Musical

Auf dem Weg zur Bühnenkarriere: Diese 16-jährige Grenchnerin hat grosse Ziele

Viviana Cali (16), Grenchner Nachwuchstalent, absolviert als jüngste Schülerin die Stage School in Hamburg.

Viviana Cali (16), Grenchner Nachwuchstalent, absolviert als jüngste Schülerin die Stage School in Hamburg.

Die Grenchnerin Viviana Cali ist mit 16 Jahren die jüngste Schülerin an der Stage School in Hamburg. Die Konkurrenz ist gross.

Seit letztem August besucht die Grenchnerin Viviana Cali die Stage School in Hamburg, eine der renommiertesten Bühnenfachschulen für Tanz, Gesang und Schauspiel in Deutschland. Mit 16 Jahren ist Viviana die Jüngste der rund 300 Schülerinnen und Schüler, die dort Unterricht in «performing arts» besuchen, mit dem Ziel, nach drei Jahren Ausbildung für Musicals engagiert zu werden oder eine Karriere als Schauspielerin, Sängerin oder Tänzerin auf der Bühne oder am Bildschirm zu machen. Die ältesten Schülerinnen und Schüler sind um die 26 Jahre alt.

Viviana hatte vor vier Jahren, als sie noch die Ballettschule von Barbara Bernard Schildknecht besuchte, schon diverse Erfolge im klassischen Ballett verbucht und mehrere Preise in ihrer Alterskategorie gewonnen.

«Der Nussknacker» getanzt von der Ballettschule Barbara Bernard

«Der Nussknacker» getanzt von der Ballettschule Barbara Bernard

Viviana Cali tanzt die Clara in Tschaikowskys Nussknacker

An den Weltmeisterschaften 2015 erreichte sie den guten 8. Rang und im selben Jahr wurden sie und ihre Ballettlehrerin bei einem internationalen Ballettwettbewerb in Bad Homburg bei Frankfurt am Main beide mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Vor zwei Jahren schliesslich wurde Viviana von der Stadt Grenchen mit dem Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet.

Tänzerin Viviana Cali am Grenchner Kulturpreis 2017

Tänzerin Viviana Cali am Grenchner Kulturpreis 2017

Viviana Cali erhält den Nachwuchsförderpreis 2017

Ziel war immer eine Profikarriere

Vivianas erklärtes Ziel war stets eine Profikarriere als Tänzerin gewesen. Die junge Frau, die schon mit vier Jahren mit Ballett begann, setzt aber jetzt nicht mehr nur auf klassisches Ballett, sondern erweitert ihr Spektrum. Weshalb eigentlich? «Schon als kleines Mädchen habe ich immer gerne gesungen und ich tue das noch heute. Nach der Ballett-Ausbildung bei Barbara Bernard besuchte ich eine Ballettschule in Bern, sechs Mal die Woche. Und irgendwann bekam ich Zweifel, ob mir ausschliesslich klassisches Ballett genügt. Dazu kommt, dass ich etwas zu klein und zu weiblich bin für eine Profikarriere im klassischen Bereich.»

Viviana besuchte zu dem Zeitpunkt noch die 9. Klasse in der Talentförderklasse im Schützenmattschulhaus in Solothurn. In den Ferien besuchte sie diverse Workshops, unter anderem einen der Stage School Hamburg. Wenn es nach den Verantwortlichen dieser Schule gegangen wäre, hätte sie ihre reguläre Schulausbildung gleich abbrechen sollen, um mit dem Unterricht an der Musicalschule zu beginnen. «Das kam aber nicht infrage, die Schule wollte ich auf jeden Fall zu Ende bringen», sagt Viviana. Aber sie durfte im Gegenzug bis zum Beginn der Musical-Ausbildung weitere Workshops der Stage School gratis besuchen. Im August letzten Jahres begann sie dann regulär mit der dreijährigen Ausbildung.

Weit weg von zu Hause

Nun lebt sie also seit ein paar Monaten in einer Wohngemeinschaft in der Nähe der Schule, im Stadtteil Altona. Ist es hart, so früh schon das Elternhaus zu verlassen? «Ja, sehr. Am Anfang hatte ich starkes Heimweh. Aber inzwischen habe ich schon einige Kolleginnen und Kollegen gefunden, die mit mir die Schule besuchen, mit denen ich auch privat etwas unternehmen kann. Zum Glück besucht mich auch meine Mutter regelmässig – und es gibt ja auch noch das Telefon und Facetime.» Aber ausserhalb der Schule habe sie wenige Leute kennen gelernt, dafür fehle ihr schlicht die Zeit.

Die Ausbildung sei sehr abwechslungsreich, erzählt die junge Tänzerin: Vom klassischen Ballett über Jazztanz und Stepptanz – den habe sie vorher noch nie erlernt, aber es mache ihr riesigen Spass – über Schauspiel- und Sprechunterricht, Unterricht in Gesang, Interpretation und Repertoire bis zu theoretischem Unterricht in den Fächern Musiktheorie, Theatergeschichte und Sprechtechnik. Nicht zu vergessen: Fitness im schuleigenen Fitnessstudio jeden Dienstag. Dazu kommen am Abend und am Wochenende Workshops, Proben für Chorgesang und für diverse Projekte, für die sich die Schülerinnen und Schüler jeweils intern bewerben und die dann auf der hauseigenen Bühne gezeigt werden.

Viviana Cali (16), Grenchner Nachwuchstalent, absolviert als jüngste Schülerin die Stage School in Hamburg Foto: Oliver Menge

Viviana Cali

Viviana Cali (16), Grenchner Nachwuchstalent, absolviert als jüngste Schülerin die Stage School in Hamburg Foto: Oliver Menge

Konkurrenz ist vorhanden

Alle sechs Monate bekommt jede Schülerin, jeder Schüler ein Feedback der Schule über die Fortschritte. Ende Jahr müssen alle eine Prüfung absolvieren und werden dann neu nach entsprechendem Niveau fürs nächste Ausbildungsjahr eingeteilt. Das Verhältnis untereinander sei denn auch nicht immer freundlich, oder dann nur vordergründig: «Es gibt auch Neid und Missgunst, das Konkurrenzdenken ist stark vorhanden.»

Kein Wunder: Die Stage School Hamburg ist die grösste und älteste private Theaterschule Deutschlands, mit eigenem Theater und mehreren Sälen. Professionelle Musicalproduktionen halten dort ihre Auditions ab. Die rund 60 internationalen Dozenten, die selber oft in Musical- oder Theaterproduktionen mitwirken, haben ebenfalls gute Kontakte in der Theater- und Muscalszene. Potenzielle zukünftige Arbeitgeber sind also schon direkt vor Ort, das befeuert die Konkurrenz untereinander ungemein.

Momentan geniesst Viviana ihre Ferien im Kreis ihrer Familie und Freunde in Grenchen, bevor sie nächste Woche nach Oslo fliegt. Sie wurde als eine von 12 Tänzerinnen ausgewählt, dort an einer Austausch-Intensivwoche teilzunehmen. «Darauf freue ich mich sehr.»

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