An der Entdeckungstour der «Jurasonnenseite» unter der Leitung von Christoph Siegrist, Präsident von Grenchen Tourismus, wurde nach der «Einkaufsstadt», der «Sportstadt», der «Flughafenstadt» und der «Kinderstadt» nun die «Bergstadt» den Neuzuzügern, Pendlern, Einwohnern und Interessierten nähergebracht. Eigentliche Neuzuzüger gab es zwar keine in der rund 12-köpfigen Gruppe. Das Interesse jedoch war gross, erfuhren die Teilnehmenden doch vieles, das sie auch als langjährige Einwohner noch nicht wussten.

Wasser aus dem Tunnel

Erste Station war das Portal des Grenchenbergtunnels. Siegrist, der die kleine Gruppe selber in einem BGU-Kleinbus chauffierte, übergab dort an Hansruedi Kronenberg, der viel über den Bau des Grenchenbergtunnels zu erzählen wusste: Grenchen bezieht sein Wasser aus dem Tunnel. Vor dem Bau entnahmen die Grenchner ihr Wasser mehreren Quellen, die zum Grossteil über dem Niveau des heutigen Tunnelportals lagen.

Beim Vortrieb des Tunnels allerdings «stach» man ein grosses Wasservorkommen im Berg an – während mehrerer Tage lief eine derart grosse Menge Wasser aus dem Tunnel, dass die Arbeiten eingestellt werden mussten. Denn tatsächlich war man auf einen «See im Berg» gestossen, auf dem laut Überlieferung die besonders Mutigen sogar mit Booten unterwegs gewesen seien.

Die Quellen über dem Tunnel versiegten, als das Niveau des Grundwassers sich senkte. Die BLS, die den Tunnel baute, wurde vom Bundesgericht dazu verdonnert, das Wasser im Tunnel neu zu fassen und die Versorgung der Stadt wieder zu sichern – und zwar auf ewig. Kronenberg, der als leitender Ingenieur vor 13 Jahren für die Totalsanierung des Tunnels und der Wasserversorgung zuständig war, berichtete etliche spannende Details zum Grenchenbergtunnel.

Wallfahrts- und Kraftort

Nächste Station auf der Entdeckungstour war die Kapelle Allerheiligen, deren interessante Geschichte den Teilnehmern von Paul Sperisen nähergebracht wurde. Sperisen, der selber in diesem Quartier aufgewachsen ist und seit mehreren Jahrzehnten über die Kapelle wacht, wusste viel zu berichten: Die Kapelle, die anstelle einer früheren Holzkapelle gebaut und 1683 vom Bischof von Lausanne geweiht wurde, liegt an einem bekannten Wallfahrtsweg direkt zum St. Immertal. Als einzige Kapelle in der Schweiz ist sie mit drei Barock-Altaren ausgestattet, die allesamt von reichen Familien gestiftet wurden.

Während mehr als 100 Jahren war sie ein stark frequentierter Wallfahrtsort und gilt noch heute als Kraftort. Das Kaplanhaus, das unmittelbar neben der Kapelle liegt, sollte in den Siebzigerjahren abgebrochen werden, doch Ernst Thomke, Uhrenindustrieller und Swatch-Erfinder, damals noch wohnhaft in Sutz-Lattrigen am Bielersee, kaufte das Anwesen auf Wunsch seiner Frau und liess sich später auch dort nieder.

Ernst Thomke ist es auch zu verdanken, dass das «Chappeli», das legendäre Grenchner Wirtshaus hinter der Kapelle Allerheiligen, zu einer der besten gastronomischen Adressen der Region wurde. Thomke kaufte das erstmals 1689 erwähnte Gasthaus, das so heruntergekommen war, dass man es vor inzwischen fünf Jahren bis auf die Grundmauern abreissen und neu bauen musste. Nur der Ökonomieteil konnte erhalten werden. Mit Janine Hausmann und Christoph Köhli holte man vor vier Jahren Spitzen-Gastronomen ins Haus, die das Chappeli zu einer beliebten Adresse für Gourmets werden liessen.

Grösster Waldbesitzer

Nach dem Apéro im Chappeli informierte Revierförster Patrik Mosimann an zwei Standorten über die Aktivitäten der Bürgergemeinde Grenchen, der grössten Waldbesitzerin im Kanton. Ihr gehören 1308 Hektaren Land, davon 979 Hektaren Wald, drei Berghöfe und die 15,7 Kilometer lange Grenchenbergstrasse.

Mosimann umriss die diversen Aufgaben, die er mit seinem Team leistet. So zum Beispiel den Unterhalt des Vita- Parcours, des Waldlehrpfads und der zahlreichen Picknickplätze und Feuerstellen im Wald. In erster Linie aber kümmern sich die Spezialisten um den Wald: einerseits, um ihn zu bewirtschaften und andererseits, um ihn zu pflegen. Mosimann machte keinen Hehl daraus, dass man mit der Holzerei keine Gewinne mehr machen könne.

Der Luchs und die Eibe

Einer Exkursionsteilnehmerin war aufgefallen, dass die Eibe wieder auf dem Vormarsch sei. Mosimann erklärte, dass man diese Baumart zur Zeit, als die Holzerei noch mit Pferden betrieben worden sei, aktiv entfernt habe, weil die Früchte ein für die Tiere tödliches Gift enthielten. Später seien die jungen Triebe fast vollständig von den Rehen gefressen worden. Erst, seit der Luchs wieder vermehrt im Gebiet anzutreffen sei und den Rehbestand dezimiert habe, könne sich der Bestand der inzwischen geschützten Eibe wieder erholen. Es seien im Übrigen fünf bis sieben Luchse unterwegs in der Region.

Bei einem weiteren Halt erläuterte der Revierförster die Arbeiten im Rahmen des Projekts «Schutzwald», das von Bund und Kanton finanziert und seit mehreren Jahren erfolgreich durchgeführt wird. Dabei werden unter anderem alte Bäume gezielt abgeholzt und aus dem Wald genommen, um mehr Licht für den Jungwald zu schaffen, der sich besser entwickeln soll.

Beim abschliessenden Halt auf der Terrasse des Berggasthofs Untergrenchenberg informierte Christoph Siegrist, Präsident von Grenchen Tourismus, über die zahlreichen Freizeit- und Sportmöglichkeiten Sommer und Winter auf dem Berg: Sternwarte, Monstertrottinett, Biketrails und Wandermöglichkeiten, Schneeschuh-Wanderrouten, Nachtskifahren und vieles mehr.

Nächste Entdeckungstouren der Jurasonnenseite: Uhrenstadt Grenchen am 13. September, Kulturstadt Grenchen am 20. September.