei der Benützung des Postparkplatzes wird von den Autofahrern mehr Disziplin erwartet. (Archiv)

Bei der Benützung des Postparkplatzes wird von den Autofahrern mehr Disziplin erwartet. (Archiv)

Alle reden vom barrierefreien Zugang. Nur in Grenchen werden demnächst weitere Barrieren montiert, um den Autofahrern mehr Disziplin bei der Benutzung des Postparkplatzes beizubringen. Vielleicht folgt dann bald auch noch der EPA-Parkplatz. Und wenn wir schon dabei sind, könnte man gleich eingangs Marktstrasse auch eine solche montieren.

Die Vorteile des Systems sind unverkennbar, vor allem, weil sie nur so viele Autos reinlassen, wie es Plätze hat. Das wäre vor allem für die Marktstrasse ein Segen. Allerdings würden dann die Autos die Kapellstrasse blockieren. Ein Detail zwar, wenn man partout in der Marktstrasse parkieren will. Nicht etwa im Parkhaus, auch wenn es dort noch 300 freie Gratisplätze hat. Zwar wäre jeder in der Zeit, in der er vor der Schranke wartet, schon dreimal vom Parkhaus auf den Marktplatz gelaufen. Doch egal. Dieses irrationale Verhalten kann man auch jeden Samstag auf dem Migros Parkplatz beobachten. Dort sogar ohne Schranke.
Doch bleiben wir beim Hauptvorteil der Barriere, die eigentlich flächendeckend auf allen Grenchner Parkplätzen eingeführt gehört: Es können keine Bussgelder mehr nach Solothurn fliessen!

Übrigens: Gemäss heutigem Stand der Technologie bräuchte es eigentlich keine Barriere. Längst könnten Kameras die Autonummer ablesen, von jedem, der reinfährt, und dann automatisch Rechnung stellen. Man kennt das von den französischen Autobahnen. Die Zeit, die man in der Marktstrasse herum manövriert auf der Suche nach einem freien Platz, würde dann erziehungshalber zur Parkzeit draufgeschlagen. Dann vielleicht doch lieber Schranke und Stau auf der Kapellstrasse? Sei’s drum. Fakt ist, dass wir täglich Barrieren überwinden müssen in unserer ach so barrierefreien Welt. Gesichtskontrolle beim Handy entsperren, Passwörter noch und noch am Arbeitsplatz, privat und im Internet. Was ja inzwischen alles dasselbe ist. Was, wenn ich auf einen Schlag alle meine Passwörter vergässe? Würde ich dann überhaupt noch existieren? Und niemand würde meine Beiträge liken.

So was soll tatsächlich manchen schlaflose Nächte bescheren. Darum hat es bestimmt Vorteile, sich auch ab und zu wieder in die reale Welt zu begeben. Zur Mutter aller Barrieren, nämlich. Diese steht in Bettlach beim Bahnhof und ist ein absolutes Unikum auf der SBB-Fernverkehrsachse Genf–St. Gallen. Eine richtige Eisenbahnbarriere, wie wir sie aus unserer Jugendzeit kennen. Mit Warten, Zügen und so. Und dann wieder warten. Sie lehrt uns Gelassenheit und Geduld. Hoffentlich bleibt sie noch lange. In unserer schrankenlosen Welt.

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