Am 16. Oktober 1983 verstarb Bundesrat Willi Ritschard (Luterbach) auf einer seiner vielen Bergwanderungen in der Nähe des ehemaligen Berghofes «Längschwand», im Gebiet des Obergrenchenbergs. Der frühere Gewerkschafter und sozialdemokratischer Politiker war oft auf den Jurahöhen anzutreffen. Hier fand er den notwendigen Ausgleich zur täglichen harten politischen Arbeit.

So kehrten er und seine Begleiter öfter auch auf den Berghöfen ein - eine seiner beliebtesten Raststätten war das «Hofbergli», doch auch auf dem Grenchenberg wanderte Ritschard oft. Dorthin hatte ihn am 16. Oktober 1983 auch seine letzte Wanderung geführt. Am Ort, wo ihn der Tod ereilte, erstellten die Einwohner- und Bürgergemeinde Grenchen einen schlichten Gedenkstein, dessen Inschrift der Grenchner Bildhauer Fritz Flury gestaltete.

Gedenkstätte seit 1984

Gerald Lechner, damals Redaktor am «Grenchner Tagblatt» berichtete im «Grenchner Jahrbuch 1984» über die Einweihung der Gedenkstätte, an der am 13. November 1984 rund 200 Personen teilgenommen hatten. Gerald Lechner zitierte Fritz Suter, den damaligen Bürgerammann.

Dieser sagte anlässlich der schlichten Feier unter anderem über Ritschard: «Er stellte stets den Menschen über alles andere. Er lebte einfach - und eine einfache Gedenkstätte soll unser Dank sein für seine stete und harte Arbeit zum Wohle der Menschen.»

In einem speziellen, auf das Wesen und die Person des Verstorbenen ausgerichtetes Gebet wandte sich Bischof Anton Hänggi, ein guter Freund des Verstorbenen, speziell an die Wanderer und bat diese, sie möchten sich hier beim Vorübergehen an dieser Gedenkstätte, an einen guten und gläubigen Menschen erinnern.

«Jedem verbunden»

Regierungsrat Fritz Schneider setzte sich mit der Persönlichkeit des Verstorbenen auseinander. «Jedem von uns gehörte Willi Ritschard in irgendeiner Form an, jedem von uns war er irgendwie verbunden.» Schneider führte weiter aus, die Anziehungskraft des Menschen, Bürgers und Politikers Willi Ritschard sei von dessen menschlicher Wärme ausgegangen. Alles was er tat und sprach, sei von seiner menschlichen Wärme ausgegangen. Alles was er tat und sprach, sei von Offenheit, Herzlichkeit, Klarheit und Einfachheit geprägt gewesen.»

Schneider, damaliger FDP-Bildungsdirektor, schloss: «In einer verunsicherten Zeit und Gesellschaft hat Willi Ritschard eine Vaterfigur mit fühlendem Herzen und scharfem Verstand verkörpert. Er bleibt für uns alle ein leuchtendes Beispiel für menschlich gelebte politische Arbeit. Es wird einem immer, wenn man an Willi Ritschard denkt, warm ums Herz.»

Die Berghof-Idee platzte

Vor 30 Jahren wurden in Grenchen aber noch ganz andere Pläne für eine Gedenkstätte gesponnen. Und zwar auf dem 1832 bis 1833 erbauten Hof «Längschwand» (oder «Längschwang»). Dieser war einer von vier Berghöfen der Grenchner Bürgergemeinde. Die Grenchner Kulturkommission wollte den Hof als Beispiel für die Juraberghöfe unter Schutz stellen und das Gebäude fachgerecht renovieren. Es sollte als Wanderlager weitergeführt und zum «einzigartigen Denkmal für Bundesrat Willi Ritschard» werden.

Der damalige Grenchner Baudirektor Otto Singer unterstützte die Idee und erstellte eine detaillierte Dokumentation als Entscheidungshilfe. Auch das Bundesamt für Kulturpflege wollte den Hof unter Schutz stellen. Der Bund erstellte eine grundlegende Bau-Dokumentation.

Die Bürgergemeinde, Besitzerin des Grundstückes, zog es jedoch vor, das seit 1974 leerstehende, recht baufällige Gebäude abzubrechen. Neben dem baulichen Zustand und den Kostenfolgen dürften nicht zuletzt die Bedenken eine Rolle gespielt haben, dass mit einem Club-Betrieb auf dem Berg zusätzliche Lärmimmissionen entstehen könnten. Die Bürgergemeinde befürchtete, dass auch eine Wanderherberge grosse Umtriebe für den Pächter des Obergrenchenberges verursachen würde. In der Folge wurde der Hof schliesslich ersatzlos abgerissen.

Im Schweizer Architektur-Invertar INSA wurde der Hof als «Langgestreckter Bau mit verschindeltem Krüppelwalmdach» beschrieben. Im «Längschwand» befand sich wie in den übrigen drei Berghöfen der Bürgergemeinde Grenchen neben dem Landwirtschaftsteil eine Bergwirtschaft. Allerdings war der Restaurantbetrieb zu gering, aber auch der Landwirtschaftsbetrieb vermochte die Pächterfamilien nicht zu ernähren. Ende der 60er und anfangs der 70er-Jahre formierte sich auf Initiative von Berggängern ein «Freundeskreis Längschwang». Dieser unterstützte die Pächter vor allem mit einem jährlich stattfindenden Fischessen, das auf dem Berghof stattfand. Diese Jahresfeste fanden grossen Anklang. Trotz aller Bemühungen musste 1974 der Hof aufgegeben werden.

1983 - zwei Jahre vor der Durchführung der 10. Internationalen Triennale für Originalgrafik - bat die Grenchner Kulturkommission Bundesrat Willi Ritschard um Unterstützung bei einem besonderen Vorhaben. Die Idee war, dass zur Jubiläums-Triennale - es sollte die zehnte sein - im Jahre 1985 von der damaligen PTT eine Sonder-Briefmarke herausgegeben werden könnte. Nicht zuletzt wollten die Initianten auch, dass Grenchen erstmals eine Briefmarke erhalten sollte. Am 20. September, nur wenige Tage vor seinem Tod auf dem Grenchenberg, schrieb Bundesrat Willi Ritschard, er werde das Anliegen an die Post weiterleiten. Er äusserte seine Hoffnung, dass die Idee von einer Grenchner Sonder-Briefmarke realisiert werden könne. Mit Willi Ritschard verstarb der Fürsprecher für das Vorhaben; bis heute gibt es keine Briefmarke der Wakker-Stadt Grenchen.

Willi Ritschard schickte diesen Brief an Rainer W. Walter

1983 - zwei Jahre vor der Durchführung der 10. Internationalen Triennale für Originalgrafik - bat die Grenchner Kulturkommission Bundesrat Willi Ritschard um Unterstützung bei einem besonderen Vorhaben. Die Idee war, dass zur Jubiläums-Triennale - es sollte die zehnte sein - im Jahre 1985 von der damaligen PTT eine Sonder-Briefmarke herausgegeben werden könnte. Nicht zuletzt wollten die Initianten auch, dass Grenchen erstmals eine Briefmarke erhalten sollte. Am 20. September, nur wenige Tage vor seinem Tod auf dem Grenchenberg, schrieb Bundesrat Willi Ritschard, er werde das Anliegen an die Post weiterleiten. Er äusserte seine Hoffnung, dass die Idee von einer Grenchner Sonder-Briefmarke realisiert werden könne. Mit Willi Ritschard verstarb der Fürsprecher für das Vorhaben; bis heute gibt es keine Briefmarke der Wakker-Stadt Grenchen.