Erst drei Wochen ist es her, als die Kantonspolizei vor sogenannten CEO-Betrügern warnte. Ihre Masche geht folgendermassen: Die Gauner kontaktieren die Finanzbuchhaltung einer Firma und geben sich am Telefon oder im Mail als oberster Chef aus, der sich aus den Ferien meldet und Angestellte mit irgendeiner dringlichen oder vertraulichen Zahlung beauftragt. Meist sollen grosse Summen (mehrere zehntausend Franken) auf ein bestimmtes Konto überwiesen werden. Den Rest kann man sich denken. Wenn sich ein mächtiger Chef meldet, wagen die Angestellten nicht nachzufragen und führen den Auftrag aus.

Als Stapi ausgegeben

«Anfang Woche ist so etwas auch bei uns versucht worden», schildert Stadtpräsident François Scheidegger. Der Versuch sei aber vereitelt worden, weil die Mitarbeiterin richtig reagiert und intern nachgefragt hat. «Jemand hat sich als Stadtpräsident ausgegeben und unter meinem Namen ein Mail an die Mitarbeiterin geschickt. Sie sollte 18'900 Euro überweisen.»

Falscher Grencher Stadtpräsident gibt Zahlungsaufträge

Falscher Grencher Stadtpräsident gibt Zahlungsaufträge

18`900 Euro wollten sogenannte CEO-Betrüger von der Finanzverwaltung erbeuten. Doch die Rechnung haben sie ohne die aufmerksame Mitarbeiterin gemacht.

Das Schreiben sei in gutem Deutsch verfasst worden und sei nicht auf den ersten Blick als Fälschung zu erkennen gewesen, schildert der Stadtpräsident. Seine (geschäftliche) Mail-Adresse ist in Grenchen wohlbekannt und auch die Kontaktdaten der Mitarbeitenden sind auf der Homepage der Stadt einsehbar, wie das aus Gründen der Bürgerfreundlichkeit durchaus verbreitet ist.

«Unheimliche Kenntnis»

«Es ist dennoch unheimlich, wie die Leute gerade die richtigen Mitarbeiter kontaktieren, die auch autorisiert wären, solche Zahlungen auszuführen», erklärt Scheidegger. «Es hätte von mir kommen können, ausser dass es komischerweise darunter heisst von ‹meinem iPhone gesendet› – dabei habe ich gar kein iPhone.» Somit blieb das Geld in Grenchen und landete nicht auf einem Konto in London.

«Es ist ein Fakt, dass sich die Betrüger sehr genau über Firmenstrukturen informieren», erklärt dazu Astrid Bucher, Mediensprecherin der Kantonspolizei. Das Vorgehen sei ähnlich perfid wie bei den Enkeltrick-Betrügern. Im Kanton Solothurn seien bisher ein halbes Dutzend solcher Fälle bekannt geworden. In drei Fällen wurden auch Zahlungen ausgeführt.

Eine Anzeige einzureichen, sei sicher nicht falsch, meint Bucher, denn damit erfahre die Polizei auch, wie verbreitet das schweizweit bekannte Phänomen auch im Kanton sei. Über die Chancen einer Aufklärung könne man allerdings nichts sagen. Im Hotel de ville hat man gemäss Scheidegger bisher auf eine Anzeige verzichtet. «Die IT-Fachleute sagen mir, eine Aufklärung sei kaum möglich, da sich die Täter bestens elektronisch tarnen können.»

Polizei rät zu Vorsicht

Jedenfalls rät die Kantonspolizei zu äusserster Vorsicht und sensibilisiert Mitarbeitende von Finanzabteilungen. Misstrauen sei angebracht gegenüber Personen, die sich am Telefon als Präsident, Vorsitzender CFO, CEO und dergleichen ausgeben. Überhaupt soll man niemals Geld an unbekannte Personen überweisen. «Nehmen Sie nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen umgehend Rücksprache mit dem Auftraggeber oder dem Chef der Firma», rät die Kantonspolizei.