Was, wenn man ein Loch in den Jeans hat, aber keine Nähmaschine? Wenn man eine E-Mail schreiben muss, aber nicht weiss, wie? Wenn man einen Fernseher gekauft hat und nicht weiss, welcher Stecker in welche Buchse gehört? Antworten auf solche Fragen gibt der Verein Zeit-Tausch.

Er bietet seinen Mitgliedern ein Forum, in dem Fähigkeiten und Fachwissen zum Tausch angeboten werden. Die flinke Näherin flickt das Loch in den Jeans, der Computerkundige schreibt die E-Mail, der Technik-Tüftler schliesst den Fernseher an.

Wer Hilfe leistet, bekommt auf seinem Konto nicht Geld gutgeschrieben, sondern Zeit. Die kann er einlösen für Hilfe beim Umzug, fürs Jäten oder Umgraben im Garten oder für eine tibetische Massage.

Verein seit 1999

Der Verein Zeit-Tausch Solothurn existiert seit 1999 und hat rund 50 Mitglieder. Ihre Fähigkeiten und ihr Fachwissen sind auf einer Liste auf der Webseite des Vereins abrufbar. Die Liste liest sich wie eine Broschüre der Migros-Klubschule oder der Volkshochschule – einfach im Kleinen.

Interessierte können lernen, wie man Socken strickt, Bälle jongliert oder Blockflöte spielt. Neben Kino-Begleitung, astrologischer Beratung und Kinderbetreuung wird Hilfe bei Übersetzungen angeboten: in Englisch, Deutsch und gar Kroatisch.

Getauscht werden kann alles, was Freude bereitet – ausser es ist illegal, verletzt Gefühle oder verstösst gegen den guten Geschmack. Auch der Tausch oder Verleih von Waren ist möglich.

Jede Arbeit hat denselben Wert

«Wir alle haben die Idee, etwas für die Gemeinschaft zu unternehmen», sagt Christina Lang vom Vorstand des Vereins Zeit-Tausch. Massgebend sei dabei der Wert der Zeit: «Wir sind überzeugt, dass jede Arbeit gleich viel Wert hat – egal ob es sich um das Ausfüllen einer Steuererklärung oder den Spaziergang mit dem Hund handelt.» Das Alter der Vereinsmitglieder reiche vom 25-Jährigen bis zum Pensionierten.

Beim Tausch der Dienstleistungen entspricht eine bezogene Stunde grundsätzlich einer geleisteten Stunde. Allerdings werden Materialkosten, die aus der Dienstleistung entstehen, direkt zwischen den Tauschpartnern geregelt. Das heisst, dass bei einem Coiffeurbesuch zwar das Haareschneiden mit Zeit kompensiert werden kann, zum Beispiel das Shampoo aber etwas kostet.

Sozialleben wird aufgefrischt

Der Verein beschränkt sich aber nicht auf den reinen Austausch von Nützlichem. «Unser Ziel ist es auch, das Sozialleben untereinander zu pflegen», sagt Lang.

So finde nicht nur einmal im Monat ein Stammtisch-Treffen statt. Der Verein organisiert auch verschiedene Veranstaltungen, wie ein Sommerfest oder einen Adventsanlass. Es kommt auch vor, dass die Mitglieder mit der Zeit beginnen, sich auch ausserhalb der Tausch-Tätigkeiten zu treffen. So war das auch bei Christina Lang.

«Nach der Pensionierung fielen viele meiner Arbeitskollegen weg», so Lang. Bei Zeit-Tausch begann sie, Fusspflege und Reflexzonenmassage anzubieten, und übernahm später das Büro des Vereins. Sie kam mit anderen Vereinsmitgliedern in Kontakt und frischte so ihr Sozialleben auf.

Damit der Tauschhandel trotz neu gewonnener Freundschaften im Fluss bleibt, halten die Statuten des Vereins fest, dass sich ein Zeit-Konto ständig zwischen 25 Stunden Plus und 25 Stunden Minus bewegen muss. Und damit Zeit sicher nicht mit Geld verwechselt wird, hat der Verein ein Ventil eingebaut: Die Zeit kann nicht an spätere Generationen vererbt werden.

www.zeittausch.ch